Klimawandel

Elon Musk: Vom grünen Visionär zum rechten Ideologen

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Elon Musk galt lange als umweltfreundlicher Unternehmer. Heute verbreitet er Klima-Mythen – und noch viel mehr mindestens ebenso Schlimmes.

Kürzlich schaltete sich Elon Musk in den vorweihnachtlichen Bundestags-Wahlkampf ein. Auf seiner Social-Media-Plattform X ließ er seine 208 Millionen Follower:innen wissen: „Nur die AfD kann Deutschland noch retten“. Ein Satz, der vor nicht so langer Zeit noch viele erstaunt hätte, mittlerweile aber wie eine vor mindestens vier Jahren begonnene natürliche Entwicklung nach rechts wirkt.

Im US-Wahlkampf hat der Tesla-Chef mit haufenweise Falschnachrichten und rassistischer wie sexistischer Polemik Donald Trump unterstützt. Immer wieder lobte er auch die Politik des rechtspopulistischen Präsidenten Argentiniens, Javier Milei, und drückte seine Unterstützung für Italiens Ministerpräsidentin Georgia Meloni von der postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia aus. Nachdem er den britischen Labour-Premierminister Keir Starmer mehrmals zum Rücktritt aufgefordert hatte, traf er sich zu Gesprächen mit Nigel Farage und will ihn und seine rechtspopulistische Partei Reform UK mit bis zu 100 Millionen US-Dollar unterstützen.

Undurchsichtig in seinen Ansichten zum Klimaschutz: Milliardär Elon Musk.

Ideologien-Wandel bei Elon Musk: Erst notorisch polemisch, jetzt „eindeutig rechtsradikal“

Der Germanist Adrian Daub von der US-Universität Stanford ordnet Musks Äußerungen mittlerweile als eindeutig rechtsradikal ein. Wer auf X notgedrungen immer wieder über seine Posts stolpert, dürfte von dieser Bewertung kaum überrascht sein: Mal verklärt Musk den britischen Kolonialismus zu einer Heldengeschichte, mal unterstützt er eine sexistische Theorie, nach der nur „Alpha-Männer“ mit hohem Testosteronlevel die Fähigkeit hätten, „frei zu denken“, und deshalb auch nur sie in einer Gesellschaft Entscheidungen fällen sollten. Wes Geistes Kind er ist, führt Musk der Welt immer wieder auf seiner eigenen Social-Media-Plattform vor.

Auch wenn er schon früher immer wieder mit Polemik auffiel, hat sich das Profil des Unternehmers in den letzten Jahren doch grundlegend verändert. Es ist nicht lange her, da galt Elon Musk als der prototypische grüne Unternehmer. Statt mit großen Luxusyachten und opulenten Villen machte er mit Elektroautos und Rhetorik gegen fossile Konzerne von sich reden.

Chef von Tesla, Space X und X: Elon Musk galt früher als Visionär

Noch 2016 kritisierte der Tesla-Chef und Gründer des Raumfahrtunternehmens Space X in der National-Geographic-Dokumentation „Before the Flood“ die Macht des fossilen Sektors. Im Film erläuterte er seine Vision einer globalen Transformation hin zu einem dezentralen, klimafreundlichen Stromsystem mit Solarzellen und Batterien. Die fossilen Konzerne stünden dieser Transformation im Weg. „Sie haben mehr Geld und Einfluss als jeder andere Sektor.“

Im Gespräch mit dem Schauspieler und Moderator der Dokumentation, Leonardo DiCaprio, argumentierte Musk, dass es gegen die Fossilen besser früher als später „eine Art Volksaufstand“ geben solle. Immer wieder betonte er die Notwendigkeit einer CO2-Besteuerung. Für alle internen Tesla-Präsentationen machte er es zur Vorschrift, Grafiken aus Al Gores Klimawandel-Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“ zu zeigen.

