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Der anonyme Kauf von knapp 400 Tonnen Gold gibt Rätsel auf. Vermutungen liegen nahe, dass Russland infrage kommt – durch den Kauf des eigenen Goldes.
Moskau – Der Kauf von Gold war in diesem Quartal so hoch, wie lange nicht mehr: Im dritten Quartal kauften westliche Notenbanken knapp 400 Tonnen Gold. Das gab der World Gold Council (WGC) in der vergangenen Woche bekannt. Unklar beim Großteil der Käufe ist, wer sie tatsächlich getätigt hat. Einige Vermutungen legen nahe, dass Russland als Käufer infrage kommen könnte – weil das Land aktuell wegen der westlichen Sanktionen wenig mit seinen Gewinnen aus den Ölgeschäften anfangen kann.
Hoher Kauf von Gold geben Rätsel auf – Russland könnte einer der Käufer sein
Rund 300 Tonnen des gekauften Goldes ging auf das Konto von staatlichen Notenbanken, die wenig bis kaum Auskunft über ihre Goldreserven geben – wie zum Beispiel aus China oder Russland. Henrik Marx, Leiter Edelmetallhandel bei Heraeus Precious Metals, hält es für „naheliegend, dass Russland unter den unbekannten Käufern ist“.
Denn Russland kann mit den Milliardengewinnen aus Ölexporten seit dem Angriff auf die Ukraine wenig anfangen. Die Gelder und Devisen der russischen Notenbank in westlichen Ländern wurden als Sanktionsmaßnahme gegen Russland eingefroren. Ziel war es, Russland dadurch von der Weltmarktwirtschaft zu isolieren und Putin die Finanzierung der Militärkosten zu erschweren. Nachdem die Konten eingefroren wurden, fand Russland für Dollar und andere Devisen wenig Verwendung. Daher habe das Land laut Chefvolkswirt Thorsten Polleit Interesse, Erlöse in diesen Fremdwährungen möglichst schnell zum Beispiel gegen physisches Gold einzutauschen.
Nachdem die Konten eingefroren wurden: Kauft Russland Gold aus eigener Produktion?
Doch ist es überhaupt für Russland möglich, Gold zu kaufen, wenn die Konten im Ausland eingefroren sind? Experten vermuten, dass Russland das Gold wohl deshalb aus dem eigenen Land gekauft hat. Russland ist laut dem Handelsblatt mit 2300 Tonnen Goldreserven einer der größten der Goldproduzenten weltweit. Der russische Goldvorrat ist zudem einer der wenigen Mittel, mit dem Putin Militärkosten für den Krieg finanzieren könne, sagte der ehemalige US-Gouverneur Angus King CNN.
Im Zuge der westlichen Sanktionen nach Beginn des Ukraine-Kriegs hat können russische Produzenten nicht mehr legal auf den wichtigen Handelsstandort London zugreifen, wo vier Fünftel des russischen Goldes liegen. Zudem hat Russland Schwierigkeiten, Abnehmer für das Gold zu finden. Nur Indien und China sind von den westlichen Sanktionen nicht betroffen und könnten weiter Gold aus Russland importieren. Russland hatte zuletzt abgestritten, dass es eigene Goldproduktionen aufkauft.
300 Tonnen Gold anonym gekauft – China fällt als Käufer aus
Henrik Marx von Precious Metals hält es auch für möglich, dass andere Notenbanken hinter den anonymen Käufen stehen, aus Interesse, Gold zur Diversifizierung zu nutzen und sich unabhängiger vom Dollar zu machen. China als Käufer sei allerdings auszuschließen, erklärte Carsten Fritsch, Edelmetallanalyst der Commerzbank, dem Handelsblatt.
Denn die chinesische Notenbank People’s Bank of China (PBoC) hat bereits Daten veröffentlicht, die dies belegen. Aus den Daten geht hervor, dass die PBoC im November 32 Tonnen Gold kaufte und damit die Reserven auf 1780 Tonnen erhöhte. Es handele sich laut Angaben der PBoC aber um die ersten Käufe seit September 2019. Vermutungen liegen nahe, dass China die Goldkäufe absichtlich öffentlich gemacht haben könnte, um zu zeigen, dass das Land nichts mit den anonymen Goldkäufern zu tun hat. Bei allen Gerüchten ist derzeit aber auch klar: Beweise, dass Russland Gold gekauft haben könnte, gibt es bisher nicht.
