Hitzetod vermeiden

Lauterbach kündigt großen Hitzeplan für den Sommer an

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Angesichts jährlich tausender Hitzetoter in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) einen nationalen Hitzeschutzplan angekündigt.
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Jedes Jahr sterben tausende Menschen in Deutschland an einem Hitzetod. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kündigt nun einen nationalen Hitzeschutzplan an.

München – „Wir müssen feststellen, dass wir in Deutschland gegen den Hitzetod nicht gut aufgestellt sind“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am heutigen Dienstag (13. Juni) bei einer Pressekonferenz in Berlin. Angesichts von jährlich tausenden Hitzetoten kündigt er daher einen nationalen Hitzeschutzplan an, der das Land besser gegen die immer extremeren Hitzewellen wappnen soll. Es sei, so der Minister, „nicht akzeptabel“, dass es jedes Jahr zwischen 5.000 und 20.000 hitzebedingte Todesfälle gebe. „Es ist ein vermeidbarer Tod“, betonte er.

Aufgrund des Klimawandels werde auch Deutschland in der Zukunft stärker von Hitzewellen betroffen sein. „Wenn wir nichts unternehmen, werden wir jedes Jahr mehrere tausend Menschenleben verlieren, unnötigerweise“, so Lauterbach. Der Hitzetod sei dabei nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Menschen, die einem Hitzetod nur knapp entgehen, würden in der Folge pflegebedürftig. Das könne beispielsweise der Fall sein, wenn nach oder bei einem Hitzschlag auch ein Herzinfarkt oder Schlaganfall auftrete.

Lauterbach fordert Aufklärung zu Hitzetod: Besonders kranke und ältere Menschen sind gefährdet

Minister Lauterbach plant, in Deutschland einen Hitzeschutzplan einzusetzen, der sich am Vorbild Frankreichs orientiert. Der definiert unterschiedliche Schweregrade einer Hitzewelle und benennt die jeweils geeigneten konkreten Maßnahmen. Auch soll eine gezielte Ansprache von kranken und alten Menschen erfolgen, um über Symptome eines drohenden Hitzschlags aufzuklären.

Geprüft werde zudem die Möglichkeit, Kälteschutzräume und kostenlose Wasserspender zur Verfügung zu stellen. Der Minister will dazu in Kürze Verantwortliche aus Pflege, Ärzteschaft, Kommunen, Ländern und Kliniken zusammenbringen, um in einer „konzertierten Aktion“ über die nächsten Wochen hinweg einen nationalen Hitzeschutzplan zu erarbeiten.

Hitzetod vermeiden: Hitzeschutz wurde „in Deutschland lange verschlafen“

Die Bundesregierung hatte im Jahr 2022 zunächst keine Notwendigkeit für einen solchen bundesweit koordinierten Hitzeaktionsplan gesehen und auf die Zuständigkeit der Kommunen verwiesen. Der Grünen-Politiker Johannes Wagner, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags, hatte Kritik angemeldet: Frankreich habe bereits vor 20 Jahren Konsequenzen aus den immer heißeren Sommern gezogen. Währenddessen „wurde Hitzeschutz in Deutschland lange verschlafen“.

Angesichts von hitzebedingten Todesfällen, erhöhten Krankheitszahlen und auch Arbeitsausfällen habe das Thema eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung, fügte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, dem hinzu. Auch die Ärzteschaft sei gefordert, zum Beispiel bei der gezielten Ansprache schutzbedürftiger Patienten.

Schutz vor Hitzewellen – Nur wenige Kommunen sind gewappnet

In den meisten Kommunen, aber auch in vielen Kliniken, fehlen derzeit Hitzeschutzpläne. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft forderte Unterstützung. „Für energetische Sanierung mit optimaler Gebäudeisolierung, effizienten Kühlungssystemen, Verschattung und Begrünung fehlen oftmals die Mittel“, erklärte Verbandsvize Henriette Neumeyer. Gezielte Investitionen seien daher vonnöten.

Ebenso müssten die Mitarbeiter in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen für Maßnahmen sensibilisiert werden. Trotz des angespannten Arbeitsalltags und der dünnen Personaldecke sei Hitzeschutz „absolut alternativlos“, sagte Jana Luntz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerats. Der Klug-Vorstandsvorsitzende Martin Herrmann warnte, Hitzetod sei „ein stilles Sterben“. In der Öffentlichkeit müsse klar werden, dass Hitze „für alle Menschen potenziell lebensgefährlich“ sei.

Hitzeschutz auch in Pflegeeinrichtungen „potenziell lebensgefährlich“

Als Folge des Klimawandels mehren sich auch in Deutschland heiße Tage mit mehr als 30 Grad Celsius, und es kommt zu längeren Hitzeperioden. Das birgt vor allem für Alte, Kranke und Kinder Gesundheitsgefahren. Nach Einschätzung von Experten ist Deutschlands Gesundheitssystem bislang nicht für extreme Hitzewellen gerüstet.

Allein im vergangenen Jahr kam es zu mehr als 4.500 hitzebedingten Todesfällen. In den drei Sommern 2018 bis 2020 starben in Deutschland dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge sogar mehr als 19.000 Menschen aufgrund der Hitze. (na/afp)

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