VonKathrin Reikowskischließen
Proteste gegen die Regierung im Iran: Obwohl das Internet abgeschaltet ist, unterstützt ein Hackernetzwerk die Regierungsgegner.
Teheran - Bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Iran sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten bislang mindestens 50 Menschen getötet worden. Am Donnerstagabend seien sechs Personen in Reswanschahr in der nordiranischen Provinz Gilan von Sicherheitskräften erschossen worden, teilte die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo am Freitag mit.
Doch am Freitag gingen auch tausende Demonstranten für das Tragen von Kopftüchern auf die Straße, die mutmaßlich von der Regierung mobilisiert wurden. Irans Streitkräfte und der Geheimdienst warnten vor Teilnahme an den Protesten, die sich gegen das Ajatollah-Regime wenden. Die Protestwelle war durch den Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam ausgelöst worden.
Hackernetzwerk Anonymous unterstützt Proteste im Iran - und hackt Regierungswebseiten
If #Iran government blocks the people from accessing the internet, #Anonymous will block the government from accessing the internet. #opIran #IranProtests #MahsaAmini #Mahsa_Amini #MahsaAminii #مهسا_امینیhttps://t.co/zCltxJEzLq
— Anonymous (@YourAnonCentral) September 22, 2022
Als Reaktion auf die Proteste hat die Regierung den Zugang zum Internet massiv eingeschränkt, und insbesondere mobile Netzwerke weitgehend abgeschaltet.
„Wenn die Regierung Irans das Internet für die Aktivisten blockiert, wird Anonymous das Internet für die iranische Regierung blockieren“, schrieb das weltweit aktive Hackernetzwerk Anonymos daraufhin auf Twitter. Unter dem Hashtag #OpIran, was für „Operation Iran“ steht, teilt das Hackernetzwerk daraufhin Informationen in sozialen Netzwerken, wo auf Teherans öffentlichen Plätzen WiFi für die Protestierenden zugängig gemacht wurde. Zudem sei die offizielle Website der Regierung sowie des Arbeitsministeriums gehackt worden. Nach eigenen Angaben unterstützten die Hacker schon bei Protesten im Jahr 2012 aktiv.
#BREAKING The hacktivist group Anonymous has hacked the official website of the Iranian Ministry of Cooperation, Labor and Social Welfare (https://t.co/lgQFJcAcww) breaching 75Mb of data, as part of its ongoing operation #OpIran in support for #IranProtests. pic.twitter.com/nLOYhl5Y7a
— Iran International English (@IranIntl_En) September 23, 2022
Der Hashtag #OpIran ging zum Ende der Woche viral, User bekundeten weltweit Sympathien mit den Demonstranten.
Islamische Hardliner im Parlament versuchen, Kleidung im Iran strenger überwachen zu lassen
Irans hatte in der vergangenen Woche an der UN-Vollversammlung in New York teilgenommen - und war von internationalen Politikern mit Handschütteln begrüßt worden. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz stellte sich auf Twitter auf Seite der Demonstrierenden:
„Es ist schrecklich, dass Mahsa Amini im Polizeigewahrsam in Teheran gestorben ist. Egal wo auf der Welt: Frauen müssen selbstbestimmt leben können - ohne um ihr Leben fürchten zu müssen.“
Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften. Insbesondere in den Metropolen sehen viele Frauen die Regeln inzwischen aber eher locker und tragen beispielsweise ihr Kopftuch nur auf dem Hinterkopf - zum Ärger erzkonservativer Politiker. Religiöse Hardliner im Parlament versuchen seit Monaten, die islamischen Gesetze strenger anwenden zu lassen. (dpa/kat)
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