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Stephanie Munk
Sonja Thomaser
Jens Kiffmeier
Nail Akkoyun
Die aktuelle Lage im Iran ist brisant: Es gibt mindestens 192 Tote nach Protesten. Der Präsident kündigt ein Statement an, Trump und Israel schalten sich ein.
Update, 12. Januar, 5:00 Uhr: US-Präsident Donald Trump erwägt nach sich häufenden Berichten über das brutale Vorgehen der Behörden im Iran gegen Demonstranten mögliche militärische Schritte. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagte Trump an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. „Das Militär prüft die Lage, und wir erwägen einige sehr drastische Optionen. Wir werden eine Entscheidung treffen.“ Trump äußerte sich auf die Frage, ob die Führung in Teheran die von ihm zuvor genannte rote Linie – die Tötung von Demonstranten – überschritten habe. „Es sieht so aus, als würden sie damit beginnen“, sagte er nun.
Update, 20:40 Uhr: EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola ermuntert die Demonstranten im Iran, ihre Proteste fortzusetzen. „An die mutigen Mädchen, Studenten, Männer und Frauen auf den Straßen: Das ist eure Zeit“, schrieb sie in sozialen Netzwerken. Mit Blick auf die Internetsperren fügte sie hinzu: „Wisst, dass jedes Regime, das die Kommunikation blockiert, ein Regime ist, das vor seinem eigenen Volk Angst hat.“
Lage im Iran: EU-Parlamentspräsidentin ermuntert Demonstranten im Iran
An die Führung in Teheran appellierte Metsola, einen Kurswechsel einzuleiten. „Das Verlangen nach Freiheit ist uns allen als Menschen eigen. Irans neue Generation fordert Würde und Freiheit. Im Jahr 2026 ist das nicht zu viel verlangt“, schrieb sie. „Das Töten muss aufhören. Die Unschuldigen und Verfolgten müssen freigelassen werden. Die Repression muss enden.“ Von den Regierungen der EU-Staaten forderte sie mehr Druck, ohne allerdings zu sagen, wie dieser ausgeübt werden könnte. „Europa muss seine Pflicht erkennen und handeln“, mahnte sie.
Update, 17:07 Uhr: Die Zahl der Todesopfer bei regierungsfeindlichen Protesten im Iran ist nach Angaben von Menschenrechtlern stark angestiegen. Die US-amerikanische Gruppe Hrana meldete am Sonntagnachmittag 466 Tote, wie Reuters berichtet. Zuvor war von 203 Toten die Rede gewesen. Eine seit Donnerstag von den Behörden verhängte Internetsperre schränkt den Informationsfluss aus dem Iran stark ein.
Polizeichef Ahmad-Resa Radan erklärte, die Sicherheitskräfte hätten ihre Bemühungen zur Bekämpfung der „Randalierer“ verstärkt. Die iranische Führung schlug bereits frühere Unruhen nieder, zuletzt 2022 nach dem Tod einer Frau in Polizeigewahrsam, die wegen Verstoßes gegen die Kleiderordnung angeklagt war.
Israel appelliert an EU: Revolutionsgarden im Iran sind „terroristische Organisation“
Update, 13:20 Uhr: Israel hat die EU aufgerufen, die Revolutionsgarden im Iran als „terroristische Organisation“ einzustufen. Er habe Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der sich gerade in Israel aufhält, gesagt, dass jetzt der Zeitpunkt für eine solche Einstufung gekommen sei, erklärte Außenminister Gideon Saar auf X. „Dies ist seit Langem die Haltung Deutschlands, und heute ist die Bedeutung dieser Angelegenheit für alle offensichtlich“, fügte er hinzu.