Von Klima-Warnungen zu Mars-Plänen: Die Entwicklung des Elon Musk

Als die USA während der ersten Trump-Legislatur aus dem Pariser Klimaabkommen ausstiegen, schmiss der Tech-Milliardär seine Position als Regierungsberater hin. „Der Klimawandel ist real“, schrieb Musk als Erklärung bei Twitter. Das Paris-Abkommen zu verlassen, sei weder gut für die USA noch für die Welt. Das könnte man als Beleg für Musks frühere Überzeugung werten oder dahinter den Versuch erkennen, die eigene Marke zu schärfen und der fossilen Konkurrenz zu schaden. Aber dass er die Gefahr der Klimakrise ernst genommen hat, attestieren ihm viele seiner Weggefährt:innen.

Unter Berufung auf Musks nahes Umfeld versucht auch die Zeitung Washington Post in einem Artikel, den Sinneswandel des reichsten Menschen der Welt nachzuvollziehen. Er sei nach wie vor der Ansicht, dass die Klimakrise ein Problem sei, schreiben die Autor:innen. Allerdings sei er mittlerweile der Überzeugung, dass die Gefahr überbewertet werde. Andere Themen seien seiner Ansicht nach drängender, wie die Risiken künstlicher Intelligenz, die sinkenden Geburtenraten in Industrienationen – und natürlich sein Herzensprojekt, die Besiedelung des Mars.

Über die Klimakrise spricht der designierte Leiter der von Trump angekündigten Abteilung für Regierungseffizienz inzwischen kaum noch. Und wenn, dann verbreitet er Falschinformationen. Im Gespräch mit Donald Trump, gestreamt auf X, versicherte er dem Präsidentschaftskandidaten noch im August, dass man sich mit dem Klimaschutz nicht beeilen müsse. Zwar führe CO2 bei sehr hohen Konzentrationen ab etwa 1000 ppm – gegenwärtig liegt der CO2-Anteil in der Atmosphäre bei etwa 420 ppm – zu einer Reizung der Atemwege, weshalb ein Umstieg auf grüne Alternativen langfristig sinnvoll sei, es gebe aber keinen Grund zur Eile.

Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?

