Scholz reagiert auf Twitter

Iran: Aktivisten sprechen von 50 Toten – so helfen Hacker den Regierungsgegnern

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Proteste gegen die Regierung im Iran: Obwohl das Internet abgeschaltet ist, unterstützt ein Hackernetzwerk die Regierungsgegner.

Teheran - Bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Iran sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten bislang mindestens 50 Menschen getötet worden. Am Donnerstagabend seien sechs Personen in Reswanschahr in der nordiranischen Provinz Gilan von Sicherheitskräften erschossen worden, teilte die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo am Freitag mit.

Demonstranten skandieren während in der Innenstadt von Teheran Parolen gegen den Tod der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini. Sie war von der Sittenpolizei wegen ihres „unislamischen Outfits“ festgenommen worden und anschließend gestorben. Was geschah, ist unklar.

Doch am Freitag gingen auch tausende Demonstranten für das Tragen von Kopftüchern auf die Straße, die mutmaßlich von der Regierung mobilisiert wurden. Irans Streitkräfte und der Geheimdienst warnten vor Teilnahme an den Protesten, die sich gegen das Ajatollah-Regime wenden. Die Protestwelle war durch den Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam ausgelöst worden.

Hackernetzwerk Anonymous unterstützt Proteste im Iran - und hackt Regierungswebseiten

Als Reaktion auf die Proteste hat die Regierung den Zugang zum Internet massiv eingeschränkt, und insbesondere mobile Netzwerke weitgehend abgeschaltet.

„Wenn die Regierung Irans das Internet für die Aktivisten blockiert, wird Anonymous das Internet für die iranische Regierung blockieren“, schrieb das weltweit aktive Hackernetzwerk Anonymos daraufhin auf Twitter. Unter dem Hashtag #OpIran, was für „Operation Iran“ steht, teilt das Hackernetzwerk daraufhin Informationen in sozialen Netzwerken, wo auf Teherans öffentlichen Plätzen WiFi für die Protestierenden zugängig gemacht wurde. Zudem sei die offizielle Website der Regierung sowie des Arbeitsministeriums gehackt worden. Nach eigenen Angaben unterstützten die Hacker schon bei Protesten im Jahr 2012 aktiv.

Der Hashtag #OpIran ging zum Ende der Woche viral, User bekundeten weltweit Sympathien mit den Demonstranten.

Islamische Hardliner im Parlament versuchen, Kleidung im Iran strenger überwachen zu lassen

Irans hatte in der vergangenen Woche an der UN-Vollversammlung in New York teilgenommen - und war von internationalen Politikern mit Handschütteln begrüßt worden. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz stellte sich auf Twitter auf Seite der Demonstrierenden:

„Es ist schrecklich, dass Mahsa Amini im Polizeigewahrsam in Teheran gestorben ist. Egal wo auf der Welt: Frauen müssen selbstbestimmt leben können - ohne um ihr Leben fürchten zu müssen.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf Twitter

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften. Insbesondere in den Metropolen sehen viele Frauen die Regeln inzwischen aber eher locker und tragen beispielsweise ihr Kopftuch nur auf dem Hinterkopf - zum Ärger erzkonservativer Politiker. Religiöse Hardliner im Parlament versuchen seit Monaten, die islamischen Gesetze strenger anwenden zu lassen. (dpa/kat)

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