Lage im Iran aktuell: Präsident Peseschkian will sich in Interview äußern
Update, 12:40 Uhr: Der iranische Präsident Massud Peseschkian will sich in einem Fernsehinterview zu den „Forderungen des Volkes“ bei den Massenprotesten äußern. In der bereits aufgezeichneten Sendung werde er auf „die jüngsten Ereignisse“ eingehen, berichtete der TV-Sender Irib. Thema sei auch der „Ansatz der Regierung, den Erwartungen der Iraner gerecht zu werden“. Die Behörden gehen hart gegen die Proteste vor. Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) berichtet von bereits mehr als 192 getöteten Menschen.
Lage im Iran aktuell: Iran-Regime nennt Proteste von der USA inszenierten Krieg
Update, 11:25 Uhr: Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf wirft der Protestbewegung im Land vor, die Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die „Feinde“ müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte Qalibaf laut Übersetzung des iranischen Propagandakanals Press TV. Der Parlamentssprecher bezeichnete die Massendemonstrationen als einen von den USA inszenierten terroristischen Krieg gegen das Land. Teilnehmer an „Terrorakten“ würden mit Gewalt verfolgt und Festgenommene bestraft.
Lage im Iran: Regime droht Trump bei Angriff mit Gegenschlag gegen USA und Israel
Update, 9:13 Uhr: Der Iran droht Israel und den USA mit Gegenschlägen bei einem US-Angriff zur Unterstützung der landesweiten Proteste gegen die autoritäre Staatsführung. Jede US-Attacke werde zu Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als „legitime Ziele“ führen, zitierte der arabische Sender Alaraby Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf auf X.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor den Teilnehmern der andauernden Massenproteste gegen die iranische Staatsführung Unterstützung zugesichert. Laut einem Medienbericht ließ er sich außerdem über militärische Optionen der USA im Iran instruieren.
Update, 11. Januar, 7:30 Uhr: Die Zahl der bei iranischen Protesten von Sicherheitskräften getöteten Menschen ist laut Aktivisten auf über 100 gestiegen, berichtet der Deutschlandfunk. 2600 Menschen seien verhaftet worden. Der US-Sender CNN berichtet, dass weiterhin riesige Menschenmengen auf die Straße gehen und das Regime ihnen mit brutaler Gewalt begegnet: Eine Frau habe dem Sender berichtet, sie habe in einem Krankenhaus „übereinandergestapelte Leichen“ gesehen. Iranische Sicherheitskräfte würden mit Militärgewehren gegen die Demonstranten vorgehen, hätten zwei Augenzeugen außerdem berichtet. Die Proteste sollen sich auf über 100 Städte im Iran ausgeweitet haben.
Wegen des vom Regime verhängten Internet-Blackout dringen insgesamt wenig Informationen über die Massenproteste im Iran nach außen. Einige Bilder und Videos kursierten zuletzt jedoch, wie Euronews berichtet. In den Videos sei wiederholt der Slogan zu hören: „Wir haben keine Angst mehr. Wir werden weiter kämpfen.“
Proteste im Iran: Donald Trump schaltet sich ein – „USA sind bereit zu helfen!!!“
Update, 22:24 Uhr: Auch Donald Trump hat sich über die Proteste im Iran erneut zu Wort gemeldet. Auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social schrieb der US-Präsident am Abend: „Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!“
Update, 19.34 Uhr: Knapp zwei Wochen dauern die Proteste im Iran bereits an. Laut der Menschenrechtsorganisation HRANA aus den USA sollen dabei mindestens 65 Menschen getötet worden sein. Hunderte wurden verletzt, zudem sollen über 2300 Personen festgenommen worden sein. In 180 Städten haben sich demnach die Menschen versammelt, um gegen das Regime zu protestieren. Gleichzeitig spielt die iranische Führung die Massenproteste weiter herunter. Bereits gestern propagandierte das Regime im Staatsfernsehen, dass es in den meisten Städten des Landes ruhig geblieben sei.
Auch in Deutschland sind die Menschen am Samstag auf die Straßen gegangen und solidarisieren sich mit der Bevölkerung im Iran. Rund 1.400 Menschen hätten sich an einer Demonstration vom Kurfürstendamm zum Adenauerplatz beteiligt, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Am Wittenbergplatz hätten sich zudem rund 300 Menschen versammelt. Auch in Frankfurt am Main gingen nach Angaben der Polizei rund 1.300 Menschen auf die Straße.
