Gastkommentar

Überdenkt das Milliarden-Paket! Merz‘ Schuldenzauber wohnt ein großes Risiko inne

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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht bei der Bankwirtschaftlichen Tagung des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken.
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Das Sondervermögen der Merz-Regierung sorgt auch in den eigenen Reihen für Aufsehen. Drei junge CSU-Abgeordnete warnen vor den Folgen und fordern ein Umsteuern. Ein Gastkommentar.

München – Junge Abgeordnete der CSU warnen in deutlichen Worten: Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, also ein riesiges Schuldenpaket, ist mit zu laxen Bedingungen versehen. Sie fordern eine Umplanung. Wir veröffentlichen einen gemeinsamen Gastkommentar dreier Abgeordneter, die ungewöhnlich klar ein Umsteuern von Kanzler Friedrich Merz und seiner Regierung aus CDU, CSU und SPD fordern.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Gastkommentar zum Sondervermögen der Merz-Regierung – Was für ein Paukenschlag

Was war das für ein Paukenschlag! Unter dem Eindruck eines US-Präsidenten, der drohte, aus der Nato auszutreten, und der kritischen Wirtschafts- und Haushaltslage stimmte man neben einer Ausnahme von der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben einem weiteren Sonderschuldentopf für Infrastrukturinvestitionen zu. Nachdem mehr Schulden für Verteidigung aufgrund der zugespitzten sicherheitspolitischen Lage und den verunsichernden Signalen aus den USA unabdingbar wurden, wurde der Infrastrukturtopf wahlweise mit einem schmerzhaften Zugeständnis an die SPD, schlechteren Haushaltszahlen als gedacht oder einem dringend benötigten Anschub für die Wirtschaft erklärt.

All das stimmte auch. Und auch ordnungspolitisch ist es noch begründbar, wenn man implizite Schulden (nicht erfasste verfallene Infrastruktur) gegen explizite Schulden (einen Sonderschuldentopf) tauscht. Tatsächlich lebt der Standort Deutschland vielerorts inzwischen von der Substanz. Zielgerichtete Investitionen in eine moderne Infrastruktur sind daher auch eine Chance, um langfristig wieder auf ein höheres Wirtschaftswachstum zu kommen und Wohlstand für künftige Generationen zu wahren.

CSU-Abgeordnete fordern Nachbesserungen: Merz‘ Schuldenzauber wohnt ein großes Risiko inne

Diesem Schuldenzauber wohnt aber ein großes Risiko inne. Knüpfen wir die Schuldenjacke jetzt falsch ein, laden wir diesem Land und künftigen Generationen eine schwere Hypothek auf. Wir brauchen eine Politik, die die Zukunft nicht verspielt, sondern ermöglicht. Das macht jedoch Nachbesserungen notwendig:

1. Wirkliche Infrastrukturinvestitionen

Investitionen in Infrastruktur können aus Schulden bezahlt werden. Denn die Infrastruktur steht im besten Fall so lange zur Verfügung, wie die Kredite brauchen, um abbezahlt zu werden. Das macht jeder Unternehmer so. Im besten Fall ist langfristig die Rendite aus den öffentlichen Investitionen sogar größer als die Last aus Zins und Tilgung, wenn damit zusätzlich private Investitionen und Wirtschaftswachstum strukturell steigen. Das gelingt nur, wenn die öffentlichen Investitionen zielgerichtet und zusätzlich sind. Der erste Gesetzesentwurf aus dem Bundesfinanzministerium öffnet aber Tür und Tor. Weder wird der Begriff der Investition begrenzt noch der der Infrastruktur. Dabei muss man wissen: Investitionen sind im Haushaltsrecht auch Zuschüsse des Bundes; etwa in Sozialversicherungssysteme. Löcher im Sozialsystem stopfen? Plötzlich denkbar!

Und Infrastruktur? Die Aufzählung der Investitionsgebiete wird im aktuellen Entwurf vom juristischen Zauberwort „insbesondere“ begleitet. Damit wären auch alle anderen Themen plötzlich denkbar. Für Betriebswirte zwar hanebüchen, aber im politischen Berlin sind damit plötzlich auch „Investitionen in den sozialen Zusammenhalt“ darstellbar. Klar ist daher, dass das Gesetz bei der Definition der Investitionen stärker eingegrenzt werden muss, damit es nicht zu einem Verschiebebahnhof kommt.