Geboren wurde Elon Musk 1971 in Pretoria in Südafrika.
Geboren wurde Elon Musk 1971 in Pretoria in Südafrika. Seine Mutter Maye Musk, hier gemeinsam mit ihrem Sohn in der TV-Show „Saturday Night Life“, stammt aus Kanada und arbeitete dort als Model. Elon Musk hat zwei jüngere Geschwister: seinen Bruder Kimbal Musk und Schwester Tosca Musk. © dpa
Errol Musk baute als Maschinenbau- und Elektroingenieur ein Vermögen auf.
Vater Errol Musk baute als Maschinenbau- und Elektroingenieur ein Vermögen auf. Die Familie wuchs in großem Wohlstand in Pretoria auf. 1979 scheiterte die Ehe der Eltern. Elon Musk zog daraufhin mit seiner Mutter und seinen Geschwistern für zwei Jahre nach Durban (Südafrika), ehe er zurück zu seinem Vater nach Pretoria kehrte. © GIANLUIGI GUERCIA/dpa
Mitte der 1990er Jahre begann der Aufstieg Elon Musks in den USA.
Mitte der 1990er Jahre begann der Aufstieg Elon Musks in den USA. Im März 1999 gründete er das Online-Bankunternehmen X.com. Ein Jahr später wurde nach Fusion mit einer Firma von Milliardär - und Unterstützer von Donald Trump - Peter Thiel daraus der Online-Bezahldienst Paypal. Den wiederum kaufte Ebay, was Musk einen satten Gewinn von 176 Millionen Dollar eingebracht haben soll. © Michael Reynolds/dpa
Im Jahr 2002 gründete Elon Musk das Unternehmen SpaceX.
Im Jahr 2002 gründete Elon Musk das Unternehmen SpaceX. Er investierte rund 100 Millionen US-Dollar seines Geldes zum Start in die Firma. Kurzfristiges Ziel war die Entwicklung einer eigenen Trägerrakete, um die Kosten für die zivile Raumfahrt zu senken. Langfristig sollte SpaceX Musk der Erfüllung seines großen Traums näher bringen: die Besiedlung des Mars. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich SpaceX zu einem erfolgreichen Projekt. Das US-Verteidigungsministerium erteilte der Firma einen Auftrag in Höhe von 3,6 Milliarden US-Dollar zur Errichtung eines Netzwerks von Spioinagesatelliten. © Paul Buck/dpa
Sein geschäftlicher Erfolg in den Vereinigten Staaten brachte Elon Musk auch der US-Politik näher
Sein geschäftlicher Erfolg in den Vereinigten Staaten brachte Elon Musk auch der US-Politik näher. Im Jahr 2014 besuchte der frisch gebackene Milliardär gemeinsam mit seiner Ex-Frau Talulah Riley einen Empfang des damaligen Präsidenten Barack Obama. Musk heiratete Riley im Jahr 2010. Zwei Jahre später ließ sich das Paar aber wieder scheiden. © Andrew Harrer / Pool
Im Jahr 2004 übernahm Elon Musk die ein Jahr zuvor gegründete Automarke Tesla
Im Jahr 2004 übernahm Elon Musk die ein Jahr zuvor gegründete Automarke Tesla. Die Firma hatte zum Ziel, Elektro-Autos in allen Preisklassen zu entwickeln und weltweit zu verkaufen. Erstes Modell des Autobauers war der „Tesla Roadster“. Es folgten das „Model S“ und „Model X“. Neben dem Bau von Elektro-Autos investierte Tesla auch in den Ausbau von Ladestationen in den USA sowie in eigene Batteriefabriken. © Matt Sumner/dpa
Ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte von Tesla sollte der Cybertruck werden.
Ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte von Tesla sollte der Cybertruck werden. Elon Musk pries den Wagen 2023 in der Autostadt Detroit als nahezu unzerstörbar an. Dies wollte der Milliardär eigenhändig unter Beweis stellen und warf eine Stahlkugel auf die Fensterscheibe - mit unerwartetem Ergebnis. Die Scheibe splitterte unter den verdutzten Augen Musks. Der nahm es mit Humor. © IMAGO/Robert Hanashiro
Dennoch verkaufte sich Elon Musks Cybertruck - auch außerhalb der USA.
Dennoch verkaufte sich Elon Musks Cybertruck - auch außerhalb der USA. Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow gönnte sich ebenfalls einen der Tesla-SUVs. Der Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin modizifierte seinen Cybertruck mit einem Maschinengewehr. © IMAGO/Handout/Kadyrov 95
Ein Jahr Tesla Gigafactory Berlin Brandenburg
