ICE-Beamte nahmen in Minnesota mehrere Kinder fest. Ein 5-Jähriger wurde als Köder benutzt, um weitere Personen zu finden. Die Gemeinde ist empört. Eine Analyse.
Beamte der Einwanderungs- und Zollbehörde in Minnesota haben diesen Monat mindestens vier Kinder aus demselben Schulbezirk festgenommen, darunter einen 5-jährigen Jungen. Das teilten Schulbeamte in einem Vorort von Minneapolis am Mittwoch mit.
Die Ereignisse verschärften die Spannungen zwischen Anwohnern und ICE-Beamten. Diese entstanden durch die tödlichen Schüsse eines ICE-Beamten auf die 37-jährige Renée Good in diesem Monat. Die Trump-Regierung versucht, die Anwesenheit von ICE-Beamten zu rechtfertigen. Sie behauptet, diese nehmen nur Einwanderer fest, die wegen Gewaltverbrechen verurteilt wurden.
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Kritik an Festnahmen von Kindern
„Warum einen 5-Jährigen festnehmen?“, fragte Zena Stenvik auf einer Pressekonferenz. Sie leitet den Schulbezirk Columbia Heights Public Schools nördlich von Minneapolis. „Man kann mir nicht erzählen, dass dieses Kind als Gewaltverbrecher eingestuft wird.“
Der fünfjährige Liam Conejo Ramos und sein Vater wurden am Dienstagnachmittag in ihrer Einfahrt festgenommen. Das Heimatschutzministerium identifizierte den Vater in einer per E-Mail verschickten Erklärung als Adrian Alexander Conejo Arias. Sie kamen gerade von der Schule des Kindes zurück, wie aus einer Pressemitteilung der Columbia Heights Public Schools hervorgeht.
Einsatz der ICE-Beamten sorgte für Verunsicherung
Der Vater floh zu Fuß, als ICE-Beamte sich ihm näherten, teilte das DHS mit. „Zur Sicherheit des Kindes blieb einer unserer ICE-Beamten bei dem Kind, während die anderen Beamten Conejo Arias festnahmen“, fügte das Ministerium hinzu.
Nach der Festnahme des Vaters forderten die ICE-Beamten Liam auf, an die Tür zu klopfen. Sie wollten sehen, ob sich noch andere Personen im Haus befanden. Der Schulbezirk bezeichnete dies als „einen 5-Jährigen als Köder benutzen“.
Ein weiterer Erwachsener lebte in dem Haus und befand sich zu diesem Zeitpunkt draußen. Er „flehte die Beamten an“, das Kind bei ihnen zu lassen, so der Schulbezirk. Die ICE-Beamten lehnten dies ab.
Trennung von Familien
Liams Bruder besucht die Mittelschule und kam 20 Minuten später nach Hause. Er stellte fest, dass sein jüngerer Bruder und sein Vater mitgenommen worden waren.
Liam und sein Vater befinden sich nun in San Antonio in Gewahrsam der Heimatschutzbehörde. Das teilte der Anwalt der Familie, Marc Prokosch, in einer E-Mail mit. Sie sind keine US-Bürger, haben aber „sich strikt an die gesetzlichen Vorschriften gehalten, von der Einreise über die Beantragung von Asyl bis hin zum Warten auf den Abschluss des Verfahrens“, sagte er.
Das DHS erklärte, dass es nicht gegen Liam vorgegangen sei. Zur Politik der ICE gehöre es, Eltern zu fragen, ob sie mit ihren Kindern abgeschoben werden möchten. Alternativ bringen sie die Kinder bei einer von den Eltern benannten vertrauenswürdigen Person unter.
Unklarheiten beim Umgang mit Kindern
Es war zunächst unklar, warum die ICE-Beamten Liam nicht in der Obhut des Erwachsenen gelassen hatten. Laut Angaben der Schulleitung hatte dieser die Beamten gebeten, Liam dort zu lassen.
Ella Sullivan ist Liams Lehrerin im Vorschulprogramm des Bezirks. Sie sagte auf der Pressekonferenz, dass Liam „ein aufgeweckter junger Schüler“ sei.
„Er ist sehr freundlich. Er kommt jeden Tag in den Unterricht und erhellt einfach den Raum“, sagte sie. „Seine Freunde haben noch nicht nach ihm gefragt, aber ich weiß, dass sie es bald tun werden.“
Weitere Festnahmen von Schülern
Laut Schulbeamten nahmen ICE-Beamte in diesem Monat drei weitere Schüler im Bezirk Columbia Heights fest.
Ein 17-jähriger Gymnasiast wurde am Dienstag auf dem Weg zur Schule aus seinem Auto geholt. Bewaffnete und maskierte Beamte, vermutlich ICE-Beamte, nahmen ihn mit, wie aus der Pressemitteilung hervorgeht. „Es waren keine Eltern anwesend“, hieß es darin.
Letzte Woche „drangen ICE-Beamte in eine Wohnung ein und nahmen eine 17-jährige Schülerin der Columbia Heights High School und ihre Mutter fest“, teilte der Schulbezirk mit.
Betroffene Familien und emotionale Belastung
Eine Woche vor diesem Vorfall nahmen ICE-Beamte eine 10-jährige Viertklässlerin zusammen mit ihrer Mutter fest. „Während der Festnahme rief das Kind seinen Vater an, um ihm mitzuteilen, dass die ICE-Beamten sie zur Schule bringen würden“, so der Schulbezirk. „Der Vater kam sofort zur Schule und stellte fest, dass sowohl seine Tochter als auch seine Frau mitgenommen worden waren.“ Das Mädchen und seine Mutter befinden sich laut Angaben von Schulbeamten in einem Internierungslager in Texas.
Mary Granlund ist die Vorsitzende des Bildungsausschusses der Columbia Heights Public Schools. Sie äußerte sich bei einer Sitzung in dieser Woche verärgert.
„Ich habe die letzten Wochen damit verbracht, dafür zu sorgen, dass unsere Schüler, Mitarbeiter, Familien und alle in unserer Gemeinde in Sicherheit sind“, sagte sie.
„Ich habe die Kraft der Gemeinschaft gesehen“, fuhr sie fort. „Aber letztendlich haben wir Pfeifen und sie haben Waffen.“
Zum Autor
Andrew Jeong ist Reporter für die Washington Post in deren Büro in Seoul.
Dieser Artikel war zuerst am 23. Januar 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.