Letzte Bastion gegen die AfD gefallen? Haseloffs Nachfolger vor großer Herausforderung
VonSimon Schröder
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Er hinterlässt große Fußstapfen. Haseloff wird nicht als Spitzenkandidat für die CDU in Sachsen-Anhalt ins Rennen gehen. Kann sein Nachfolger die AfD schlagen?
Magdeburg – Reiner Haseloff wird nicht erneut als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt kandidieren. Es ist gewissermaßen ein Polit-Beben. Haseloff stand seit 2011 als Ministerpräsident an der Spitze von Sachsen-Anhalts CDU. Er ist der dienstälteste amtierende Ministerpräsident Deutschlands. In seine Fußstapfen soll nun Wirtschaftsminister Sven Schulze treten. Dessen größter Konkurrent bei der Landtagswahl 2026 ist die AfD.
Schulze ist seit 2021 CDU-Landeschef und Minister für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten in der Haseloff-Regierung. Haseloff schaffte es bei der vergangenen Landtagswahl, die AfD deutlich zu schlagen. Die CDU erreichte 37,1 Prozent der Stimmen. Die AfD brachte es abgeschlagen auf Platz zwei mit 20,8 Prozent. Mittlerweile haben sich die Verhältnisse für die CDU zum Schlechteren verändert. In Sachsen-Anhalt holte die AfD zur Bundestagswahl im Februar 37,1 Prozent der Stimmen. Die CDU schaffte es nur noch auf 19,2 Prozent. Sven Schulze steht somit vor der großen Herausforderung, das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen.
Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel
Haseloffs Nachfolger im Überblick: Sven Schulze soll die AfD bei der Landtagswahl schlagen
Reiner Haseloffs Nachfolger
Name:
Sven Schulze
Partei:
CDU
Geburtsdatum:
31. Juli 1979 in Quedlinburg
Politisches Amt:
Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalt
Politische Laufbahn:
2011 bis 2019 Landesvorsitz der Jungen Union
2016 bis 2021 Generalsekretär der CDU Sachsen-Anhalt
Seit 2021 Landesvorsitzender der CDU und Wirtschaftsminister
Schulze ist erst vor wenigen Tagen 46 Jahre alt geworden. Bevor er ins Kabinett Haseloffs berufen wurde, war er sieben Jahre lang als Abgeordneter im Europaparlament tätig. Zunächst war Schulze Landesvorsitzender der Jungen Union in Sachsen-Anhalt, anschließend Generalsekretär der Landes-CDU, bis er schließlich 2021 den Landesvorsitz der Partei übernahm. An Ehrgeiz mangelt es dem 46-Jährigen also schonmal nicht. Doch seit der Bundestagswahl scheint selbst die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt für die AfD möglich.
Sein Kontrahent: AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund. Der AfD-Politiker machte seit Monaten Haseloffs Alter zum Thema und bezeichnete ihn als „Joe Biden von Sachsen-Anhalt“, wie der Tagesspiegel schreibt. Die Kandidatur von Schulze dürfte zumindest diesem Angriffspunkt den Wind aus den Segeln nehmen. Siegmund erreicht die Wählerinnen und Wähler vor allem auf Social-Media. Auf TikTok hat der AfD-Politiker eine halbe Million Follower.
Sven Schulze als Risiko für die CDU im Wahlkampf zur Landtagswahl: Kann er die AfD schlagen?
Vor einem Personalwechsel nur ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl hatte Politikberater Martin Fuchs gegenüber dem Tagesspiegel noch gewarnt: „Es wäre eine riesige Hypothek für die CDU, wenn Haseloff nicht nochmal antritt. Er müsste sich dann fragen lassen, wieso er keinen Nachfolger aufgebaut hat.“ Fuchs hält Schulze für ein großes Risiko für die CDU in Sachsen-Anhalt. Der CDU-Politiker sei ein „bedächtiger Mann“ und eben „kein Lautsprecher“. „Damit wird er es sehr schwer haben“, meint der Politikberater.
Der Politikwissenschaftler David Bergrich sieht in Siegmund hingegen einen „Verkäufer von Ideologie“, wie Bergrich dem MDR erklärte. In dem starken Wahlergebnis der AfD zur Bundestagswahl sieht der Politikwissenschaften eine Normalisierung von rechtsextremen Positionen. Der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt stuft den AfD-Landesverband als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein.
AfD-Politiker Siegmund liefert sich Schlagabtausch mit Haseloff im Landtag Sachsen-Anhalt
Im Landtag hatte sich Siegmund immer wieder verbale Schlagabtausche mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Haseloff geliefert. Nach einer Rede von Siegmund erwiderte Haseloff: „Wenn ich mir ihre Person hier vorstelle, dass sie hier sitzen und das Land regieren, in dem ich seit 71 Jahren Bürger bin. Dann kann ich nur sagen: Dann wäre es ein Grund für mich darüber nachzudenken, ob ich in diesem Land weiter meine Heimat sehe.“ Weiter sagte Haseloff deutlich: „Ich bin in diesem Land geboren, ich werde in diesem Land sterben und werde alles dafür tun, dass sie nie an Regierungsverantwortung kommen.“
Reiner Haseloff geht. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt will für die kommende Landtagswahl nicht nochmal für die CDU als Spitzenkandidat ins Rennen gehen.
Jetzt liegt es vor allem an Schulze, dem AfD-Politiker energisch Paroli zu bieten. Seinen Nachfolger Schulze pries Haseloff einst als „Hoffnungszeichen“ aus „unserem Land“. Ob das die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt auch so sehen, wird die Landtagswahl 2026 zeigen. (sischr)