Im Jahr 2022 eröffnete Tesla das erste Werk in Deutschland. Zur Eröffnung der Tesla-Fabrik in Brandenburg begrüßte Musk unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz. Bund und Land hatten den Bau des Autowerks mit Millionenbeträgen subventioniert. In der „Tesla Gigafactory“ sollten kurz darauf 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt werden. Kritik wurde aber auch an Musks Unternehmensführung laut. Er soll großen Leistungsdruck auf seine Angestellten ausüben und infolge von Wutanfällen ganze „Wogen“ von Entlassungen verteilt haben, berichtete die New York Times. © Patrick Pleul/dpa
Auch Umweltaktivisten engagierten sich gegen den Bau der Tesla-Fabrik in Brandenburg.
Auch Umweltaktivistinnen und -aktivisten engagierten sich gegen den Bau der Tesla-Fabrik in Brandenburg. An einer Demonstration gegen die Erweiterung des Werks am Bahnhof Fangschleuse im nahegelegenen Grünheide beteiligten sich laut Veranstalter mehr als 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Polizei sprach von etwa 1.000 Personen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jadranko Marja
Demonstrationen gegen Elon Musks Tesla-Werk in Brandenburg
Ganz friedlich blieb es dabei nicht. Während der Demonstrationen gegen Elon Musks Tesla-Werk in Brandenburg kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und der Polizei. Laut Informationen des RBB setzten die Sicherheitskräfte dabei auch Pfefferspray ein. Das Werksgelände musste zeitweise von einem Großaufgebot gesichert werden. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jadranko Marja
Weniger bekannt wie Elon Musks Ausflüge in die Weltraumwirtschaft und Elektromobilität ist sein Engagement in Hollywood
Weniger bekannt als Elon Musks Ausflüge in die Weltraumwirtschaft und Elektromobilität ist sein Engagement in Hollywood. 2005 war der Milliardär als Executive Producer an dem Film „Thank you for Smoking“ beteiligt. 2010 war Musk in derselben Funktion für den Film „Dumbstruck“ tätig. © Peter Foley/dpa
Von 2017 bis 2018 war Elon Musk mit der Schauspielerin Amber Heard liiert.
Von 2017 bis 2018 war Elon Musk mit der Schauspielerin Amber Heard liiert. © IMAGO/PacificCoastNews / Avalon
Einen weiteren Traum musste Elon Musk aber aufgeben: die menschliche Rohrpost.
Einen weiteren Traum musste Elon Musk aber aufgeben: die menschliche Rohrpost. Noch 2018 kündigte er in Begleitung seiner damaligen Freundin, der kanadischen Sängerin Grimes, den Hyperloop an. Ein Netz aus Vakuumröhren zwischen den Großstädten der USA sollte den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren. 2022 wurde das Projekt eingestellt.  © Gene Blevins/dpa
Mit der Sängerin Grimes ging Elon Musk 2018 eine Beziehung ein.
Mit der Sängerin Grimes ging Elon Musk 2018 eine Beziehung ein. Zwei Jahre später bekam das Paar seinen ersten gemeinsamen Sohn. 2023 trennten sie sich. Seitdem streiten der Milliardär und die Sängerin vor Gericht um das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder. © IMAGO/RW
Neben den drei Kindern mit der Sängerin Grimes soll Musk fünf Kinder mit seiner ersten Ehefrau Justine Wilson haben.
Neben den drei Kindern mit der Sängerin Grimes soll Musk fünf Kinder mit seiner ersten Ehefrau Justine Wilson haben. Mit Shivon Zilis, Angestellte in Musks Firma Neuralink, hat er Zwillinge gezeugt. Insgesamt soll Musk zehn Kinder haben, die allesamt durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden. © CHANDAN KHANNA/AFP
Eine wahre Erfolgsgeschichte unter den vielen Firmen, die Elon Musk betreibt, ist das Unternehmen SpaceX
Eine wahre Erfolgsgeschichte unter den vielen Firmen, die Elon Musk betreibt, wurde dagegen das Unternehmen SpaceX. Seit Jahren schickt die Firma hunderte Satelliten ins All und betreibt von dort „Starlink“, das schnellen Internetzugang überall auf der Welt bieten soll. © SPACEX via www.imago-images.de
Donald Trump beim Start einer Space X Rakete
Die Genauigkeit, mit der SpaceX in der Lage ist, Raketen ins All zu schießen, und wieder zu landen, begeisterte Donald Trump bereits in seiner ersten Amtszeit. Im Jahr 2020 besuchte der damalige US-Präsident gemeinsam mit seinem Vizepräsidenten Mike Pence den Start einer SpaceX-Rakete. © Linn/Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de
