Russlands Angriffskrieg

Hohe Verluste im Ukraine-Krieg: Kiew steckt im Panzer-Dilemma

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Im Kampf gegen Russland verfügt die Ukraine wohl über etwa tausend aktive Panzer. Dennoch reicht die Zahl nicht, um alle Kampfeinheiten zu unterstützen.

Kiew – Die Offensive von Russland im Ukraine-Krieg scheint trotz großer Verluste an Fahrt aufzunehmen. Nach lang anhaltenden Kämpfe konnte die Armee von Wladimir Putin die strategisch wichtige Stadt Awdijiwka offenbar erobern, was für einen Chaos-Rückzug der Ukraine gesorgt haben soll.

Ukraine steckt im Panzer-Dilemma: So viele Fahrzeuge wie vor Russlands Invasion

Doch die schlechten Nachrichten reißen nicht ab, da Kiew im Panzer-Dilemma im Ukraine-Krieg steckt. „Insgesamt schätzen wir, dass zwei Jahre nach der vollständigen Invasion die Zahl der [Kampfpanzer], die in den ukrainischen Streitkräften in Betrieb sind, in der Nähe des Vorkriegsniveaus liegt“, berichtet das International Institute for Strategic Studies (IISS) in London.

Was sich erstmal nach eigentlich guten Nachrichten für die Kampffähigkeit der Ukraine anhört, hat allerdings einen Haken. Denn auch wenn der Ukraine nach knapp zwei Jahren Kampf gegen Putins Truppen weiterhin so viele aktive Panzer wie vor dem russischen Angriff im Februar 2022 zur Verfügung stehen sollten, wird diese Anzahl den Anforderungen aktuellen Lage im Ukraine-Krieg wohl nicht gerecht.

Hohe Panzer-Verluste im Ukraine-Krieg: Kiew braucht etwa 3000 Exemplare für den Kampf gegen Russland

Schließlich hat sich die Größe der ukrainischen Bodentruppen seit 2022 verdoppelt. Heute gibt es etwa hundert Brigaden der Armee, der Luftstreitkräfte, der Marine, der Territorialarmee und der Nationalgarde mit jeweils mindestens 2.000 Mann und zahlreichen Fahrzeugen, wie das US-Nachrichtenmagazin Forbes berichtet.

Zusätzliche Reaktivpanzerung: ein Kampfpanzer M1 Abrams der ukrainischen Streitkräfte.

Auch wenn die Ukraine ihren Gesamtbestand an Panzern trotz der Verluste von rund 700 Panzern im Kampf gegen Russland zumindest aufrechterhalten konnte, ist der Bedarf an Panzern laut Oryx heute viel größer als im Jahr 2022. Wenn jede Brigade über ein einziges Bataillon mit 31 Panzern verfügen würde, bräuchte die Ukraine mehr als 3000 Panzer. Nach den derzeitigen Zahlen zu urteilen, geht die Mathematik nicht auf.

Hohe Panzer-Verluste im Ukraine-Krieg: Rund 700 Fahrzeuge seit dem Angriff von Russland zerstört

Denn die Ukraine verfügt nicht über eine so hohe Anzahl an Panzern. Zieht man von einer Vorkriegsstärke von 1000 Panzern 700 Verluste ab und rechnet dann 500 Panzer hinzu, die die Ukrainer von den Russen erbeutet haben, sowie mehrere hundert ehemalige sowjetische Panzer, die ukrainische Techniker aus Langzeitlagern geborgen haben, und weitere 600 Panzer, die die Ukraine bisher von ihren Verbündeten erhalten hat, ergibt sich ein aktueller Bestand von etwa 2.000 Panzern.

Halbiert man diese Zahl, um die große Menge an Panzern zu berücksichtigen, die zur Reparatur und Aufrüstung durch die Werkstätten abseits der Front laufen, kommt man auf die errechnete Zahl des IISS.

Im Kampf gegen Russland: Kiew benötigt mehr Panzer im Ukraine-Krieg

Dem IISS zufolge haben die ukrainischen Bemühungen, zusätzliche Kampftruppen aufzustellen, die Lieferung von Ausrüstung überholt, sodass einige Einheiten im Ukraine-Krieg nicht einmal annähernd in voller Stärke ausgerüstet sind. Da der Kampf gegen Russland in sein drittes Jahr geht, wird die Ukraine mehr Panzer benötigen. Und da die ukrainische Industrie noch immer keine neuen Panzer herstellt, wird sie diese von ihren Verbündeten bekommen müssen.

Während Russland fortwährend Nachschub für Putins blutige Panzer-Taktik liefert, stockt es bei der Ukraine in Sachen neuer Kampfpanzer aber gewaltig. Die Panzer-Lieferungen – wie etwa beim Modell Leopard-2 – von diversen Nato-Mitgliedstaaten wie Deutschland kommen nicht in der Geschwindigkeit, wie sie in der Ukraine benötigt werden. Besonders schwer fallen aber die ausbleibenden Ukraine-Hilfen, die die Republikaner seit Wochen im US-Kongress blockieren, ins Gewicht.

Die USA haben seit fast zwei Monaten keine neuen Fahrzeuge zur Unterstützung Kiews im Ukraine-Krieg entsendet. Und falls die Ukraine-Hilfen nicht durch das Abgeordnetenhaus gehen, könnten die 31 M-1-Panzer womöglich die einzigen M-1 bleiben, die die Ukraine jemals bekommt.

Rubriklistenbild: © Screenshot Telegram@ClashReport

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