Energiekrise

Habeck warnt vor Schäden in der Wirtschaft: „Teils brennt schon die Hütte“

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Die Gasumlage ist fast vom Tisch, aber die angedachte Gaspreisbremse dürfte den Staat Milliarden kosten. Die Länder machen Druck und die Wirtschaft nimmt schaden.

Berlin – Die Energiekrise lässt in Deutschland die Preise für Gas und Strom in einer nie dagewesenen Intensität in die Höhe schnellen. Erhöhungen der Jahresabschlagszahlungen beim Gas um mehrere tausende Euro sind keine Seltenheit, 120 Prozent Aufschlag beim Strompreis ebenfalls nicht. Da ist es gut, dass die ursprünglich angedachte Gasumlage nun wohl doch nicht kommt. Stattdessen soll es eine Gaspreisbremse geben. Das sieht sogar der Hüter der schwarzen Null, Finanzminister Christian Lindner (FDP) so. Denn, inzwischen ächzen nicht nur die privaten Haushalte, auch die Wirtschaft steht unter enormen finanziellen Druck.

Habeck warnt aufgrund der Energiekrise vor Schäden in der Wirtschaft: „Teils brennt schon die Hütte“

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat deswegen vor Dauerschäden für die deutsche Wirtschaft gewarnt. Er sprach sich für umfangreiche finanzielle Hilfen der Bundesregierung aus. Und auch die Privathaushalte leiden unter der Energiekrise. Versorger EON drohte unlängst Bestandskunden: Mehr für Strom zahlen oder Rauswurf.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnt davor, dass die deutsche Wirtschaft in der Energiekrise erheblichen Schaden nehmen könnte – wenn sie das nicht bereits hat. (Archivbild)

Habeck sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Teils ist es erst ein Schwelbrand, teils brennt schon die Hütte. In jedem Fall ist die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft in Gefahr, es drohen Dauerschäden. Wir müssen jetzt alle Finanzkraft aufbringen, um die gute Substanz unserer Wirtschaft über die Krise zu bringen, Arbeitsplätze zu sichern und die Investitions- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft zu schützen.“ Es werde mit Hochdruck an Hilfsprogrammen gearbeitet, die wichtige Finanzierungsfrage werde in der Regierung besprochen. „Wir dürfen hier keine Zeit verlieren.“

Wirtschaft nimmt Schaden in der Energiekrise: Kann die Schuldenbremse noch eingehalten werden?

Am Mittwoch kommt Kanzler Olaf Scholz (SPD) mit den Regierungschefs der Länder zusammen. Habeck hatte bereits angekündigt, staatliche Hilfsprogramme für Unternehmen erweitern zu wollen. Offen ist aber die Frage der Finanzierung. Habeck hatte dazu ein Sondervermögen ins Spiel gebracht. Für die Bundeswehr war ein 100 Milliarden Euro schwerer Sondertopf beschlossen worden. Doch auch Klimaschützer von Fridays for Future verlangen ein Klimaschutz-Sondervermögen über 100 Milliarden Euro. Wer soll das alles bezahlen?

Umstritten in der Koalition ist, ob im kommenden Jahr wieder die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse eingehalten wird. Darauf pocht zumindest Finanzminister Christian Lindner (FDP). Die Schuldenbremse war wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt worden. Sie erlaubt dem Bund nur in geringem Maße, neue Kredite aufzunehmen. Falls die Gasumlage gekippt wird, ist offen, woher das Geld kommen soll, um Gasimporteure zu stützen. Im Gespräch ist auch eine Gaspreisbremse, doch die würde den Staat Milliarden kosten.

Wirtschaft nimmt Schaden in der Energiekrise: Stiftung der Familienunternehmen fordert Entlastungen

Familienunternehmen forderten spürbare Entlastungen. Die Firmen müssten zu wettbewerbsfähigen Preisen in Deutschland produzieren können, sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Politik. „Den Unternehmen läuft wegen steigender Energiepreise die Zeit davon. Die Bundesregierung sollte schnell eine wirksame Gas- und Strompreisbremse auf den Weg bringen.“

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat angesichts der Kosten für einen Gaspreisdeckel Zweifel an der Einhaltung der Schuldenbremse. „Die Größenordnung von 30, 40, 50 Milliarden oder mehr sind da durchaus realistisch“, sagte er dem Sender RTL/ntv. DIW-Expertin Claudia Kemfert hält einen Gaspreisdeckel nicht für sinnvoll. Preise zu subventionieren, sei für den Staat enorm teuer, und es gebe keine ausreichenden Anreize, Gas einzusparen, sagte sie der Rheinischen Post.

Energiekrise setzt Wirtschaft unter Druck: Stadtwerke-Verband dringt auf rasche Klarheit zur Gasumlage

Der Stadtwerke-Verband dringt auf rasche Klarheit zur Gasumlage. „Je länger gewartet wird, desto mehr Verwirrung, Aufwand und Kosten entstehen“, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, sagte den Zeitungen der Mediengruppe Bayern, „wir hätten uns die Entscheidung für eine Gaspreisbremse viel früher gewünscht“.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, rief erneut zum Energiesparen auf. „Es reichen nur wenige sehr kalte Wochen – und die Gasverbräuche gehen durch die Decke“, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Für Entwarnung gebe es keinen Anlass. Das sieht wohl auch Robert Habeck so.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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