Schwer aktiv war Elon Musk seit jeher in den sozialen Medien.
Schwer aktiv war Elon Musk seit jeher in den sozialen Medien. Besonders auf Twitter kommentierte der Milliardär immer wieder das politische Geschehen der USA. Musk kritisierte die Verbannung Donald Trumps vom Kurznachrichtendienst nach dem Kapitolsturm am 6. Januar 2021. Ein Jahr später kaufte der Milliardär Twitter auf. Er teilte daraufhin ein Video, in dem er ein Waschbecken (englisch: sink) in die Twitter-Zentrale trug - kommentiert mit den Worten "Let that sink in“ (lass das sacken). 2023 benannte er das Unternehmen um in „X“. Die von Musk durchgeführten Änderungen sorgten für eine Flut von Abwanderungen aus dem bis dato größten Kurznachrichtendienst. © AFP
Elon Musk im November 2023 in die Kritik
Wegen antisemitisch anmutender Kommentare auf Twitter geriet Elon Musk im November 2023 in die Kritik. Er versuchte, seine Aussagen zu relativieren, doch bediente sich dabei antismetischer Verschwörungstheorien. Kurz darauf reiste Musk medienwirksam nach Israel. Dort besuchte er in Begleitung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Kibbutz Kfar Aza, den die Hamas beim Terroranschlag am 7. Oktober attackiert hatte.  © IMAGO
In den Vorwahlen der Republikaner zur US-Wahl 2024 unterstützte Elon Musk zunächst Ron DeSantis
In den Vorwahlen der Republikaner zur US-Wahl 2024 unterstützte Elon Musk zunächst Ron DeSantis. Der Gouverneur des US-Bundesstaates Florida galt als aussichtsreichster Gegenkandidat zu Donald Trump. Mit einem Interview auf X wollte Musk DeSantis zu Aufmerksamkeit verhelfen. Technische Pannen machten den Versuch aber zu einem ähnlichen Fehlschlag wie die ganze Kampagne DeSantis‘.  © ANGELA WEISS CHENEY ORR / AFP
Nach dem Attentat auf Donald Trump stellte sich Elon Musk endgültig hinter den Kandidaten der Republikaner.
Nach dem Attentat auf Donald Trump stellte sich Elon Musk endgültig hinter den Kandidaten der Republikaner. Es folgten zahlreiche Wahlkampfauftritte des Südafrikaners, auch mit der kommenden First-Lady Melania Trump. Deren Ehemann versprach dem Milliardär daraufhin eine einflussreiche Rolle in der US-Regierung. Musk solle sich um den Abbau der US-Bürokratie kümmern und Milliardenbeträge einsparen. © IMAGO/Jen Golbeck / SOPA Images
Im Wahlkampf nahm Donald Trump seine halbe Familie mit zu Elon Musks Raketenstart.
Im Wahlkampf nahm Donald Trump seine halbe Familie mit zu Elon Musks Raketenstart. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl nutzte der kommende US-Präsident seine Rede dazu, minutenlang über die Schönheit und Präzision der SpaceX-Raketen zu philosophieren. © BRANDON BELL/AFP
Den Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl feierte selbstredend auch Elon Musk.
Den Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl feierte selbstredend auch Elon Musk. Für den Milliardär war damit der Weg frei ins Weiße Haus. In den Wochen nach der US-Wahl wich Musk nicht von der Seite Trumps und wurde laut Einschätzung der US-Medien zum einflussreichsten Mann in Trumps Umfeld. Vor allem die Auswahl des Kabinetts durch den kommenden US-Präsidenten soll Musk maßgeblich beeinflusst haben. © JIM WATSON/AFP
Trump verabschiedet Musk auf gemeinsamer Pressekonferenz
Doch dann kam es zum Streit zwischen Musk und Trump. Anlass war das Haushalts- und Steuergesetz, mit dem der US-Präsident zentrale Wahlversprechen umsetzen will. Vor allem die drohenden Rekordschulden sind Musk ein Dorn im Auge. Trumps Pläne trieben „Amerika in den Bankrott“, so Musk. © Evan Vucci/dpa
Mittlerweile gilt Elon Musk als reichster Mensch der Welt.
Mittlerweile gilt Elon Musk als reichster Mensch der Welt. Sein Vermögen wird laut Süddeutscher Zeitung auf über 400 Milliarden US-Dollar geschätzt (Stand: Dezember 2024). Politisch positioniert sich Musk seit Jahren als rechtskonservativer Hardliner. Nach dem Wahlsieg Donald Trumps posierte er in dessen Anwesen in Mar-a-Lago mit Brexit-Papst und Parteichef der rechten „UK Reform“ Nigel Farage (r) und dem Schatzmeisters der Partei, Nick Candy (l) vor einem Porträt des jungen Trumps. © dpa