Florian Dorn (39) ist Abgeordneter im Wahlkreis Unterallgäu.

Es braucht einen Ausgabeplan für das Sondervermögen

2. Nicht alles auf einmal!

Während im Rahmen der politischen Verhandlungen noch davon gesprochen wurde, dass in vornehmer Zurückhaltung nur 150 Milliarden Euro in den ersten vier Jahren ausgegeben werden sollten, ist davon im Gesetzesentwurf nichts mehr zu erkennen. Dabei ist die volkswirtschaftliche Gefahr real: Ohne einen Ausgabeplan, der in den ersten Jahren anwächst, damit sich Kapazitäten der Wirtschaft anpassen, werden nur private Investitionen verdrängt. Mit den Schulden investiert man dann nur in ein Strohfeuer mit steigenden Preisen, aber nicht in eine stärkere Volkswirtschaft und ein größeres Potentialwachstum.

3. Reformieren und investieren

Klar ist: Nur wenn wir zusätzlich durch echte Strukturreformen, Haushaltskonsolidierung und spürbare Entlastungen den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärken, werden die Schulden tragfähig bleiben. Entbürokratisierung und schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sind daher dringend notwendig, um die Mittel nicht nur in Verwaltung und Verfahren, sondern tatsächlich in Beton und Stahl sowie den digitalen Wandel fließen zu lassen. Bisher sind wir vor allem schnell beim Geld ausgeben. Diese zusätzlichen Milliarden dürfen aber auf keinen Fall versickern.

Konrad Körner (33) ist Abgeordneter aus dem Wahlkreis Erlangen.

Man kann auch innovative Anreize zum Bürokratieabbau setzen: Das Geld aus dem Sondervermögen könnte etwa nur dann fließen, wenn der Bürokratiekostenindex des Bundes stabil ist oder sinkt. Steigt er, ist das Geld gesperrt, bis man auf den vorherigen Stand zurückgekehrt ist. Wir sind uns sicher: Plötzlich würden die Ideen zum Bürokratieabbau schlagartig mehr werden. Helmut Kohl soll einmal gesagt haben: „Ab einer Staatsquote von 50 Prozent beginnt der Sozialismus.” Diese Warnung beherzigend könnte der Sondertopf nur angetastet werden dürfen, wenn die Staatsquote in Deutschland kleiner als 0,5 ist.

Sondervermögen der Merz-Regierung: Investition in die Zukunft statt Belastung für kommende Generationen

4. Wissen, was gekauft wird

Wenn die Bundesländer pauschale Überweisungen an die Länderhaushalte ohne aufwändige Antragsverfahren wünschen, ist das verständlich. In Bayern wissen wir das Geld auch gut aufgehoben. Es besteht aber ein berechtigter Zweifel, dass andernorts mit dem Geld Haushaltslöcher gestopft werden, das Geld aber nicht in zusätzliche Investitionen und Modernisierung fließt. Für einen realistischen Tilgungsplan müssten Investitionen des Bundes und der Länder zumindest erfasst werden. Das setzt voraus, dass im Nachgang mitgeteilt wird, wofür das Geld ausgegeben wurde. Ein Staat, der immer nur Gelder verausgabt, ohne in der Lage zu sein, Investitionen abzuschreiben, führt eine schlechtere Buchhaltung als jede Dönerbude.

Das Errichtungsgesetz zum Sondervermögen ist ein Vorhaben von fundamentaler Tragweite, dessen Auswirkungen die Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte hinweg prägen werden. Es entscheidet, ob wir die Weggabelung zu steigenden Preisen und sinkenden Ratings - garniert mit dem Verlust politischer Glaubwürdigkeit gehen oder den Weg aus der Wirtschaftskrise mit funktionierender moderner Infrastruktur und gestärkter Volkswirtschaft nehmen.

Christian Moser (35) ist Abgeordneter aus dem Wahlkreis Freising.

Gerade aus diesem Grund muss das Errichtungsgesetz Sondervermögen in der jetzigen Form nachgebessert werden. Nur wenn wir den Mut haben, uns und der Regierung Schranken zu setzen, kann das Sondervermögen wirklich zu einer Investition in die Zukunft werden – und nicht ausschließlich zu einer Belastung für kommende Generationen. Am Ende geht es dabei auch um einen “Kredit auf die Glaubwürdigkeit” der Union. (Florian Dorn. Christian Moser, Konrad Körner)

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