Nahost-Konflikt

Pahlavi bringt sich in Stellung: Schah-Sohn fordert Aufstand gegen „ängstliche Ratte“ Chamenei

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Reza Pahlavi ruft zum Aufstand gegen das Regime auf: Aus dem US-Exil fordert er Proteste, Streiks und kündigt einen demokratischen Übergangsplan an.

Update vom 23. Juni, 12.28 Uhr: Der vertriebene Kronprinz legt nach. Schah-Sohn Reza Pahlavi wird heute im Livestream ein Statement abgeben. Angekündigt ist die Live-Übertragung für 13 Uhr (MEZ).

Erstmeldung vom 18. Juni 2025: New York – Die islamische Revolution im Jahr 1979 hatte den Sturz von Schah Mohammed Reza Pahlavi zur Folge und leitete die Herrschaft des heutigen islamistisch-theokratischen Regimes im Iran ein. Reza Pahlavi, der Sohn des Schahs von Persien, ruft angesichts der aktuellen politischen Lage nun die Menschen in seiner Heimat zu Protesten und die Sicherheitskräfte zum Umsturz der Regierung auf.

Der Sohn des früheren Schahs ruft zu Straßenprotesten im Iran auf

Pahlavi lebt heute im Exil in den USA und hielt von da am Dienstag (17. Juni) eine „Ansprache an die Nation“, die er auch auf der Plattform X teilte: „Der Kampf des iranischen Volkes gegen das zerstörerische Regime der Islamischen Republik dient der Rückeroberung und dem Wiederaufbau Irans. Die Lösung ist der Sturz der Islamischen Republik durch Straßenproteste und landesweite Streiks.“ Es sei an der Zeit, aufzustehen und den Iran zurückzuerobern, sagte der Oppositionspolitiker weiter. Auch die Sicherheitskräfte in seiner Heimat rief er zum Umsturz der Regierung auf.

Staatsoberhaupt Ali Chamenei sei für den jetzigen Konflikt mit Israel verantwortlich, betonte Pahlavi weiter. Ajatollah Ali Chamenei ist einer der führenden Köpfe des Regimes, das aus der islamischen Revolution vor über 40 Jahren hervorging. Chamenei wurde 1989 zum Obersten Führer ernannt und herrscht seither über den Iran. „Die Islamische Republik ist am Ende und bricht zusammen. Was begonnen hat, ist unumkehrbar“, hieß es auf X weiter. Chamenei verstecke sich „wie eine ängstliche Ratte“ in einem Bunker und habe die Kontrolle über die Situation verloren.

Ajatollah Ali Chamenei, der oberste geistliche Führer des Iran (links). Reza Pahlavi, Sohn des 1979 aus dem Iran geflohenen Schahs (rechts).

Pahlavi wolle seine Landsleute nun im Kampf für die Befreiung unterstützen, sagte der Oppositionspolitiker im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er habe einen 100-tägigen Übergangsplan für die Errichtung einer demokratischen Herrschaft ausgearbeitet.

Todesangst vor Raketen und Regime: Warum die Menschen „definitiv nicht jetzt auf die Straße gehen“

Im Jahr 2022 hatten landesweit Proteste gegen das Regime im Iran stattgefunden, ausgelöst durch den Tod der kurdischstämmigen Iranerin Jina Mahsa Amini. Die Sittenpolizei hatte die 22-Jährige festgenommen, weil sie ihr Kopftuch nicht richtig getragen haben soll. Die US-Kriegsexperten des Institute for the Study of War (ISW) hatten noch Ende Mai von einer zunehmenden Protestbereitschaft in Teilen der iranischen Bevölkerung gesprochen –  insbesondere aus ökonomischer Frustration heraus. Andere Experten halten Proteste der Bevölkerung derzeit allerdings für unrealistisch.

Die Iran-Expertin Natalie Amiri etwa betonte, die Menschen im Iran „werden definitiv nicht jetzt auf die Straße gehen.“ Vielmehr seien viele gerade damit beschäftigt, aus Teheran herauszukommen. Israel hatte die 15 Millionen Einwohner der iranischen Hauptstadt dazu aufgerufen, die Stadt zu evakuieren. Die Menschen im Iran hätten nun Todesangst „vor Raketen und Regime“, so Amiri in einem Beitrag auf Instagram. Bankautomaten von zwei Banken würden kein Geld mehr ausgeben, die Straßen in den Norden seien verstopft, teilweise gebe es kein Brot mehr. „Dieses Regime tut nichts für seine Menschen: Es gibt keine Schutzräume, es gibt keine Warnungen, es gibt keine Apps. Die Menschen sind komplett auf sich alleine gestellt“, so Amiri weiter.

Israel und Iran im Krieg: Hunderte Raketen fliegen nach Tel Aviv und Teheran

Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen.
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen. © IMAGO/FatemehBahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Iran von Raketen aus Israel angegriffen – Gebäude stark beschädigt. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Israelischer Angriff beschädigt Gebäude in Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff.
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff. © IMAGO/Samir Abdalhade
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Ariel Schalit/dpa
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Israelische Sicherheitskräfte inspizieren zerstörte Gebäude, die von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurden.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde.
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde. © Vahid Salemi/dpa
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf.
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf. © Vahid Salemi/dpa
Israelische Luftangriffe in Teheran
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Flammen erleuchten die Skyline hinter dem ikonischen Milad Tower in Teheran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Israelischer Luftangriff auf Treibstoffdepot im Teheraner Stadtteil Shahran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Folgen des iranischen Raketenangriffs in Bat Yam, nahe Tel Aviv
Aufräumarbeiten nach iranischem Raketenangriff in Bat Yam – Nahe Tel Aviv, Israel. © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv.
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen.
Doch auch dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen. Immer wieder kommen ballistische Geschosse durch und richten wie hier in Tel Aviv große Schäden an. © Baz Ratner/dpa
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.
Ein Gebäude in der Stadt Bat Yam, einem Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
ranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – Vorort von Tel Aviv
Bat Yam, Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt, als es von einer iranischen Rakete getroffen wurde © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde © Vahid Salemi/dpa
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde.
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde. © IMAGO/Iranian Red Crescent
Der Iron Dome in Aktion
Der Iron Dome in Aktion: Raketen aus dem Iran, die in Richtung Tel Aviv flogen, werden von dem Flugabwehrsystem Israels abgefangen.  © Oded Balilty/dpa
Das iranische Luftabwehrsystem feuert in der Nähe des Milad Tower Schüsse ab, die auf israelische Drohnen gerichtet sind.
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran

Das Regime drossle vielmehr zusätzlich das Internet, sodass die einzige Informationsquelle von Fluchtwegen für die Zivilbevölkerung versiege. Jüngste Aussagen des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu deuten darauf hin, dass Israel neben der Zerstörung des Atomprogramms des Iran auch einen Regimewechsel anstrebt. Die Expertin Amiri beurteilt den Militäreinsatz in einem Meinungsbeitrag für die Tagesschau aber kritisch: Der Wunsch der Menschen im Iran sei ein freies Land. Allerdings „durch eine Revolution von innen und eigentlich nicht durch einen Angriff von außen.“

Rubriklistenbild: © Montage IMAGO / ABACAPRESS / dpa / Christiane Oelrich

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