VonJohannes Nußschließen
Die Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie ist vor der ersten Tarifrunde laut IG Metall „ausgesprochen aufgeheizt“. Gefordert wird ein Lohnplus von 8 Prozent.
Hannover – Die Nerven bei den Arbeitnehmern in der Metall- und Elektroindustrie liegen blank. Kurz vor der ersten Tarifrunde der IG Metall mit den Arbeitgebern am kommenden Montag, 12. September 2022, haben sich die Gewerkschaftsspitzen am Donnerstag, 8. September 2022, in Hannover getroffen, um ihre Strategie für die Verhandlungen festzulegen. Eines ist bei dem Treffen in Niedersachsen klar geworden: Aufgrund der enormen Teuerungen und krassen Energiepreisen fordert man mit einem Lohnplus von acht Prozent zwar ein großzügiges, aber dennoch realistisches Angebot von Arbeitgeberseite. Die Stimmung sei „ausgesprochen aufgeheizt“, warnte IG Metall-Chef Jörg Hofmann am Donnerstag in Hannover vor Pressevertretern.
IG Metall fordert acht Prozent Lohnplus: Rund vier Millionen Beschäftigte in Metall- und Elektroindustrie
Insgesamt vertritt die IG Metall rund vier Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland. Der Auftakt der Tarifverhandlungen ist zu Beginn der kommenden Woche im Bezirk Niedersachsen/Sachsen-Anhalt geplant. Der IG Metall-Bezirkschef in Niedersachsen, Thorsten Gröger, forderte jüngst vor der Niedersachsen-Wahl 2022 rund 50 Milliarden Euro für die Gestaltung der Transformation der Industrie im Land Niedersachsen für die kommenden zehn Jahre von der Politik.
Viele Menschen merkten die Inflation etwa beim Einkaufen bereits fast im wöchentlichen Rhythmus, so Hofmann. „Das staut sich auf in einer Erwartungshaltung.“ Bei einem Blick auf die Forderung der Gewerkschaft zeigt sich auch, dass diese durchaus mehr als angemessen ist. Die IG Metall fordert 8 Prozent mehr Lohn. Bei einem Blick auf die Inflationsrate in Deutschland von 8 Prozent, käme dabei noch nicht einmal eine echte Gehaltserhöhung für die Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie bei herum.
Die Forderung der Gewerkschaft von 8 Prozent mehr Geld sei daher „angemessen“, die Arbeitgeber müssten Verantwortung zeigen. „Sonst sehe ich, dass die Gesellschaft in dieser Frage zusammenbricht, auseinanderbricht – und wir das Feld Populisten überlassen, die bei dieser Frage keinen Platz haben sollen“, so Hofmann. Erst im Sommer wurde bei den Tarifverhandlungen der Stahlindustrie zwischen IG Metall und dem Arbeitgeberverband Stahl ein Lohnplus von 6,5 Prozent ausgehandelt.
IG Metall fordert acht Prozent Lohnplus: Metaller fordern dringend politische Unterstützung
Man müsse Möglichkeiten von Firmen und Verbrauchern unterscheiden, bekräftigte der IG-Metall-Chef: „Wir ringen mit Arbeitgebern, denen es in weitem Umfang gelingt, die enorm gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten umzuwälzen auf die Preise.“ Für Betriebe, die dies nicht könnten, müsse man einen Weg finden. Nötig seien aber vor allem „Lösungen für die Millionen von Kolleginnen und Kollegen, die unter der Teuerungsrate leiden“. Sie müssten ihre Rechnungen bezahlen.
Hofmann wandte sich erneut auch an die Bundesregierung, deren drittes Entlastungspaket aus seiner Sicht noch nicht ausreicht. Hier gelte es nachzusteuern. „Wir werden nicht alles schaffen können, was die Inflation in den nächsten zwei Jahren mit sich bringt“, sagte er zur bevorstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie der IG Metall, die acht Prozent Lohnplus fordert. „Deswegen brauchen wir politische Unterstützung.“ Maßnahmen wie Gaspreisdeckel oder Strompreisbremse müssten weiter ergänzt werden. (mit Material der dpa)
Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa

