VonStephanie Munkschließen
Im Iran demonstrieren vor allem Frauen gegen die repressive Politik des Regimes. Eine Recherche zeigt nun, dass ihnen in Haft offenbar oft Grausames widerfährt.
München — Der Tod der jungen Mahsa Amini erschütterte den gesamten Iran. Frauen, die unter der strengen Politik des Regimes in Teheran leiden, aber auch Männer, gehen seitdem auf die Straßen, um Widerstand gegen die Unterdrückung zu leisten. Und für manche scheint dies drastische Folgen zu haben: Der US-Sender CNN deckte in einer aufwändigen Recherche auf, dass Frauen in iranischen Gefängnissen wohl systematisch von Beamten vergewaltigt werden. Mehrere solcher Fälle konnte CNN verifizieren.
Da journalistische Recherchen im Iran selbst beinahe unmöglich sind, machten sich die Journalisten im irakisch-iranischen Grenzgebiet auf Spurensuche. Augenzeugen berichteten dort von schrecklichen Vorfällen gegen Demonstranten in den berüchtigten iranischen Haftanstalten. Insgesamt erfuhr CNN von elf Fällen sexueller Gewalt gegen Demonstranten in iranischen Gefängnissen, teils waren mehrere Opfer betroffen.
Vergewaltigungen in iranischen Gefängnissen? Opfer werden wohl in Verhörräume gebracht
Eine Augenzeugin wird Hana genannt. Sie berichtet, wie perfide die Beamten bei ihren Vergewaltigungen offenbar vorgingen. Sie sei 24 Stunden in einem Gefängnis festgehalten worden, weil sie sich den landesweiten Protesten angeschossen hatte, schilderte die junge Frau. Dort habe es eine Haupthalle gegeben, von der mehrere kleine Verhörräume abgingen. Die Beamten suchten sich nach ihrer Schilderung ein Mädchen aus, das ihnen gefiel, führten sie in einen der Räume und vergewaltigten sie.
Teilweise seien die Opfer nicht älter als 13 oder 14 Jahre gewesen. Hana selbst gelang später die Flucht aus dem Iran. Einer Vergewaltigung sei sie nur knapp entgangen: Ihr Peiniger sei durch einen Aufstand im Gefängnis gestört worden, während er sich gerade an ihr vergehen wollte.
Kahlrasiert und mit schweren Verletzungen: 20-jährige Demonstrantin jetzt nicht mehr erreichbar
Nicht so viel Glück hatte offenbar die junge Iranerin Armita Abbasi. Von der 20-jährigen Demonstrantin fehlt jede Spur, seitdem sie kahl rasiert, heftig zitternd und mit Verletzungen, die auf schwere Vergewaltigungen hinwiesen, ins Krankenhaus kam. Zuvor war sie in einem Gefängnis gewesen.
CNN recherchierte in ihrem Fall in sozialen Netzwerken und bekam Nachrichten von mehreren Ärzten des Krankenhauses, in dem die 20-Jährige war. Die Informanten bestätigten, dass alles auf drastische Vergewaltigungen im Gefängnis hinwies. Ein Informant wird mit den Worten zitiert: „Es ist nicht meine Absicht, Angst und Schrecken zu streuen. Aber es ist die Wahrheit. Ein Verbrechen geschieht und ich kann nicht schweigen.“
Die iranische Regierung behauptet dagegen, Abbasi sei wegen Verdauungsproblemen ins Krankenhaus gekommen. Die Art der Verletzung stimmten jedoch nicht damit überein. Kurz bevor ihre Familie eintraf, sei die junge Demonstrantin durch einen Hintereingang aus dem Krankenhaus gebracht worden. Seitdem fehle von ihr jede Spur. Nach Angaben der iranischen Regierung wird sie im berüchtigten Fardis-Gefängnis festgehalten. CNN konnte sie oder ihre Familienmitglieder aber nicht für eine Stellungnahme erreichen.
Iranische Polizei geht offenbar nach bestimmten Muster vor - Auch Männer unter Opfern?
Dieses Vorgehen habe System, heißt es in dem Bericht: Die Demonstranten würden zuerst in Polizeizentren verhört und dann von einem Ort zum anderen gebracht, sodass es für ihre Familien nicht mehr nachvollziehbar sei, wo sie sich aufhielten.
Offenbar sind nicht nur Frauen und Mädchen von sexueller Gewalt in iranischen Haftanstalten betroffen. CNN berichtet, man habe auch die Aussage eines 17-jährigen Jungen. Er gibt an, nach der Teilnahme an einer Demonstration in Haft vergewaltigt und mit Stromschlägen malträtiert worden zu sein. Zeugenaussagen würden darauf hindeuten, dass das kein Einzelfall sei.
Die EU hat ihren Kurs gegen den Iran mittlerweile verschärft, Grund sind schwere Menschenrechtsverletzungen und brutale Unterdrückung von Protesten. Bei der Fußballweltmeisterschaft sorgte das iranische Team für Aufsehen, da es geschlossen bei der iranischen Nationalhymne nicht mitsang. Die Reaktion des Regimes folgte prompt. (smu)
