Narenda Modi wurde im Mai 2014 zu Indiens neuem Premierminister gewählt. Obwohl er wirtschaftlich liberale Ansätze vertritt, sehen viele Beobachter durch seinen stark hindunationalistischen Führungsstil die indische Demokratie gefährdet.
- Narendra Modis politische Karriere begann bei der BJP (Bharatiya Janata Party).
- Seine muslimfeindliche Politik steht stark in der Kritik.
- Er ist bekannt für seinen asketischen Lebensstil.
Neu-Delhi – Schon früh war der indische Politiker Narendra Modi in hindu-nationalistischen Organisationen aktiv. In der Bharatiya Janata Party kletterte er ab 1988 auf der politischen Karriereleiter nach oben. Als Regierungschef des Bundesstaates Gujarat verbuchte Modi ab Anfang der 2000-er Jahre wirtschaftliche und administrative Erfolge. 2014 wurde er schließlich zum Premierminister Indiens gewählt und vereidigt. Allerdings haben internationale Organisationen immer wieder Menschenrechtsverletzungen und eine latente Muslimfeindlichkeit in Modis Führungsstil wahrgenommen. Kritiker werfen ihm daher vor, einen Hindu-Staat errichten zu wollen und die Demokratie Indiens schrittweise zu untergraben.
Narendra Modi: Seine politische Karriere auf einen Blick
- 1971: Modi tritt der Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) bei
- 1988: Wechsel zur Bharatiya Janata Party (BJP)
- 1988: Ernennung zum Generalsekretär im Bundesstaat Gujarat
- 2002: Modi wird zum Chief Minister der BJP in Gujarat gewählt
- 2007 und 2012: Modi gewinnt die Wahlen als BJP-Regierungschef
- 2014: Modi wird Premierminister von Indien
- 2019: Modis zweite Amtszeit als Premierminister beginnt
Narendra Modi: Vom Teestand-Besitzer zum Politiker
Am 17. September 1950 erblickte Narendra Modi in Vadnagar im Distrikt Mahesana das Licht der Welt. Er war das dritte von sechs Kindern. Er entstammt keiner gehobenen Kasten, sondern gehört der „OBC-Kaste“ (Other Backward Classes) an, die eher sozial benachteiligte Menschengruppen Indiens umfasst. Da sein Vater Lebensmittelhändler und Teestandbesitzer war, betrieb Modi bereits als Jugendlicher gemeinsam mit seinen Bruder einen eigenen Teestand in Ahmedabad. Schon im zarten Alter von 13 Jahren wurde Modi verlobt. Allerdings beschloss er nach eigenen Angaben noch als Jugendlicher, seine Familie zu verlassen und Indien zu bereisen.
Sein Weg führte ihn unter anderem in die Ramakrishna-Mission, wo sein Versuch scheiterte, als Mönch aufgenommen zu werden. Bald schon verschlug es ihn in die Politik. 1971 wurde er aktives Mitglied der hindu-nationalistischen Organisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS). Sein politisches Interesse baute er in seinem Studium der Politikwissenschaften an der Universität von Delhi weiter aus. Nach seinem Bachelor-Abschluss 1979 erwarb er vier Jahre später noch einen Master an der Universität von Gujarat.
1985 trat er in die Bharatiya Janata Party (BJP) ein, die einen ähnlich hindu-nationalistischen Kurs verfolgt wie die RSS. Drei Jahre später hatte es Narendra Modi bereist zum Generalsekretär der BJP im heimatlichen Bundesstaat Gujarat gebracht. Unter seinem Mitwirken erlebte die BJP in den 1990-er Jahren einen enormen politischen Aufschwung.
Narendra Modi: Sein Aufstieg Weg zu Indiens Regierungschef
Anfang der 2000-er Jahren nahm Narendra Modis politische Karriere weiter an Fahrt auf. Nach einer Reihe von Naturkatastrophen kündigte der Regierungschef vom Bundesstaat Gujarat 2001 seinen Rücktritt an. Modi wurde sein Nachfolger und erwies sich als offen hindu-nationalistischer Politiker. Doch zugleich gelang es ihm, den lokalen Verwaltungsapparat zu modernisieren und Gujarat zu einem neuem wirtschaftlichen Aufschwung zu verhelfen.
Modi galt aufgrund seiner Erfolge bald schon als vielversprechender Spitzenkandidat der BJP für das nationale Parlament. 2007 und 2012 konnte er seine Position als Regierungschef im Bundesstaat Gujarat zum wiederholten Male sichern. Im Mai 2014 gewann er als BJP-Spitzenkandidat die Parlamentswahl mit absoluter Mehrheit und wurde bald darauf als Premierminister vereidigt.
Narendra Modi: Der Regierungschef in der Kritik
Zu diesem Zeitpunkt war Narendra Modi international bereits für seinen stark hindunationalistischen Führungsstil bekannt. Vor allem die Muslimfeindlichkeit des Politikers erhitzt immer wieder die Gemüter. Besonders für sein Verhalten bei den Ausschreitungen von Gujarat 2002 stand Modi jahrelang in der Kritik. Bei einem Zugbrand waren im Februar 2002 viele hinduistische Pilger ums Leben gekommen. Obwohl die Ursache unklar war, vermuteten hindu-nationalistische Vertreter des Landes einen Terroranschlag von muslimischer Seite.
Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen mit zahlreichen Todesopfern (nach inoffiziellen Angaben über 2.000 Muslime). Darüber hinaus sollen 150.000 Muslime vertrieben und über 270 Moscheen zerstört worden sein. Der Regierung Modi wurde vorgeworfen, das gewaltsame Vorgehen geduldet und sogar unterstützt zu haben. Offenbar gingen hindu-nationalistische Extremisten gezielt gegen die muslimische Bevölkerung vor – und wurden nicht daran gehindert. Viele internationale Beobachter warfen Modi zudem Menschenrechtsverletzungen wegen Religionsfeindlichkeit vor. Die USA verweigerten Modi daher 2005 ein Einreisevisum.
Narendra Modi: Die Politik von Indiens Regierungschef
Obwohl Narendra Modi politisch eher konservativ ist, zeichnet sich in seiner Wirtschaftspolitik durchaus eine liberale Linie ab. Unter anderem sorgten seine Steuerreformen für ein Erstarken der heimischen Wirtschaft. Damit konnte der Politiker eine wachsende Zahl ausländischer Investoren für Indien gewinnen. Außerdem stehen weiterhin Modernisierung und Digitalisierung ganz oben auf seiner Agenda. Hintergrund ist unter anderem den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit in Konkurrenz zu China.
Modis politischer Kurs löste aber auch immer wieder Proteste in Indien aus. Unter anderem veranlasste er 2018 in einer Hauruck-Aktion die Entwertung aller 500- und 1000-Rupienscheine, was Turbulenzen im Finanzsektor nach sich zog. Auch für seine Liberalisierungstendenzen in der Agrarwirtschaft erntete der Politiker heftige Proteste von den indischen Bauern. Ebenso wurden unter seiner Regierung auch die staatliche Gesundheitsvorsorge sowie die Renten gekürzt. Auch Gelder für das Umweltministerium wurden gestrichen.
Narendra Modis Außenpolitik konzentrierte sich in den letzten Jahren verstärkt darauf, die Beziehungen zu Ländern des Nahen Osten zu stärken. Aufgrund neuer Grenzverträge mit den indisch-bangladeschischen Enklaven blieb das Verhältnis zu Pakistan weiter angespannt. Im Kampf gegen Indiens größten Rivalen China hat sich Modi verstärkt auch wichtige Kontakte in die USA gesichert. Dennoch will der indische Premierminister die Rolle Indiens als Großmacht nicht zu sehr von anderen Staaten abhängig machen. Gerade in seiner Konkurrenz gegenüber dem wirtschaftlich deutlich stärkeren China verfolgt die Regierung Modis einen Weg zu mehr Selbstbestimmtheit.
Narendra Modi: Indiens Regierungschef als Demokratie-Gefährder
Aufgrund seines zunehmend autoritären Führungsstils wird Narendra Modi immer wieder vorgeworfen, die Demokratie Indiens zu gefährden. Der Politiker sieht sich den Vorwürfen ausgesetzt, unschuldige Menschen als Terroristen zu inhaftieren – vorzugsweise Muslime und Anhänger religiöser Minderheiten. Modi soll inzwischen aber auch streng gegen kritische Journalisten und Regierungsgegner vorgehen. Unter anderem soll er mit einer regelrechten Troll-Armee im Internet Fake News verbreiten und Hass gegen die Kritiker seines Führungsstils schüren lassen.
Modi soll laut Kritikern und Beobachtern von Nichtregierungsorganisationen sukzessive Indiens Umformung zum autoritären Hindu-Staat verfolgen, der bestimmte Menschengruppen ausschließt. Unter seiner Regentschaft hat in den letzten Jahren auch die hindu-nationalistische Gewalt stark zugenommen. Aufgrund der illiberalen Tendenzen hat die US-Organisation Freedom House Indiens Demokratie inzwischen auf nur noch „teilweise frei“ herabgestuft.
Narendra Modi: Indiens Regierungschef privat
Auch was seine Lebensweise betrifft, fährt Narendra Modi einen harten Kurs. Sein streng asketischer Lebensstil ist geprägt vom Vegetarismus sowie dem Verzicht auf Tabak und Alkohol. Mit der Wahl zum Premierminister rückte 2014 auch das Privatleben des Politikers in den Vordergrund. Im Wahlkampf wurde bekannt, dass Modi verheiratet ist. Allerdings wurde die Ehe laut Aussagen seines Bruders nie vollzogen. Grund soll die zölibatäre Lebensweise sein, wie sie die Organisationsmitglieder der RSS pflegen. So sollen Narendra Modi und seine Ehefrau Jashodaben – die sich in der Öffentlichkeit als traditionalistische Hindu-Gattin gibt – schon seit Jahrzehnten getrennt leben.