Putins schwer bewaffnete Atom-Flotte vor Kuba gesichtet – Schiffe haben Hyperschall-Rakete „Zirkon“ an Bord
VonChristoph Gschoßmann
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Ein russisches Atom-U-Boot liegt vor Kuba und hat wohl eine „Zirkon“-Rakete an Bord. Die Rakete ist auch für die Patriot-Systeme der USA zu schnell.
Frankfurt – In Kuba ist ein russisches Atom-U-Boot aufgetaucht – das erinnert sofort an die Kubakrise im Kalten Krieg. Während des Damals war Kuba ein wichtiger Verbündeter der ehemaligen Sowjetunion. Die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf der Insel löste 1962 die Kubakrise aus, als die Welt zwei Wochen lang kurz vor einem Atomkrieg zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR stand. Diesmal befindet sich ein atomgetriebenes U-Boot Moskaus auf der Karibikinsel, mit der Hyperschallrakete „Zirkon“ an Bord. Schon vor einem Jahr galt diese als Wladimir Putins neue „Wunderwaffe“.
„Zirkon“ soll auch in der Ukraine schon eingesetzt worden sein
Auch in der Ukraine soll diese bereits eingesetzt worden sein. Das staatliche Kiewer wissenschaftliche Forschungsinstitut für forensische Expertise erklärte in einem Telegram-Post, dass Trümmer, die nach einem Angriff auf die ukrainische Hauptstadt am 7. Februar geborgen wurden, auf den Einsatz des Hyperschall-Marschflugkörpers vom Typ Zirkon hinweisen.
Bei dem Angriff wurden laut der Ukraine vier Menschen getötet und 38 weitere verletzt, allerdings wurden keine Opfer direkt der angeblichen Zirkon-Rakete zugeschrieben.
Russische „Zirkon“-Überschallrakete auch für Patriot-Raketenabwehr zu schnell
Doch was genau ist die Zirkon und wie viel Schaden kann sie anrichten? Immerhin befindet sich womöglich eine davon nicht weit von der Küste der Vereinigten Staaten von Amerika entfernt. Von Florida bis Kuba sind es nur 145 Kilometer und selbst bis Washington D.C. sind es nur knapp 2000 Kilometer. Wenn sie hält, was die russische Regierung über sie sagt, ist die Zirkon eine „gewaltige“ Waffe. Ihre Überschallgeschwindigkeit macht sie laut der in den USA ansässigen Missile Defense Advocacy Alliance (MDAA) sogar für die besten westlichen Raketenabwehrsysteme wie dem Patriot-System unverwundbar.
Nawalny verlängert die Liste der Opfer Putins – ein Überblick
Die Allianz gibt an, dass die Geschwindigkeit der Zirkon auf Mach 8 oder fast 9900 Kilometer pro Stunde geschätzt wurde. Hyperschall ist definiert als jede Geschwindigkeit über Mach 5 (ca. 6.173 Kilometer pro Stunde). „Wenn diese Informationen zutreffen, wäre die Zirkon-Rakete die schnellste der Welt, was es allein aufgrund ihrer Geschwindigkeit nahezu unmöglich macht, sich gegen sie zu verteidigen“, heißt es auf der Website der Allianz.
Plasmawolke schützt russische Zirkon-Rakete vor dem Radar
Die Website weist auch auf die Plasmawolke der Rakete als weiteres „wertvolles“ Merkmal hin .„Während des Fluges ist die Rakete vollständig von einer Plasmawolke umgeben, die alle Radiofrequenzstrahlen absorbiert und die Rakete für Radare unsichtbar macht. Dadurch kann die Rakete auf ihrem Weg zum Ziel unentdeckt bleiben“, heißt es. Darüber hinaus schreibt die MDAA, dass die Zircon „ein manövrierfähiger Hyperschall-Marschflugkörper gegen Schiffe“ mit einer Reichweite von 500 bis 1000 Kilometern sei.
Als die russische Fregatte „Admiral Gorschkow“ – die nun ebenfalls vor Kuba liegt – im Januar zu einem Kampfeinsatz aufbrach, prahlte Putin mit den Zirkon-Raketen, die das Schiff an Bord hatte. Putin sagte laut einem Bericht der staatlichen Medienagentur TASS dazu: „Sie hat in keinem Land der Welt Analogien. Ich bin sicher, dass solch mächtige Waffen Russland zuverlässig vor potenziellen Bedrohungen von außen schützen und dazu beitragen werden, die nationalen Interessen unseres Landes zu wahren.“
Kubas Regierung klärt auf, ob die russischen Schiffe Atomwaffen an Bord haben
In Kuba liegen seit Mittwoch (12. Juni 2024) vier Schiffe der russischen Marine: Das Atom-U-Boot „Kasan“, ebenjene Fregatte „Admiral Gorschkow“, der Tanker „Paschin“ und der Schlepper „Nikolai Tschiker“ machen mehrere Tage im Hafen von Havanna Station. „Keines der Schiffe führt Atomwaffen mit sich“, betonte das kubanische Außenministerium. Ihr Aufenthalt in Kuba stelle „keine Bedrohung für die Region dar“.
Es handele sich um einen Hafenbesuch auf der Grundlage internationaler Vereinbarungen, die Kuba „strikt“ befolge, und der „historischen Freundschaftsbeziehungen“ zwischen Havanna und Moskau, fügte das Ministerium hinzu. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, dass die Flotte vor ihrer Ankunft in Havanna „eine Übung zum Einsatz von Hochpräzisionsraketen“ absolviert habe. Die Besatzungen der Schiffe werden in den kommenden Tagen „an einer Reihe von protokollarischen Veranstaltungen teilnehmen“, wie das Ministerium nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax weiter erklärte.
Pentagon in den USA äußert sich zu russischen Schiffen vor Kuba
Der Aufenthalt russischer Marineschiffe in unmittelbarer Nachbarschaft zu den USA erfolgt inmitten zunehmender Spannungen zwischen Russland und dem Westen wegen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Eine Pentagon-Sprecherin erklärte ebenfalls, der Aufenthalt der russischen Schiffe stelle keine „Bedrohung für die USA dar“. Es handele sich zudem nicht um den ersten Hafenbesuch russischer Kriegsschiffe in Kuba. Der nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, betonte aber, dass bisher nie ein Atom-U-Boot dabei gewesen sei.
Russland hat auf der Suche nach neuen Handelspartnern seine Beziehungen zur kommunistischen Regierung in Kuba seit 2022 verstärkt. Im November 2022 reiste der kubanische Staatschef Miguel Díaz-Canel nach Moskau, um Kreml-Chef Putin zu treffen. Im April 2023 sicherte der kubanische Präsident Moskau „Kubas bedingungslose Unterstützung“ in seinem „Kampf mit dem Westen“ zu. Kritik am Angriff auf die Ukraine äußerte Kuba nicht. (cgsc mit afp)