„Kanzler Era“

Habeck kehrt auf X zurück: Vorbereitung auf Kanzlerkandidatur

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Habeck kehrt mit einem Video auf soziale Medien zurück – und deutet eine mögliche Kanzlerkandidatur an. Die offizielle Bestätigung steht noch aus.

Berlin – Nach dem Ende der Ampel-Koalition am vergangenen Mittwochabend hat sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf X zu Wort gemeldet. Vor rund einem halben Jahrzehnt hatte er sich von dem Kurznachrichtendienst verabschiedet, da er die zunehmende Spaltung und Polarisierung beklagte. Seine Rückkehr scheint mit einer weiteren Absicht verbunden zu sein. Es wurde bereits vermutet, dass Habeck seine Kandidatur für die Kanzlerschaft der Grünen vor dem Parteitag der Grünen in der kommenden Woche bekanntgeben würde. Nun scheint er dies in die Tat umzusetzen.

Habeck auf X: „back for good“ – Was planen die Grünen nach dem Ende der Ampel?

„Orte wie diesen den Schreihälsen und Populisten zu überlassen ist leicht. Aber es sich leicht zu machen kann nicht die Lösung sein. Nicht heute. Nicht in dieser Woche. Nicht in dieser Zeit. Deshalb bin ich wieder auf X“, postete Habeck am späten Donnerstagabend auf X. Kurz davor hatte er sich mit den Worten „back for good“ auf der Plattform zurückgemeldet. Der Wirtschaftsminister scheint seine Ansichten in den letzten sechs Jahren grundlegend überdacht zu haben. Früher hatte er den Kurznachrichtendienst, damals noch Twitter genannt, als „sehr hartes Medium, wo spaltend und polarisierend geredet wird“ bezeichnet. Da dies auf ihn abfärbte, hatte er sich damals zurückgezogen.

Die Grünen wollen nach Ampel-Aus den Kanzler stellen – Habeck bereitet das mit Video auf X vor

Die Rückkehr von Habeck auf X und Instagram hat wahrscheinlich mehr Gründe als nur den Kampf gegen Populismus. Auf beiden Plattformen teilte er ein kurzes Video, in dem er an einem Schreibtisch sitzt und konzentriert ein Manuskript bearbeitet. Dabei summt er die Melodie von Herbert Grönemeyers Lied „Zeit, dass sich was dreht“. Das Video trägt den Titel „Von hier an anders“, welcher auch der Titel eines seiner Bücher ist.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kann sich selbst in der Rolle des Kanzlers vorstellen.

Es sind jedoch die versteckten Details, die das Video besonders interessant machen. Aufmerksame Zuschauerinnen und Zuschauer entdecken im Hintergrund einen Kalender, auf dem der 8. November rot umrandet ist. Ein Datum, das offenbar eine besondere Bedeutung hat. Zudem zeigt eine kurze Sequenz ein Armband an Habecks Handgelenk. Darauf sind, in Buchstabenperlen, die Worte „Kanzler Era“ zu lesen – eine Anspielung auf US-Superstar Taylor Swift, deren Fans diese Art von Freundschaftsarmbändern tragen und Swifts Musik in verschiedene „Eras“ unterteilen.

Habeck schickt Grüne in die „Kanzler Era“ – Seine Kanzlerkandidatur soll bald angekündigt werden

Beobachterinnen und Beobachter schlussfolgerten daraus, dass Habeck seine Kanzlerkandidatur am Freitag (8. November) bekanntgeben würde. Ein weiterer klarer Hinweis hierauf war, dass seine Bewerbung für die Spitzen- oder Kanzlerkandidatur der Grünen ohnehin erwartet wurde.

Inzwischen haben sich die Anzeichen weiter verdichtet. Laut einer Person gut informierten Kreisen der Grünen plant Habeck, seine Kanzlerkandidatur für die Grünen heute öffentlich zu machen. Das berichtet der Spiegel. Es steht jedoch noch aus, dass die Kandidatur offiziell bestätigt wird: Die Entscheidung liegt bei den Delegierten des bevorstehenden Grünen-Parteitags, der Ende nächster Woche in Wiesbaden stattfindet. Eine Bestätigung wird dennoch als sehr wahrscheinlich angesehen.

Habeck strebt Kanzlerkandidatur an – obwohl die Grünen bei Neuwahlen keine Mehrheit erreichen würden

Allerdings ist es derzeit unwahrscheinlich, dass die Grünen nach der nächsten Wahl einen Kanzler für Deutschland stellen würden. In aktuellen Wahlumfragen nach dem Ende der Ampel-Koalition bewegen sie sich derzeit zwischen 10,5 und 12 Prozent der Wählerstimmen. Ob die Aufstellung Habecks als Kanzlerkandidat daran etwas ändern kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen müssen.

Der Wahlkampf für die Grünen wird in jedem Fall eine Herausforderung sein. „Das wird ‚alle gegen uns‛“, befürchtete eine führende grüne Politikerin im Mai gegenüber dem Handelsblatt. Man erwarte noch wesentlich mehr Angriffe auf die Partei als im Jahr 2021. „Diesmal geht es darum, möglichst gut mit ihnen umzugehen“, so die Grüne weiter. Nach dem letzten Mal, bei dem man „es trotz optimaler Voraussetzungen versaubeutelt“ habe, müsse man anders vorgehen. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO

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