Indien ist ein Land in Südasien, das auf eine fünftausendjährige Geschichte zurückblickt. Die landschaftliche Vielfalt ist geprägt vom Himalaya-Gebirge, über Hochland-Regionen bis hinab zu Fluss-Ebenen und Küsten.
- Indien ist seit dem Frühjahr 2023 der bevölkerungsreichste Staat der Erde.
- Das Land erkämpfte sich mit der gewaltfreien Bewegung um Mahatma Gandhi 1947 seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich.
- Bis heute sorgen allerdings religiöse Spannungen zwischen Hindus und Muslime für Konflikte.
Neu-Delhi – Mit einer Gesamtfläche von 3,28 Millionen Quadratkilometern ist Indien das siebtgrößte Land der Welt. Die Bevölkerungszahl von 1,4 Milliarden Einwohnern übertrifft seit dem Frühjahr 2023 jene des früheren Spitzenreiters China. Wirtschaftlich gilt Indien als Schwellenland. Es ist eine Demokratie, die allerdings durch den stark hindunationalistisch ausgerichteten Kurs der aktuellen Regierung der Bharatiya Janata Partei unter Ministerpräsident Narendra Modi unter Druck geraten ist.
Indien: Induskultur, Vedische Kultur und Siddharta Gautama
Schon in frühgeschichtlicher Zeit lebten im Gebiet des heutigen Indiens Jäger und Sammler. Indiens Kulturgeschichte ist etwa 5000 Jahre alt. Bereits um 3000 vor Christus bildete sich in der Region die Induskultur heraus, die auch als Harappakultur bezeichnet wird. Die Menschen errichteten damals erste städtische Zivilisationen, von denen noch heute zahlreiche Ruinen zeugen.
Um 1500 vor Christus wanderten vom Nordwesten her Stämme ein, die sich als „Aryas“ (übersetzt: „die Edlen“) bezeichneten. Mit ihnen beginnt das vedische Zeitalter. Aus ihrer Sprache – dem Vedischen – entwickelte sich später das Sanskrit. Als Veden werden heute heilige Schriften bezeichnet, die altes Wissen aus jenem Zeitalter bis heute überliefern. Die vedische Religion ist die Wurzel für den Hinduismus sowie das heute noch bestehende Kastensystem, das die Bevölkerung in vier Stufen klassifiziert.
Ab 500 vor Christus entstanden neue Großreiche, wie das Nanda-Reich, dem das Maurya- und später das Gupta-Reich folgten. In diesen Zeitraum fällt auch die Geburt von Siddharta Gautama, der später als Buddha mit seinen Weisheitslehren den Buddhismus begründete. Über den konvertierten König Ashoka wurde der Buddhismus als Religion im Land verbreitet. Vom 7. bis ins 10. Jahrhundert gewann mit der Einwanderung islamischer Araber auch der Islam in Indien an Bedeutung. 1206 wurde in Delhi das erste Sultanat gegründet. Bereits damals gab es immer wieder heftige Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen.
Indien: Britische Ostindien-Kompanie und Mahatma Gandhi
Ende des 15. Jahrhunderts entdeckte der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama den Seeweg von Europa nach Indien. Mit der Errichtung von Handelsstützpunkten gelangte durch Missionare nun auch das Christentum nach Indien. Um 1600 wurde schließlich die Britische Ostindien-Kompanie gegründet – eine Kaufmannsgesellschaft, die eine fast 200-jährige britische Kolonialherrschaft in Indien errichtete.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts leisteten die Inder zunehmend Widerstand gegen die britische Vorherrschaft. Ihre Aufstände wurden blutig niedergeschlagen. 1858 wurde Königin Victoria Kaiserin von Indien – das damalige Reich umfasste noch die heutigen Staaten Pakistan und Bangladesch.
Erst knapp 100 Jahre erreichte Mahatma Gandhi durch seinen gewaltlosen Widerstand, was die Aufstände nicht schafften. Er konnte mit seinen Anhängern das Land 1947 in die Unabhängigkeit führen.
