Bedrohung im Nahen Osten

Iran setzt auf Raketen-Arsenal: Das Militär hat dafür Schwächen

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Die militärische Bedrohung Irans sorgt in Israel und anderen Staaten für Sorge. Iran verfügt über eine große Anzahl an Raketen, doch wie steht es um den Rest des Militärs?

Teheran – Den Angriff des Iran mit rund 300 Raketen konnte die israelische Luftabwehr weitestgehend erfolgreich abwehren. Israels Luftabwehr ist vielschichtig. Für den „Iron Dome“ ist das Land bekannt. Unterstützung bei der Verteidigung gegen den iranischen Luftangriff bekam Israel außerdem von den USA, Großbritannien, Frankreich und Jordanien. Während über einen möglichen drohenden Gegenschlag Israels diskutiert wird, soll allerdings auch das iranische Waffenarsenal lange nicht ausgeschöpft sein.

Seit Jahrzehnten hat Teheran massiv aufgerüstet. Iran soll Berichten zufolge über eines der größten Raketen- und Drohnen-Arsenale im Nahen Osten verfügen. Neben einer Reihe von Mittelstrecken-Raketen will der Iran nach eigenen Angaben sogar Hyperschall-Waffen besitzen. Irans Militär hat jedoch auch Schwachstellen.

Iranische Raketen am 4. Februar 2024 in Teheran, Iran

Nach Schätzungen der USA soll Teheran über mehr als 3000 ballistische Raketen verfügen. Über den Einsatz der Raketen gegen Israel sagte der Militärexperte Fabian Hinz vom International Institute for Strategic Studies (IISS) dem Spiegel: „Israels Raketenabwehr ist aber so vielseitig aufgestellt, dass es schwierig werden dürfte, sie wirklich zu penetrieren.“ Das zeigte sich auch bei dem Angriff in der Nacht von Samstag auf Sonntag (13./14. April).

Iranisches Raketenarsenal: Bis zu 2000 Kilometer Reichweite

Laut Informationen des Portals The Iran Primer verfügt Teheran über eine Reihe von verschiedenen Raketen-Typen, schreibt ntv. Teils sollen die Raketen demzufolge auf nordkoreanischer Technologie basieren, teils seien sie eigens vom Iran entwickelt worden. Beispiele für die nordkoreanische Technologie seien die Shabab-Reihe, deren Raketen je nach Ausführung eine Strecke von 300 bis 2000 Kilometer zurücklegen können. Die Strecke vom Westen Irans bis Israel beträgt etwa 1000 Kilometer. Diese Strecke kann auch die Paveh-Rakete zurücklegen, über die Iran verfügen soll. Diese Raketen seien jedoch bereits mehrfach vom Iron Dome Israels abgefangen worden.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Für den Angriff am Sonntag sollen laut Spiegel-Bericht unter Berufung auf iranische Staatsmedien größtenteils andere Raketen-Typen zum Einsatz gekommen sein. Nur die Paveh-Rakete kommt demnach im Bericht der iranischen Staatsmedien vor. Außerdem sollen Mittelstreckenraketen vom Typ Emad und Cheibarschekan auf Israel geschossen worden sein. Emad verfüge über eine Reichweite von mindestens 1700 Kilometer und die Cheibarschekan-Raketen sollen in einer modernen Version 1800 Kilometer fliegen können.

Nach Russland soll Iran als zweites Land über Hyperschallraketen verfügen

Nach eigenen Angaben will der Iran eine Hyperschallrakete entwickelt haben. Bislang soll nur Russland eine solche Waffe besitzen. In den USA wird an der Rakete gearbeitet und für China ist der Besitz einer Hyperschallwaffe nicht bestätigt. Hyperschallraketen können mindestens die fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen und sollen für Luftabwehrsysteme schwierig abzuschießen sein.

Im Juni hat der Iran seine Hyperschallwaffe vom Typ Fattah vorgestellt. „Fattah“, was übersetzt „Eroberer“ heißt, soll laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna eine Geschwindigkeit von bis zu 18.500 Kilometer pro Stunde erreichen und 1400 Kilometer weit fliegen können, berichtete Tagesschau.

Israels überlegene Luftwaffe: Waffen des Iran zum Teil veraltet

Für Irans Raketenarsenal, scheint Teheran allerdings Abstriche in anderen Bereichen gemacht zu haben. Einer davon ist die iranische Luftwaffe, die im Vergleich zur israelischen oder saudi-arabischen Luftwaffe nicht bestehen könnte, berichtete ntv. Auf der Liste des Gobal Fire Power Index, der anhand von über 60 Faktoren die militärische Stärke von Staaten bestimmt, liegt der Iran mit Blick auf die Luftwaffe auf Platz 22 und damit drei Plätze hinter Israel.

Noch vor zehn Jahren stand Israel in den Top-10 der militärisch stärksten Staaten auf der Liste des Global Fire Power Index. Staaten wie der Iran haben Israel dort überholt. Israel belegt im aktuellen Bericht Platz 17, während Iran auf Platz 14 liegt. Iran verfügt demzufolge außerdem über eine größere Anzahl an Soldaten und Reservisten, als Israel, die Gerätschaft des Militärs soll allerdings veraltet sein.

Grund dafür ist der Partner, den der Iran für die Aufrüstung seines Militärs gewählt hat, berichtet das Handelsblatt. Das iranische Militär habe sich demzufolge über Jahre hinweg vor allem mit Panzern aus sowjetischen Beständen ausgerüstet. Ähnlich sehe es auch bei der iranischen Luftwaffe aus, die unter anderem F-14 Abfangjäger nutzt, die in den 1970er-Jahren in den USA entwickelt worden waren. Lieferungen modernerer Waffen des Handelspartners Russland sollen aufgrund des Ukraine-Kriegs eher klein ausfallen. (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Hossein Beris

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