Gewaltspirale im Iran eskaliert: Schah-Sohn ruft zum Generalstreik auf
Update, 16.34 Uhr: Der Sohn des gestürzten Schahs im Iran hat zu einem Generalstreik aufgerufen. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen, erklärte Reza Pahlavi auf der Plattform X. Das soll die „finanziellen Lebensadern der Islamischen Republik und ihren veralteten und brüchigen Unterdrückungsapparat in die Knie zwingen“, schreibt der im US-Exil lebende Pahlavi.
Zudem rief Pahlavi zu weiteren Protesten auf, um „den öffentlichen Raum zurückzuerobern“. Das Ziel der Proteste: „Die Stadtzentren zu erobern und zu halten.“ Er selbst bereite seine Rückkehr in den Iran vor, „um an der Seite eurer großen iranischen Nation zu stehen, wenn unsere nationale Revolution siegt“. Dieser Tag sei bereits „sehr nahe“.
Massive Proteste im Iran: Regime spricht von „bewaffneten Terroristen“
Update, 12:50 Uhr: Die iranische Regierung hat landesweite Massenproteste als isolierte Störungen dargestellt. Ein Sprecher erklärte im Staatsfernsehen laut Iribnews, in den meisten Städten habe Ruhe geherrscht. „Bewaffnete Terroristen“ hätten versucht, die öffentliche Sicherheit zu stören, so die offizielle Darstellung. Dank der Sicherheitskräfte und der Bevölkerung seien bewaffnete Angriffe verhindert worden. In Qazvin hätten Bürger die Aktionen „bewaffneter Terroristen“ verurteilt.
Am zweiten Abend in Folge hatten jedoch massenhaft Menschen in verschiedenen Großstädten des Landes gegen die Regierung protestiert. Demonstrationen fanden unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad statt. Videos in sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Eine unabhängige Verifikation war zunächst nicht möglich.
Iranische Regierung sperrt Internet
Irans Führung blockiert wegen der landesweiten Massenproteste das Internet seit fast zwei Tagen. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks berichtete darüber am Morgen auf Twitter. Der iranische Sicherheitsapparat hat das Internet für die Bevölkerung komplett abgeschaltet. Ausnahmen gelten beispielsweise für Sicherheitskräfte oder ausgewählte Staatsmedien. Menschen umgehen den Blackout Berichten zufolge per Starlink-Satelliteninternet – vorausgesetzt, sie konnten die dafür notwendigen Terminals illegal einführen.
Laut Beobachtern verfolgt die Führung mit der Blockade vor allem zwei Ziele. Zum einen soll es Demonstrierenden erschwert werden, Proteste zu organisieren. Zum anderen soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Unruhen und Repressalien unterdrückt werden.
Iranischer Kronprinz bittet Trump um Hilfe
Update, 10:30 Uhr: Hilferuf nach Eskalation der Gewalt im Iran: Angesichts der zunehmenden Ausschreitungen mit dem Mullah-Regime hat Kronprinz Reza Pahlavi US-Präsident Donald Trump zur Unterstützung der Proteste im Iran aufgerufen. Der im Exil lebende Schah-Sohn schrieb in sozialen Medien: „Sie haben bewiesen, dass Sie ein Mann des Friedens und ein Mann Ihres Wortes sind. Bitte seien Sie bereit, einzugreifen, um dem iranischen Volk zu helfen“, zitierte der Spiegel den Exil-Politiker.
Trump zeigte sich zurückhaltend bei einem möglichen Treffen mit Pahlavi und warnte die iranische Regierung vor weiterer Gewalt gegen Demonstranten. Laut dem US-Magazin Time sollen bereits mehr als 200 Menschen bei den anhaltenden Protesten getötet worden sein.
