Zehn-Punkte-Papier

Habeck legt Asyl-Plan der Grünen vor – mit drastischen Maßnahmen

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Nun hat Habeck einen Zehn-Punkte-Plan für die Asylpolitik der Grünen vorgelegt. Er widerspricht Merz in einigen Punkten.

Update vom 5. Februar, 6.23 Uhr: Harsche Worte von der Grünen Jugend Niedersachsen für Habecks Asyl-Plan: „Habeck oder Merz, wo ist der Unterschied?“, stand in der Parodie eines Grünen-Wahlplakats mit Habeck, das der Landesverband der traditionell linken Nachwuchsorganisation in sozialen Medien verbreitete. Ein entsprechender Instagram-Post wurde gelöscht, auf Facebook waren die Bilder gestern Abend noch zu sehen. Zuvor hatte das Boulevardblatt Bild darüber berichtet. Die Landesführung der Grünen distanzierten sich gegenüber der dpa deutlich von dem Vorgang: „Wortwahl und Inhalt halten wir für inakzeptabel.“ 

Habeck legt Asyl-Plan der Grünen vor – mit drastischen Maßnahmen

BerlinRobert Habeck, Kanzlerkandidat der Grünen, hat einen neuen Zehn-Punkte-Plan für die Asyl- und Migrationspolitik präsentiert, wie die Bild-Zeitung berichtet. Er betonte: „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass in Deutschland über 170.000 Haftbefehle nicht vollstreckt wurden – davon über 14.000 wegen Gewaltdelikten“. Daher fordert er eine „Vollstreckungsoffensive“ mit einem „Schwerpunkt auf Islamisten und anderen Extremisten“.

Habeck kritisiert die Union dafür, dass sie im Bundesrat Teile des von der Ampelkoalition beschlossenen Sicherheitspakets blockiert. Er verlangt, dass CDU und CSU „den Weg“ für diese Maßnahmen freimachen.

Habeck-Forderung: CDU und CSU sollen Sicherheitspaket nicht mehr blockieren

Unter anderem sollen Sicherheitsbehörden mehr Befugnisse erhalten – beispielsweise für anlasslose Kontrollen, um Messerverbote durchzusetzen. Zudem sollen sie bei Ermittlungen zu besonders schweren Straftaten auch biometrische Daten auswerten dürfen, etwa zur Gesichtserkennung.

Zehn-Punkte-Plan: Robert Habeck (Grüne) setzt sich für eine verschärfte Asylpolitik ein.

Weiter sollen sogenannte Dublin-Flüchtlinge, die bereits in einem anderen EU-Staat registriert wurden, keine Sozialleistungen mehr in Deutschland erhalten, sobald feststeht, dass sie in das Land reisen können, wo sie zuerst als Flüchtling registriert wurden.

Er betont: „Bei der medizinischen Erstuntersuchung von Asylsuchenden muss ab sofort auch auf psychische Erkrankungen geprüft werden“. Zudem fordert er eine Kooperationspflicht zwischen Bundes- und Landesbehörden, um die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass Gefährder unentdeckt bleiben. Er plädiert für Bürokratieabbau, sodass alle relevanten Daten über potenzielle Gefährder „auf einen Klick vorliegen“.

Habeck plädiert für konsequente Abschiebung von Gefährdern

Vor der Bundestagswahl am 23. Februar fordert Habeck die konsequente Abschiebung ausländischer „Gefährder und Schwerkrimineller“. Sollte eine Abschiebung nicht möglich sein, müssten diese im „verfassungsrechtlich zulässigen Rahmen“ inhaftiert werden.