Corona-Folgen und Anti-Woke-Bewegung: Musks Beweggründe

Wegen Klima-Falschinformationen wie diesen sowie der neuen Sympathie ihres Chefs für Rechtspopulist:innen und Verschwörungsideologien haben laut dem Washington-Post-Artikel bereits zahlreiche führende Tesla-Angestellte gekündigt. Auch dass Musk offenbar den Tesla-Plan, preisgünstige E-Kleinwagen auf den Markt zu bringen, eingestampft habe und stattdessen in künstliche Intelligenz für die Luxusmodelle investiere, sei ein Symptom für seinen Sinneswandel in Bezug auf Klimaschutz, heißt es weiter.

Um Musks Metamorphose nachzuvollziehen, hat die Washington Post mit fünf Vertrauten von ihm gesprochen, die alle anonym bleiben wollen. Diese machen eine Reihe von persönlichen Ereignissen verantwortlich. 2020 musste Musk aufgrund von Corona-Auflagen sein wichtigstes Tesla-Werk in Kalifornien schließen. Der Milliardär war außer sich und ordnete nur wenige Monate später den Umzug des Hauptsitzes in die Nähe von Austin in Texas an.

Etwa zur gleichen Zeit erhielt Musks Tochter Vivian Wilson – eine Transfrau – eine geschlechtsangleichende Behandlung. Er sei darüber am Boden zerstört gewesen, erklärten Bekannte. Seitdem sagt Musk immer wieder, er wolle den „Woke-Mind-Virus“, der „meinen Sohn getötet hat“, zerstören.

2024 wärmstes Jahr

Das vergangene Jahr war im Kernland der USA das heißeste und eines der feuchtesten seit Beginn der Messungen.

Die durchschnittliche Temperatur auf dem US-Staatsgebiet – ohne Alaska und Hawaii – habe bei 13,1 Grad gelegen und somit auf dem höchsten in 130 Jahren festgestellten Wert, heißt es in einem Bericht der US-Klimabehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA).

Mit 802,1 Millimetern wurde zudem die dritthöchste Niederschlagsmenge seit Messbeginn festgestellt.

Das US-Kernland wurde zudem von einer deutlich überdurchschnittlichen Menge an Extremwetterereignissen getroffen. So wurden im gesamten Gebiet 1735 Tornados festgestellt, der zweithöchste je gemessene Wert. Lediglich im Jahr 2004 waren noch mehr Hurrikans gemeldet worden.

27 Naturkatastrophen verursachten der NOAA zufolge im US-Kernland im vergangenen Jahr Gesamtschäden von mehr als einer Milliarde Dollar, lediglich 2023 war bei mehr Katastrophen diese Schwelle überschritten worden. (afp)

Kritik und Proteste: Elon Musks Weg in die rechtskonservative Bubble

Beides habe Musk gegen die Politik der Demokratischen Partei aufgebracht und ihn in der Folge auch dazu bewogen, seine Haltung zur Klimakrise zu überdenken. Laut Musks Biograf Walter Isaacson hat auch die öffentliche Kritik an ihm von demokratischen Politiker:innen wie Alexandria Ocasio-Cortez zu seinem politischen Wandel beigetragen. Ein Jahr später lud der scheidende Präsident Joe Biden große US-Autohersteller zu einem E-Auto-Gipfel ein, Tesla erhielt keine Einladung. Musk sei außer sich gewesen und habe sich weiter von den Demokrat:innen abgewandt.