Update, 8:05 Uhr: Bei den Protesten im Iran droht eine Eskalation: Ein Arzt aus Teheran hat schwere Vorwürfe gegen das iranische Regime erhoben. Allein sechs Krankenhäuser in der Hauptstadt hätten mindestens 217 Tote bei den anhaltenden Protesten verzeichnet, „die meisten durch scharfe Munition“, sagte der Mediziner dem Magazin Time.
Die Demonstrationen in Iran haben sich seit dem 28. Dezember auf alle 31 Provinzen ausgeweitet und fordern inzwischen den Sturz des autoritären islamischen Regimes. Während die Proteste größtenteils friedlich verliefen, antwortete das Regime zunehmend mit Gewalt. Jedoch ist die Situation unübersichtlich. Nach der Abschaltung des Internets dringen kaum Informationen ins Ausland. Der Westen zeigte sich besorgt.
Proteste im Iran: Merz ruft Regime zum Verzicht auf Gewalt auf
Update, 10. Januar, 6:31 Uhr: Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben die iranische Staatsführung angesichts anhaltender Massenproteste eindringlich zum Gewaltverzicht aufgerufen. Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die „Tötung von Demonstranten auf das Schärfste“. Der Iran wies die Kritik scharf zurück und bezeichnete die Sorgen als „heuchlerisch“.
„Jene, die seit Langem einen rechtswidrigen wirtschaftlichen Krieg gegen die iranische Bevölkerung führen, müssen für die daraus resultierenden Folgen zur Rechenschaft gezogen werden“, erklärte die iranische Botschaft in Berlin. Landesweit war es in der Nacht zu Samstag wieder zu landesweiten Protesten gekommen.
Iran-Proteste: Wieder viele Demonstrationen in den Städten
Update, 21:23 Uhr: In den iranischen Millionenmetropolen Teheran und Maschhad kommt es den zweiten Tag in Folge zu Straßenprotesten. Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen war unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige Aufnahmen nach außen. Seit mehr als 24 Stunden ist die Bevölkerung vom Rest der Welt abgeschnitten.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran




In einem von Aktivisten veröffentlichten Video sind Menschenmassen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen auf den Straßen zu erkennen. „Tod dem Diktator“, ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos.
Erstmeldung: Teheran – Die landesweiten Proteste im Iran haben einen neuen Höhepunkt erreicht; nun geraten Berichte über mögliche Fluchtpläne des Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei an die Öffentlichkeit. In Teheran und anderen Großstädten gehen tausende Menschen auf die Straßen, um gegen die wirtschaftliche Misere und die Staatsführung zu demonstrieren.
Ein Geheimdienstbericht, der der britischen Times zugespielt wurde, enthüllt brisante Details über mögliche Fluchtpläne von Ajatollah Chamenei. Demnach plant der 86-jährige Oberste Führer im Falle einer Eskalation der Iran-Proteste mit einem engen Kreis von bis zu 20 Vertrauten und Familienmitgliedern nach Russland zu fliehen. Der Fluchtplan würde demnach aktiviert werden, sollten die Sicherheitskräfte desertieren oder Befehle verweigern. Doch wie wahrscheinlich ist eine Flucht?
Geheimdienstbericht enthüllt Fluchtpläne des Obersten Iran-Führers: Nimmt Putin Chamenei auf?
Beni Sabti, ein ehemaliger israelischer Geheimdienstmitarbeiter, erklärte gegenüber The Times: „Es gibt keinen anderen Ort für ihn. Chamenei bewundert Putin, und die iranische Kultur ist der russischen ähnlicher.“ Der Fluchtplan orientiert sich demnach am Vorgehen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, der im Dezember 2024 nach Moskau floh, als Oppositionskräfte Damaskus stürmten. Die Vorbereitungen würden bereits laufen.