Die Bundesvorsitzenden der Grünen: Von Jürgen Trittin bis Ricarda Lang

Krista Sager und Jürgen Trittin von den Grünen
Im Dezember 1994 traten Krista Sager und Jürgen Trittin als Doppelspitze des noch jungen Zusammenschlusses namens „Bündnis 90 / Die Grünen“ an. Beide wurden zu Sprecherin und Sprecher des Bundesvorstands der Partei gewählt. Gemeinsam lenkten sie die Geschicke der Partei für zwei Jahre bis 1996. © Sepp Spiegl/imago-images
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel.
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel. © Jürgen Eis/imago-images
Gunda Röstel blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin.
Gunda Röstel (l) blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin. Von 1998 bis 2000 wurde die Partei damit von zwei Frauen an der Spitze geführt. © Sven Simon/imago-images
Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands.
Im Jahr 2000 tauschten die Grünen ihr Führungspersonal komplett aus. Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands. Ihre Amtszeit hielt aber nur ein Jahr bis 2001. © imago stock&people
Fritz Kuhn und Claudia Roth
Aus Bundesprechern wurden bei den Grünen im Jahr 2001 Bundesvorsitzende. Die ersten Beiden, die dieses Amt bekleideten, waren Fritz Kuhn und Claudia Roth. © Sven Simon/imago-images
Reinhard Bütikofer und Angelika Beer
Nur ein Jahr später der nächste Wechsel an der Spitze der Grünen. Reinhard Bütikofer und Angelika Beer rücken auf und bilden den Bundesvorstand der Partei von 2002 bis 2004. © imago-images
Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer
2004 kehrte Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer. Das Duo blieb bis 2008 im Amt. © Sven Simon/imago-images
Claudia Roth und diesmal Cem Özdemir das Führungsduo der Grünen
Claudia Roth blieb insgesamt bis 2013 im Amt. Ab 2008 mit neuem Co-Vorsitzenden: Cem Özdemir. © Jan Huebner/imago-images
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter.
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter. © Rüdiger Wölk/imago-images
nnalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen
Im Jahr 2018 übernahmen Annalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen. Nach dem Einzug der Grünen in die Bundesregierung legten sie ihre Ämter nieder und schlossen sich dem Kabinett von Bundeskanzlern Olaf Scholz an. © Chris Emil Janssen/imago-images
Omid Nouripour und Ricarda Lang
Es folgten Omid Nouripour und Ricarda Lang. Sie übernahmen den Vorsitz des Bundesvorstands der Grünen im Jahr 2022. Zwei Jahre später verkünden beide ihren Rücktritt als Reaktion auf zahlreiche Wahlschlappen ihrer Partei. Wer die Umweltpartei künftig führt, ist noch offen. © dpa

Um illegale Migration zu reduzieren, setzt Habeck auf europäische Lösungen statt auf nationale Alleingänge. Er fordert, dass „die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) umgehend umgesetzt“ wird und droht mit „drastischen“ Maßnahmen, falls andere EU-Staaten die Dublin-Regeln nicht einhalten: „Wir können nur dann unseren europäischen Partnern gegenüber hart auf die Einhaltung von Europarecht pochen, wenn wir uns selbst daran halten“.

Habeck würde EU-Staaten verklagen

Habeck fordert, dass Asylverfahren vereinfacht, digitalisiert und „drastisch beschleunigt“ werden. Migrationsabkommen sollten zur „Chefsache“ erklärt werden, um Abkommen mit Herkunftsländern zu schließen, die sowohl Abschiebungen als auch die Anwerbung von Arbeitskräften nach Deutschland ermöglichen. Er möchte die Sicherheitsoffensive „unter Demokraten“ verhandeln und lehnt eine „Androhung von Zusammenarbeit mit Rechtsextremisten“ ab.

In der letzten Woche verteidigten CDU und CSU ihren Asyl-Vorstoß mit dem Argument, dass weder SPD noch die Grünen die Pläne unterstützen. SPD und Grüne bezeichneten dies als Erpressung. Nun erklärte Habeck: „Meine Hand für Gespräche war und ist ausgestreckt.“ Scholz hält eine Regierungskoalition zwischen Union und AfD für möglich.

In der vergangenen Woche sorgte Merz für Aufsehen, als er bei einem Antrag zur Zurückweisung illegaler Migranten die Stimmen der AfD in Kauf nahm. Zwei Tage später wiederholte er dies bei einer Abstimmung zu einem Gesetz, das jedoch scheiterte – auch durch die Ablehnung innerhalb der CDU und CSU. Eine neue Umfrage zeigt den beliebtesten Kanzlerkandidaten vor der Bundestagswahl. (Jan-Frederik Wendt)

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