Nach Erlangen der Unabhängigkeit aber wurde Indien jedoch geteilt. Konflikte zwischen Hindus und Muslimen brachen wieder auf, weil manche Hindus Indien als ihren eigenen Staat beanspruchten. Man entschied sich zur Trennung und errichtete das heutige Pakistan einschließlich dem heutigen Bangladesch (‚Ostpakistan‘) als neue Heimat für Muslime. Gandhi, der ein einheitliches Indien im Frieden mit allen Religionen angestrebt hatte, wurde am 30. Januar 1948 von einem fanatischen Hindu erschossen.
Im Jahr 1971 erlangte Ostpakistan infolge eines Krieges seine Unabhängigkeit unter dem Namen Bangladesch.
Indien: Von Indira Gandhi bis Narendra Modi
Erster Premierminister Indiens war Jawaharlal Nehru, ein Weggefährte Gandhis. Er gilt als Architekt des modernen indischen Nationalstaates und Begründer der indischen Kongresspartei, die derzeit in der Opposition ist. Nehru trat für ein demokratisches und säkulares Indien ein, dessen Wirtschaftssystem sozialistische Züge trug. Er legte Wert darauf, dass Indien im Kalten Krieg keiner Allianz angehört und war seit 1955 einer der Wegbereiter der Blockfreien-Bewegung. 1964 starb Nehru im Amt.
Nachfolgerin wurde seine Tochter Indira Gandhi (den Nachnamen trug sie durch Heirat, nicht aufgrund einer Verwandtschaft mit Mahatma Gandhi). Sie trug maßgeblich für die wirtschaftliche Modernisierung sowie die gesellschaftliche Befriedung des Landes. Ihre Regierungszeit teilte sich in zwei Perioden auf, erst von 1966 bis 1977, dann noch einmal von 1980 bis 1984. Sie kam am 31. Oktober 1984 bei einem Attentat in Neu-Delhi ums Leben. Politische Gewalt gehörte in jener Zeit zum politischen Alltag in Indien. Auch ihr Nachfolger und Sohn Rajiv Gandhi wurde 1991 im Amt ermordet. Auch späteren Politikern gelang es nicht, die religiösen Spannungen zwischen Hindus und Muslime in den Griff zu bekommen.
Seit 2014 ist Narendra Modi Premierminister des Landes. Er und die Bharatiya Janata Partei vertreten einen stark hindunationalistischen Kurs, Modi stand schon vor seiner Wahl zum Regierungschef Indiens wegen seiner Muslimfeindlichkeit in der Kritik. Da Modis Regierung stark autoritäre Züge trägt, sehen internationale Beobachter die Demokratie Indiens zunehmend gefährdet.
Indien: Das politische System
Dennoch gilt Indien als die größte Demokratie der Welt. Die Verfassung wurde 1950 unter Nehru auf den Weg gebracht. Das indische Parlament setzt sich aus zwei Kammern (Unterhaus Lok Sabha und Oberhaus Rajya Sabha) zusammen, wobei das Oberhaus auf nationaler Ebene alle Bundesstaaten vertritt. Die Parteienlandschaft ist vielfältig.
Der Präsident ist das Staatsoberhaupt des Landes und wird von einem Gremium aus Abgeordneten des Bundes auf fünf Jahre gewählt. Das Amt hat jedoch eher repräsentative Funktion. Die politische Macht liegt beim Premierminister, der auch oberster Befehlshaber der Streitkräfte ist. Jedem Bundesstaat steht ein Chief Minister vor, der vom Parlament des jeweiligen Staates zum Regierungschef gewählt wird.
