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Unterstützung für Nancy Faeser (SPD): Der Aufruf „Haltung zeigen“ ruft zur Wahl der Sozialdemokratin auf. Sie sei die personifizierte Brandmauer.
Wiesbaden – Für Seda Basay-Yildiz ist es das erste Mal, dass sie sich für eine Politikerin starkmacht. Sie habe sich ihren Entschluss nicht leicht gemacht, betont die Frankfurter Anwältin, die jahrelang Drohungen vom „NSU 2.0“ erhalten hat und noch immer unter Polizeischutz steht. Nicht alles, was Nancy Faeser als Bundesinnenministerin entschieden hat, finde ihre Zustimmung.
„Aber wir müssen reden, uns austauschen, andere Meinungen aushalten.“ In Zeiten, in denen die viel zitierte Brandmauer bröckelt, brauche es Stimmen, die die Demokratie verteidigen. „Wir müssen lauter werden.“ Faeser sei menschlich wie fachlich geeignet, Hessen im Kampf gegen Rechts anzuführen – „sie eint, statt zu spalten“. Sie sei ein einfühlsamer Mensch, habe für Menschen in schwierigen Situationen immer ein offenes Ohr.
„Wir für Nancy Faeser“: Diversität soll für die Innenministerin sprechen
Basay-Yildiz ist Sprecherin des Aufrufs „Haltung zeigen. Wir für Nancy Faeser.“ Mit ihr sind am Dienstag neun andere Unterzeichner:innen ins Frankfurter Café Roseli gekommen, sie alle wollen, dass die Sozialdemokratin aus der Hessen-Wahl am 8. Oktober als Ministerpräsidentin hervorgeht.
Die Namen zeugen von der Diversität. Chian Çelik ist dabei, der Pneumologe aus dem Darmstädter Klinikum, der als Corona-Erklärer bekannt wurde. Ajla Kurtovic, deren Bruder bei dem rassistischen Anschlag von Hanau ums Leben kam – sie kandidiert jetzt auf der SPD-Liste für den Landtag. Babsi Heart, Drag-Queen aus Frankfurt hat den Aufruf unterzeichnet. „Wir wollen eine queere und vielfältige Gesellschaft“, sagt sie. Sie sei sicher, dass Faeser als Ministerpräsidentin die Diskriminierung von Minderheiten bekämpfen werde.
Unterstützung
16 Erstunterzeichner:innen stehen unter dem Aufruf, am 8. Oktober Nancy Faeser zu wählen.
Seda Basay-Yildiz , Atila Karabörklü, Mürvet Öztürk, Julien Chamboncel, Ajla Kurtovic, Thomas Papadopoulos, Roland Frischkorn, Babsi Heart, Ajla
Kurtovic, Bernd Reisig, Ihsan Dilber, Manuel Campos, Chian Çelik, Gönül Halat-Meç, Mariame Racine Sow, Badia Ouahi, Türkân Kanbiçak. jur
Ansprechpartner: Turgut Yüksel, mail@turgut-yuerksel.de
Faeser kandidiert: Hessen soll „endlich mal von einer Frau regiert“ werden
Die frühere Grünen-Landtagsabgeordnete Mürvet Oztürk aus Wetzlar nennt zwei Gründe, warum sie Faeser unterstützt: Das eine ist ihr Geschlecht. „Es ist wichtig, dass Hessen endlich mal von einer Frau regiert wird.“
Zum anderen sei es dem Einsatz der damaligen SPD-Fraktionschefin zu verdanken, dass der Landtag den NSU-Untersuchungsauschuss eingesetzt hatte. „Ohne ihre Vehemenz wäre das nicht passiert.“ Türkân Kanbiçak macht Bildungsarbeit für das Jüdische Museum Frankfurt: Sie nimmt Bezug auf die aktuelle Mitte-Studie, wonach die Zustimmung zu rechtsextremen Positionen stark gestiegen ist. „Wo steht die CDU?“, fragt die Pädagogin. Faeser sei für sie „die personifizierte Brandmauer gegen Rechts“.
Hessens Sicherheitspolitik der vergangenen Jahre sei geprägt gewesen von rechtsextremen Anschlägen und Skandalen, heißt es in dem Aufruf, „Aufklärung, Transparenz und Konsequenzen hat es in der Folge aber leider allzu oft nicht gegeben.“ Die Vielfalt Hessens sei eine „Auszeichnung“, die es zu verteidigen gelte. Angriffe auf die Diversität erforderten eine Politik, die den Zusammenhalt festige und rechtsextreme Netzwerke bekämpfe. „Dazu braucht es die kraftvolle Stimme einer Fachkraft für die Stärkung der Demokratie und Toleranz an der Spitze der hessischen Landesregierung.“ (Jutta Rippegather)
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