„Sie haben eine Fluchtroute aus Teheran geplant, sollten sie das Bedürfnis verspüren, zu fliehen“, zitiert die Times eine anonyme Quelle. Dies beinhaltet das „Sammeln von Vermögenswerten, Immobilien im Ausland und Bargeld, um ihre sichere Ausreise zu erleichtern“. Chamenei kontrolliert Reuters-Schätzungen aus dem Jahr 2013 zufolge ein geschätztes Vermögen von 95 Milliarden Dollar, das Berichten zufolge teilweise über die mächtige Organisation Setad verwaltet wird. Die enormen finanziellen Ressourcen könnten nicht nur die Flucht selbst finanzieren, sondern auch ein komfortables Leben im Exil sicherstellen.
Heftige Proteste im Iran: Mindestens 45 getötete Demonstranten
Doch noch wehrt sich das Regime. Als Reaktion auf die eskalierenden Proteste hat das iranische Regime drastische Maßnahmen ergriffen. Unter anderem haben iranische Behörden den Internetzugang für die Bevölkerung abgeschaltet. Diese Maßnahme erinnert an ähnliche Aktionen vor sechs Jahren, als Hunderte Demonstranten bei Protesten getötet wurden.
Präsident Massud Peseschkian versucht, die Unruhen durch angeblich geplante Reformen und Aufrufe zur Zurückhaltung zu deeskalieren. Er kündigte neue Wirtschaftsreformen an und forderte die Sicherheitskräfte öffentlich auf, nicht mit Gewalt gegen Demonstranten vorzugehen. In der Praxis sieht das jedoch anders aus.
Augenzeugen berichten von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. In Teheran setzen die Behörden Tränengas gegen vermummte Protestierende ein, während in anderen Städten Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in Brand gesetzt wurden. Die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) berichtet von mindestens 45 getöteten Demonstranten seit Beginn der Proteste.
Iran: „Paranoider“ Ajatollah Chamanei hält an seiner Macht fest
Eine psychologische Einschätzung Chameneis, die von einer westlichen Geheimdienstbehörde erstellt und von The Times eingesehen wurde, beschreibt ihn als „paranoiden“ Anführer. „Einerseits ist er sehr ideologisch motiviert, andererseits ist er pragmatisch in dem, was er sieht: Er sieht taktische Kompromisse für eine langfristig größere Sache. Er ist ein langfristiger Denker“, heißt es in der Einschätzung.
Die gleiche Beurteilung stellt fest, dass Chamenei seit dem zwölftägigen Krieg mit Israel im letzten Jahr „sowohl geistig als auch körperlich schwächer“ geworden ist. Er ist kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen und hat sich insbesondere während der letzten Tage der Proteste nicht gezeigt oder zu Wort gemeldet. Während des Krieges hatte sich Chamenei in einem Bunker verschanzt, um dem Schicksal mehrerer hochrangiger IRGC-Offiziere zu entgehen, was seine „Besessenheit vom Überleben“ weiter verstärkt hat.
Trump, Israel und Exil-Monarch erhöhen Druck auf Chameneis Iran-Regime
Denn nicht nur im Iran wächst der Druck auf Chamenei und das Regime, sondern auch von außen. Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs von Iran, hat zu einer Intensivierung der Proteste aufgerufen. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu äußerte: „Es ist durchaus möglich, dass wir in einem Moment sind, in dem das iranische Volk sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt.“ Auch Erzfeind Israel stellt sich „solidarisch hinter den Kampf des iranischen Volkes“, wie Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte.
Chamenei nannte die Demonstranten „dem Land schädliche“ Menschen. Sie richteten Zerstörung an, „nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut“, sagte das Staatsoberhaupt mit Blick auf Donald Trump. Der US-Präsident hatte der iranischen Führung bereits mehrfach mit einem Einschreiten gedroht, sollte die Staatsmacht Demonstranten töten. Ob man sich an einem Sturz des Ajatollahs beteiligen würde, ließ Trump bislang aber offen. (Quellen: The Times, Newsweek, dpa, AFP) (nak)
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