Im Zollkonflikt mit Trump sucht Taiwan einen Sonderweg – auch aus Angst vor China
VonSven Hauberg
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Statt mit Gegenmaßnahmen zu reagieren, sucht Taiwans Regierung das Gespräch mit Trump. Für Taipeh steht mehr auf dem Spiel als nur die Handelsbeziehungen.
Man kommt kaum hinterher. Anfang des Monats hatte Donald Trump fast die gesamte Welt mit massiven Zöllen überzogen, diese aber nur wenig später für 90 Tage ausgesetzt. China nahm der US-Präsident von seiner Zoll-Pause allerdings aus und erhöhte die Grenzsteuern für Waren aus der Volksrepublik auf zuletzt 145 Prozent. Dann die nächste Ausnahme, diesmal für Smartphones, Laptops und andere Elektronikprodukte. Wobei die Ausnahme laut US-Handelsminister Howard Lutnick nur vorübergehend ist, in „wahrscheinlich ein bis zwei Monaten“ sollen auch auf diese Produkte Zusatzzölle erlassen werden. Maximale Verwirrung also.
Vor allem Asien hat Trump ins Visier genommen, und unter den ostasiatischen Demokratien hat es besonders Taiwan getroffen, 32 Prozent Strafzölle brummte er dem Inselstaat auf. Was daran liegt, dass Taiwan einen besonders hohen Handelsüberschuss mit den USA hat, nicht zuletzt, weil das Land Weltmarktführer bei der Produktion von Halbleitern ist. Rund 60 Prozent aller Mikrochips weltweit werden von taiwanischen Unternehmen wie TSMC hergestellt, bei den besonders leistungsfähigen Halbleitern sind es über 90 Prozent. Chips wurden von Trumps Sonderzöllen zwar ausgenommen, machen aber 60 Prozent aller taiwanischen Exporte in die USA aus und treiben damit das Ungleichgewicht im Handel zwischen den beiden Ländern.
Wegen Trumps Zöllen: Taiwan will mehr in den USA investieren
Trump spricht schon länger von „Diebstahl“, die Taiwaner hätten den USA ihre Chip-Industrie geklaut, behauptet er. Dabei hatte Taiwan tatsächlich mit viel Geld und über einen Zeitraum von Jahrzehnten eine Industrie aufgebaut, die ihresgleichen sucht. Wie schwer dieses Erfolgsmodell zu kopieren ist, konnte man in den vergangenen Jahren in Arizona sehen, wo TSMC für 65 Milliarden Dollar mehrere Werke baute und dabei über inkompetente Behörden und schlecht ausgebildete Arbeiter klagte. Dennoch kündigte das Unternehmen kürzlich an, in den USA weitere 100 Milliarden zu investieren. Trump soll besänftigt werden, auch wenn das sehr viel Geld kostet.
Auch die taiwanische Regierung versucht seit Wochen, gut Wetter zu machen im Umgang mit Trump. Das begann schon damit, dass sie nach Trumps Zoll-Tsunami vom Monatsanfang erst einmal – gar nichts tat. Also anders als etwa China keine Gegenmaßnahmen verkündete. Stattdessen erklärte Taiwans Präsident Lai Ching-te, er wolle Trump lieber erklären, „welchen Beitrag Taiwan zur wirtschaftlichen Entwicklung der USA leistet“. Mehr als 100 Milliarden Dollar hätten taiwanische Unternehmen in den USA bereits investiert und rund 400.000 Jobs geschaffen, so Lai. In Zukunft sollten es noch mehr werden, versprach der Präsident in einer Ansprache an sein verunsichertes Volk. Auch wolle sein Land mehr aus den USA importieren, um das Handelsdefizit zu verringern. Schon länger wirbt Taiwan in Washington zudem um ein Freihandelsabkommen mit Washington.
Erste Gespräche zwischen Taiwan und USA über Trump-Zölle
Am vergangenen Freitag dann gab es erste direkte Gespräche zwischen beiden Seiten. Laut dem taiwanischen Premierminister Cho Jung-tai drängte die Trump-Regierung in dem Videotelefonat darauf, Taiwan müsse dafür Sorge tragen, dass chinesische Unternehmen ihre Produkte nicht über Taiwan in die USA exportieren; die beiden Länder sind trotz der chinesischen Drohungen, sich Taiwan einzuverleiben, wirtschaftlich eng verflochten. Woraufhin Cho am Wochenende bei einem Treffen mit Wirtschaftsvertretern forderte: „Taiwan muss die Verteidigungslinien aufrechterhalten und darf nicht zu einem Schlupfloch werden.“ Auch das eine Botschaft an Washington: Wir meinen es ernst.
Ob sich Taiwans Weg – Verhandlungen statt Gegenmaßnahmen – auszahlt und sich als Blaupause für andere Länder eignet, kann derzeit niemand sagen, dafür ist Trump schlichtweg zu unberechenbar. Klar ist aber: Für Taiwan steht viel auf dem Spiel. Nicht nur, weil die USA nach China der zweitgrößte Exportmarkt für taiwanische Unternehmen sind. Auch ist Taiwan im Konflikt mit China auf US-Unterstützung angewiesen.
Trump fordert von Taiwan mehr Geld für die Verteidigung gegen China
Dass Trump Taiwan fallenlässt, ist zwar extrem unwahrscheinlich. Laut internen Regierungspapieren, über die kürzlich die Washington Post berichtet hat, hat der Schutz Taiwans auch für die neue US-Regierung oberste Priorität. Die USA beliefern Taiwan seit Jahrzehnten mit Waffen zur Verteidigung, die Trump-Regierung wird daran kaum rütteln. Aber: Sie verlangt, dass Taiwan deutlich mehr für seine Verteidigung ausgibt, auf zehn Prozent des BIP müsste der Wehretat steigen, hieß es zuletzt aus Trumps Umfeld. Auch Trump selbst hatte im Wahlkampf immer wieder davon gesprochen, die Taiwaner müssten mehr nach Washington überweisen. Im Zollstreit mit den USA geht es für Taipeh also auch darum, Druck vom Kessel zu nehmen, Trump nicht weiter zu verärgern. Zehn Prozent für Verteidigung – laut Premier Cho wäre das nämlich „unmöglich“.