Energiekrise

Habeck zu gedrosselten Gaslieferungen: „Es ist eine angespannte, ernste Lage“

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Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, besucht die Total Raffinerie Leuna und will weniger Gasverbrauch in Deutschland.
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Droht Deutschland eine Gasknappheit? Robert Habeck warnt vor einer angespannten Lage und ruft zum Gassparen auf. Er bringt auch wieder Kohlekraft ins Gespräch.

Berlin – Deutschland steht vor einer Zeitenwende – wieder einmal. Nachdem Russland die Gasströme in die Bundesrepublik in der vergangenen Woche drastisch reduziert hatte, könnten die kommenden Wochen eine schwierige Situation mit sich bringen. Das betonte auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im Gespräch mit dem heute journal. „Da will ich nicht drumherumreden: Es ist eine angespannte, ernste Lage“, sagte der Politiker und betonte erneut die große Abhängigkeit, die durch die Gaslieferungen aus dem Ausland für Deutschland entstehen.

Energiesparen in Deutschland: Robert Habeck blickt auf kommenden Winter

Ein besonderes Augenmark legte Robert Habeck auf die Vorbereitungen des kommenden Winters: „Entscheidend ist, dass die Gasspeicher zum Winter hin gefüllt sind - und zwar bei 90 Prozent liegen.“ Da die gegenwärtige Füllung bei 57 Prozent liegen würde, müsse die Differenz in den kommenden Monaten ausgeglichen werden. Hierfür nannte Habeck zwei Möglichkeiten: Einkäufe und Sparsamkeit. Wenn die Speicher voll seien, reiche dies für etwa zweieinhalb Monate – ohne weitere Quellen. 

Zuletzt hatte die Bundesregierung von Olaf Scholz (SPD) immer wieder betont, dass Deutschland sich angesichts des Ukraine-Kriegs von Wladimir Putin vom russischem Gas lösen müsste. Es sei „eine Art Armdrücken“, bei dem Kremlchef Wladimir Putin zunächst den längeren Arm habe. „Aber das heißt nicht, dass wir nicht durch Kraftanstrengung den stärkeren Arm bekommen könnten“, meinte Habeck zu den jetzigen Anstrengungen der Regierung. Auf mögliche Engpässe beim Gas machte Habeck bereits vor Monaten aufmerksam.

Doch kein Kohleausstieg wegen Gasknappheit: Habeck will auf Kohle setzen – Industrie notfalls mit weniger Gas versorgen

Angesichts des hohen Energiebedarfs der Bundesrepublik ist die deutsche Politik bereits seit längerem auf der Suche nach alternativen Lieferquellen. Vizekanzler Habeck stellte nun auch in Aussicht, dass er den Einsatz von Gas für Stromerzeugung und Industrie senken wolle. Zudem sollen wieder mehr Kohlekraftwerke zum Einsatz kommen – so soll Erdgas bei der Stromerzeugung eingespart werden. Am Montag, dem 20. Juni, wurde bekannt, dass die Industrie hinter den Plänen von Robert Habeck zum Energiesparen steht. „Wir müssen den Verbrauch von Gas so stark wie möglich reduzieren, jede Kilowattstunde zählt“, sagte Industriepräsident Siegfried Russwurm der Deutschen Presse-Agentur. Priorität hätten volle Gasspeicher für den Winter.

Auch die Idee, für eine gewisse Zeit wieder verstärkt auf Kohlekraft bei der Stromerzeugung zu setzen, sei offenbar realisierbar. In einem relativ überschaubaren Zeitraum seit es möglich, die in Reserve stehenden Braunkohle-Kraftwerke wieder anzufahren. Das sagte die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Kerstin Andreae, am Montag im ARD-Morgenmagazin. Rückhalt gab es auch vom Stadtwerkeverband: Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sagte, dass „vor allem eine Rückkehr von Kohlekraftwerken an den Strommarkt“ zielführend sei, um Deutschland Energiebedarf zu decken. (Mit Material der dpa)

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