VonMarcus Giebelschließen
Für die Grünen geht es in einer Meinungsumfrage deutlich abwärts. Auch Robert Habeck und Annalena Baerbock büßen persönlich an Zustimmung ein. Profiteur ist neben Union und SPD auch die AfD.
München - Politiker und Anhänger der Grünen dürften neuen Meinungsumfragen derzeit mit Grausen entgegensehen. Ging es für die Partei - nicht zuletzt aufgrund der unübersehbaren Folgen des Klimawandels - in den vergangenen Jahren in der Wählergunst scheinbar unaufhaltsam bergauf, scheinen ihr nun die jüngsten Fehltritte ihres ehemaligen Vorsitzenden Robert Habeck wie Blei an den Füßen zu hängen und sie wieder herunterzuziehen.
Bei der geplanten Gas-Umlage zur Unterstützung in Not geratener Energiekonzerne vergaloppierte sich der Wirtschaftsminister ebenso wie bei seinen Einlassungen zu möglichen Insolvenzen infolge der Inflation im ARD-Talk von Sandra Maischberger. Auch seine sture Ablehnung, auch über den Jahreswechsel hinaus auf Atomstrom zu vertrauen, kostet ihn in einigen Wählerschichten Stimmen.
Sonntagsfrage: Grüne verlieren deutlich - Union, SPD und AfD verbessern sich
Dass ihr Frontmann die Rolle von Everybody’s Darling gerade gegen die eines Prügelknaben getauscht hat, bekommen auch die Grünen zu spüren. Beim „RTL/ntv-Trendbarometer“ sind sie die Verlierer der Woche, büßen in der Sonntagsfrage vier Prozentpunkte ein und landen nur noch bei 20 Prozent. Damit bleibt die Öko-Partei zwar zweitstärkste Kraft, doch der Abstand zur Union wächst von zwei auf acht Prozentpunkte, denn CDU und CSU springen von 26 auf 28 Prozent Zustimmung.
Als einzige Ampel-Partei legt auch die SPD zu, von 18 auf 19 Prozent. Dahinter lauert die AfD, die sogar zwei Prozentpunkte gutmacht und nun bei 13 Prozent steht. Um den Einzug in den Bundestag müsste die FDP bangen, die von sieben auf sechs Prozent runterrutscht. Knapp würde es weiterhin für die Linke reichen, sie kommt erneut auf fünf Prozent. Auf die sonstigen Parteien entfallen wie in der Vorwoche neun Prozent.
Video: Habeck fällt im Beliebtheitsranking weit zurück
Kanzlerfrage: Habeck gleichauf mit Scholz - Baerbock sogar hinter Kontrahenten von Union und SPD
Auch bei der Kanzlerfrage verzeichnet Habeck deutliche Einbußen. Hier verliert der Vizekanzler ebenfalls vier Prozentpunkte. Könnten sie den Regierungschef direkt wählen, würden jeweils 21 Prozent ihr Kreuz bei Habeck respektive Amtsinhaber Olaf Scholz machen. CDU-Chef Friedrich Merz lauert mit 20 Prozent knapp dahinter, er legt um zwei Prozentpunkte zu. Aber: 38 Prozent würden keinen aus dem Trio wählen.
Noch düsterer sähe es für die Grünen aus, würden sie erneut auf Annalena Baerbock setzen. Im Vergleich zur vorigen Umfrage sinkt die Zustimmung um drei Prozentpunkte. Mit 20 Prozent muss sie sich hinter Scholz und Merz anstellen, die hier jeweils 23 Prozent der Stimmen auf sich vereinen könnten und damit je zwei Prozentpunkte hinzugewinnen.
Vor einer Woche hatte die Außenministerin bei dieser Auswahl noch an der Spitze gelegen, ihr könnte jedoch die Debatte um ihre Aussage zur Unterstützung der Ukraine unabhängig vom Willen ihrer deutschen Wähler auf die Füße gefallen sein. Stünde dieses Trio zur direkten Wahl, würde mit 34 Prozent auch gut ein Drittel der Teilnehmer sein Kreuz lieber bei „Andere Kandidaten“ machen.
Trendbarometer: Bei der Kompetenzfrage bleiben die Grünen knapp an der Spitze
Zu schlechter Letzt aus Sicht der Grünen verlieren sie auch bei der Frage nach der politischen Kompetenz. Dort geht es gleich um sechs Prozentpunkte auf zwölf Prozent abwärts. Das reicht dennoch für Platz eins vor der Union mit elf Prozent und der SPD mit neun Prozent. Der FDP trauen sogar nur zwei Prozent zu, die politischen Probleme in Deutschland zu lösen. Die übrigen Parteien kommen auf sechs Prozent.
Die Umfrage durch das Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa fand zwischen dem 6. und 13. September statt, es wurden 2501 Wahlberechtigte befragt (Statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte.). Zuletzt war Habeck im Politikerranking nach fast einem halben Jahr von Platz abgestürzt und musste nicht nur Baerbock passieren lassen. Zudem waren in einer Umfrage fast die Hälfte der Teilnehmer der Meinung, der Wirtschaftsminister würde einen schlechten Job machen. (mg)