In der folgenden Zeit sei der 53-Jährige immer stärker in eine rechtskonservative Bubble eingetaucht, online wie offline. Zu seinen neuen Bekanntschaften zählen der Software-Unternehmer Joe Lonsdale und der Pharma-Unternehmer Vivek Ramaswamy. Beide vertreten wissenschaftsfeindliche Positionen über die Klimakrise. Ramaswamy etwa hält es nicht für belegt, dass die Folgen des Klimawandels negativ statt förderlich für die Menschheit sein werden.

Auch die Proteste von Umweltinitiativen hätten Elon Musk weiter radikalisiert, erklären Vertraute. Noch 2018 wurde bekannt, dass Musk eine hohe Summe an die bedeutende US-Naturschutzorganisation Sierra Club gespendet hatte. Nachdem einige Gruppen, auch der Sierra Club, immer wieder gegen geplante Tesla-Werkserweiterungen vorgegangen waren, änderte sich seine Position.

Ideologischer Werdegang von Elon Musk spiegelt traurigen Trend wider

Auch die Proteste in Grünheide bei Berlin im vergangenen Frühjahr mit einer Waldbesetzung und großen Demonstrationen – zudem musste die Gigafactory auch aufgrund eines Sabotageaktes für mehrere Tage die Produktion einstellen – hätten starken Eindruck auf Musk gemacht. Auf X beschimpfte er die Protestierenden als entweder „extrem dumm“ oder „Marionetten derjenigen, die keine guten Umweltziele verfolgen“.

Welche Umweltziele Musk mittlerweile verfolgt, ist vollends unklar. Ob Trump, Milei oder die AfD, alle drei erfreuen sich nicht nur der Gunst des modernen Krösus, sondern leugnen auch den menschengemachten Klimawandel.

Der ideologische Werdegang von Elon Musk ist einer von Millionen. Besonders seit der Corona-Pandemie haben Verschwörungsideologien, vereinfachte, rechtspopulistische Erklärungsmuster und Wissenschaftsleugnung Hochkonjunktur.

Einflussreich und Umstritten: Politik fordert auch Konsequenzen für Nachrichtendienst X

Was die Entwicklung von Musk so wichtig macht, ist sein enormer Einfluss. Er ist der reichste Mensch der Welt, er besitzt eine der größten Social-Media-Plattformen der Welt, und wie die letzten Monate zweifelsohne gezeigt haben, will er diese Macht nutzen, um Einfluss auf Wahlen und politische Entscheidungen zu nehmen.

In der deutschen Politik fällt das Urteil über Musk unterschiedlich aus. Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel hat die Wahlwerbung Musks wenig überraschend begrüßt. FDP-Chef Christian Lindner kritisierte die Wahlempfehlung, lud aber Elon Musk gleich zu einem Gespräch ein. Er wolle ihm zeigen, wofür die FDP stehe. Schon zuvor hatte Lindner dafür geworben, „mehr Musk und Milei zu wagen“.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sprach hingegen von einer „unwürdigen und hochproblematischen“ Einmischung. CDU-Europaabgeordnete haben zudem gefordert, die Sichtbarkeit von Musks Beiträgen auf X zu untersuchen. Viele Nutzer:innen würden berichten, dass sie regelmäßig Beiträge von Musk sehen würden, ohne ihm zu folgen oder auf seine Beiträge zu reagieren, erklärte der CDU-Politiker Daniel Caspary. Das werfe grundlegende Fragen zu Transparenz und Neutralität des Netzwerks auf. (David Zauner)

Rubriklistenbild: © Getty Images via AFP

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