VonLea Warmedingerschließen
Die Zahl der Hinrichtungen im Iran steigt weiter. Die Zunahme der vollstreckten Todesstrafen soll mit den landesweiten Protesten zusammenhängen.
Iran – Mindestens 582 Todesurteile hat das iranische Regime im vergangenen Jahr vollstreckt. Damit waren es 2022 etwa 75 Prozent mehr Hinrichtungen als 2021. Das gaben die norwegische Organisation Iran Human Rights (IHR) und die französische Organisation „Ensemble contre la peine de mort“ („Gemeinsam gegen die Todesstrafe“) übereinstimmend an.
Wie die Tagesschau berichtet, soll laut IHR-Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam die Zunahme der vollstreckten Todesstrafen im Iran in Zusammenhang mit den landesweiten Protesten stehen. Sie waren im vergangenen September ausgebrochen und richteten sich gegen die strengen islamischen Gesetze und gegen das im Iran herrschende Regime. Im Dezember wurde im Iran die erste Todesstrafe gegen einen an den Protesten Beteiligten vollstreckt. Darauf folgten weitere Hinrichtungen in Zusammenhang mit den Demonstrationen.
75 Prozent mehr Todesstrafen als im Jahr zuvor – 2023 bereits 150 Hinrichtungen
Laut dem IHR-Direktor hätten Sanktionen und die internationalen Reaktionen auf die Proteste die damit zusammenhängenden Hinrichtungen erschwert. Als Reaktion darauf habe das iranische Regime jedoch Vollstreckungen der Todesstrafe wegen anderer und unpolitischer Vorwürfe vorangetrieben. Damit wolle das Regime die Bevölkerung einschüchtern, so Amiry-Modhaddam.
Auch in diesem Jahr gab es laut IHR im Iran bereits mehr als 150 Hinrichtungen, berichtet die Tagesschau. Bei den meisten Getöteten habe es sich um Menschen aus Minderheiten wie etwa Kurden oder Belutschen gehandelt. Seit 2010 wurden in diesem Land laut IHR mehr als 7130 Menschen hingerichtet.
Hinrichtungen im Iran steigen seit Jahren – Nur China vollstreckt mehr Todesstrafen
Wie ein Bericht von Amnesty International zeigt, steigen die Zahlen im Iran bereits seit einigen Jahren dramatisch. Während es 2020 noch 246 Hinrichtungen waren, wurden 2021 bereits 314 Todesstrafen vollstreckt. Die neueste Zahl mit mindestens 582 im Jahr 2022 zeigt auf ein Neues: Der zuvor rückläufige Trend ist damit umgekehrt.
Laut Amnesty International steht der Iran an zweiter Stelle, was Länder mit den höchsten bekannten Hinrichtungszahlen betrifft. Davor liegt nur China, wobei in diesem Land das wahre Ausmaß ungewiss bleibt, da die chinesische Regierung diese Daten als Staatsgeheimnis behandelt. Mutmaßlich werden dort aber jährlich Tausende von Todesurteilen vollstreckt. In der Rangliste nach dem Iran folgen Ägypten, Saudi-Arabien und Syrien. Laut Amnesty International gibt es derzeit noch 55 Länder mit der Todesstrafe (Stand: Februar 2023). (lea)
