VonSandra Katheschließen
Die Hälfte aller Hausbesitzer in Deutschland ist nicht gegen Elementarschäden versichert. Die Bundesregierung soll nun eine Pflichtversicherung einführen - doch es droht Streit.
München/Berlin – Mit der Begründung, dass Unwetterschäden im Zuge des voranschreitenden Klimawandels besser abgesichert werden sollen, hat der Bundesrat auf die Einführung einer Pflichtversicherung für Hausbesitzer gedrängt. Neben der Ministerpräsidentenkonferenz wird das Thema auch in der Ampel-Regierung diskutiert – und zumindest vorerst scheint man hier nach einem Kompromiss zu suchen. Vor allem das FDP-Justizministerium hat sich bereits, zuletzt etwa gegenüber der Bild-Zeitung gegen einen kategorischen Zwang ausgesprochen.
Stattdessen berichtete der Tagesspiegel über eine angedachte Kompromisslösung in der Ampel, die etwa vorsehen könnte, dass niemand zum Abschluss einer „unverhältnismäßigen“ Versicherung gezwungen werden dürfe. Im Gegenzug solle es jedoch Regelungen geben, die staatliche Hilfen im Fall eines Schadens nach dem Verweigern einer notwendigen Versicherung, ausschließen könnten. Nach Angaben der Bild koste die Versicherung gegen Elementarschäden Hausbesitzer je nach regionaler Einstufung der Risiken zwischen 85 und „deutlich mehr als 750 Euro“ mehr pro Jahr.
Absicherung gegen Starkregen und Wetterkatastrophen: Versichererverband warnt vor Risiken
Während das Thema in der Politik seit Monaten diskutiert wird und nach der Debatte um das Heizungsgesetz erneut zum Streitpunkt für die Ampel werden könnte, warnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in jedem Fall davor, dass Schäden aufgrund des Klimawandels deutlich häufiger auftreten können. Das wirke sich auf Prämienpreise aus und darauf, welche Versicherungen überhaupt noch angeboten würden. Laut der Einschätzung von GDV-Chef Jörg Asmussen könne es „allein infolge der Klimaschäden innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einer Verdopplung der Prämien“ kommen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.
Eine Basis für diese Einschätzung sei etwa der Sachstandsbericht des Weltklimarats, der besagt, dass es durch den Klimawandel bereits zu häufigeren und schwereren Extremwetterereignissen kommt – wie etwa in Deutschland bei der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die 180 Menschen das Leben und viele weitere ihre Existenz und ihr Haus kostete. Wenn sich solche Ereignisse zu oft wiederholten, könnten manche Versicherer früher oder später dazu gezwungen sein, „das Geschäft aufzugeben, weil sie die entsprechenden Risiken nicht mehr tragen können“, mahnt nun der GDV.
Elementarschäden nach Unwettern: Auch Mietern fehlt ausreichende Absicherung
Gerade was Elementarschäden nach Unwetterkatastrophen – im konkreten Fall: Starkregen und Überschwemmung – angeht, seien knapp die Hälfte aller Hausbesitzer in Deutschland nicht versichert, mahnt der GDV. Auch Mietern fehle in vielen Fällen eine ausreichende Absicherung. Wie kompliziert der Umgang mit Schadensfällen sein kann, sieht man etwa am vom Hochwasser 2021 besonders heftig betroffenen Ahrtal, wo sich viele Unwetteropfer immer noch im Stich gelassen fühlen. Schäden von rund 8,5 Milliarden Euro sind hier entstanden und der Wiederaufbau geht immer noch schleppend voran.
Als Gegenmaßnahmen zu den absehbaren Folgen der Klimakrise reiche es jedoch nicht, die Absicherung im Schadensfall zu optimieren. Für bestimmte Risikogebiete fordert der GDV weiterreichende Maßnahmen wie klimaangepasstes Bauen, einen Baustopp in Überschwemmungsgebieten und den Stopp der Flächenversiegelung. Zudem solle der Staat bei Naturkatastrophen die Kosten für Schäden ab einer bestimmten Summe von den Versicherern übernehmen. (saka mit AFP/dpa)
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