Indien: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Neu-Delhi
- Amtssprache: Hindi und Englisch (Amtssprachen der Union), 21 weitere offiziell anerkannte Amtssprachen auf regionaler Ebene
- Fläche: 3.287.263 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 1.417.173.173 (Stand 2022)
- Währung: Indische Rupie (INR)
- Verwaltungsgliederung: 28 Bundesstaaten, 8 Unionsterritorien, 600 Distrikte
- Religion: 79,8 % Hindus, 14,2 % Muslime, 2,3 % Christen, 1,7 % Sikhs, 0,7 % Buddhisten, 0,4 % Jainas
Indien: Sprachen und Bevölkerung
In Indien werden über 100 verschiedene Sprachen gesprochen. Neben den beiden Amtssprachen Hindi und Englisch sind auf regionaler Ebene laut indischer Verfassung noch 21 weitere Sprachen anerkannt. Eine Sonderstellung kommt dem Sanskrit zu. Es ist vergleichbar mit dem Lateinischen und ist ebenfalls als Amtssprache offiziell anerkannt, obwohl es nirgends als solche verwendet wird. Englisch gilt als Prestige-Sprache, über deren Status als Amtssprache alle 15 Jahre neu entschieden wird.
Indien ist seit April 2023 mit einer Einwohnerzahl von über 1,4 Milliarden Menschen als der bevölkerungsreichste Staat der Erde. Allerdings sinkt aufgrund der fortschreitenden Modernisierung auch dort allmählich die Geburtenrate. Die ethnologische wie soziologische Zusammensetzung der indischen Bevölkerung wird von einem religiös bedingten, hierarchischen Kastensystem bestimmt. Diese Sozialstrukturen machen sich vor allem im Status, bei Heirat und bei der Arbeitsteilung bemerkbar.
Indien: Geografie und Städte
Indien grenzt an die sechs Staaten Pakistan, China, Nepal, Bhutan, Myanmar und Bangladesch. Der Himalaya bildet die natürliche Nordgrenze des Landes. Im Süden wird das Land vom Indischen Ozean umschlossen. Die Hauptstadt Neu-Delhi ist Teil der Metropole Delhi und liegt im Norden des Landes. Hier trennt der Ganges mit der Ganges-Ebene den Himalaya vom keilförmigen Hochland von Dekkan, das sich im Süden der indischen Halbinsel erhebt. Der Ganges ist mit einer Länge von 2.510 Kilometern der längste Fluss Indiens.
Aufgrund der unterschiedlichen Landschafts- und Klimazonen ergibt sich eine enorme Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. Der indische Subkontinent beherbergt um die 350 Säugetierarten. Hinzu kommen 400 Reptilien-, 1.300 Vogel- und 2.000 Fischarten. Elefant und Tiger gelten als Nationaltiere. Die indischen Kühe werden als heilige Lebewesen verehrt. Viele Inder sind Vegetarier oder verzichten zumindest auf Rindfleisch.
Die größten Städte Indiens im Überblick
- 1 Mumbai: 18.414.288 Einwohner, Region Maharashtra
- 2 Delhi: 16.314.838 Einwohner, Region Delhi (Territorium)
- 3 Kalkutta: 14.112.536 Einwohner, Region Westbengalen
- 4 Chennai: 8.696.010 Einwohner, Region Tamil Nadu
- 5 Bengaluru: 8.499.399 Einwohner, Region Karnataka
- 6 Hyderabad: 7.749.334 Einwohner, Region Telangana
- 7 Ahmendabad: 6.352.254 Einwohner, Region Gujarat
- 8 Pune: 5.049.968 Einwohner, Region Maharashtra
- 9 Surat: 4.585.367 Einwohner, Region Gujarat
- 10 Jaipur: 3.073.350 Einwohner, Region Rajasthan
Indien: Wissenswertes zum Land
Obwohl Indien aufgrund seiner großen Bevölkerung kaufkraftbereinigt bzw. nominal als dritt- bzw. sechstgrößte Wirtschaftsmacht der Welt eingruppiert wird, gilt es immer noch als Schwellenland. Grund ist das verhältnismäßig niedrige Pro-Kopf-Einkommen und die teilweise hohe Armut und Arbeitslosigkeit. In den letzten Jahren hat sich Indien allerdings zu einem wichtigen Zentrum für Informationstechnologie entwickelt. Auch der Dienstleistungssektor wurde stark ausgebaut.