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Donald Trump hat die iranische Atomanlage Fordo angreifen lassen. Mit einer Waffe, die sonst niemand besitzt. Sie ist bunkerbrechend.
Washington, D. C. / Teheran / Tel Aviv – Während sich der Iran und Israel auch in der Nacht auf Freitag wieder heftige gegenseitige Luftangriffe lieferten und dabei mitunter Hyperschallraketen einsetzten, sagte US-Präsident Donald Trump zunächst, er wolle sich zwei Wochen Zeit geben, um einen potenziellen US-Eingriff in den Iran-Israel-Krieg abzuwägen. Am Morgen des 22. Juni ist nun klar: Die Bedenkzeit war offenbar nur ein Bluff. Donald Trump hat iranische Atomanlagen angreifen lassen.
Der Iran bereitet sich unterdessen offenbar auf einen Gegenangriff auf US-Militärstützpunkte im Nahen Osten vor, sollte sich Trump wirklich dazu durchringen, den Iran anzugreifen. Zum Ziel eines US-Angriffs auf den Iran wurde etwa die unterirdische Uran-Anreicherungsanlage in Fordo sowie die Standorte Natans und Isfahan. Besonders Fordo und Natans gelten als Eckpfeiler des iranischen Atomprogramms.
Israel selbst, das war klar, würde einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen alleine nicht stemmen können – zumindest, wenn man von einem nuklearen Angriff oder einem Kommando-Angriff am Boden absieht. Denn Tel Aviv fehlt es an nötigen Geschützen, die bis tief in die Erde eindringen können. Die USA jedoch besitzen eine Kombination aus einem Flugzeugbomber und einem vernichtenden Geschütz, das Irans Atomanlagen in Fordo und Natans wohl auslöschen könnten.
USA greifen Irans Atomanlagen an: Trump macht, was Israel nicht alleine könnte
Die iranische Atomanlage in Fordo gilt – wie mehrere Medien, darunter Politico und die Tagesschau – übereinstimmend berichten, als „kritischstes Ziel“ für einen Angriff im Iran. Anders als die Anlage in Natans, die sich teilweise über der Erde befindet, ist die Atom-Anreicherungsanlage in Fordo viele Meter tief in einen Berg hinein gebaut. Der Tagesschau zufolge vermuten Militärexperten, dass für die Anlage ein besonders harter Stahlbeton verwendet wurde. Des Weiteren ist Fordo durch das iranische Raketenabwehrsystem geschützt.
Israel gelang es im Rahmen des ersten Angriffs auf Natans zwar offenbar, Schäden innerhalb der Anlage in Natans anzurichten, doch die halten sich in Grenzen. Zwar verfügt Tel Aviv über eine hochmoderne Luftwaffe, aber nicht über Flugzeuge, die eine bunkerbrechende GBU-57-Bombe (auch Massive Ordnance Penetrator, MOP) transportieren und abwerfen könnten. Die jedoch gilt in den Augen von Experten als das Mittel der Wahl, um die unterirdische und bestens geschützte Atomanreicherungsanlage in Fordo zu zerstören.
US-Armee besitzt Flugzeug-Waffen-Kombination, mit der die Atomanlage in Fodor zerstört werden könnte
Bei der GBU-57 handelt es sich um ein Geschütz, das konstruiert wurde, um tief unter der Erde liegende und stark geschützte Angriffsziele zu zerstören. Geplant wurde die Bombe im Anschluss an den Irak-Krieg, in dem die USA tiefliegende Ziele oft mehrmals angreifen mussten, um sie auszulöschen. Die GBU-57 gilt als stärkste bunkerbrechende Waffe der Welt und kann n-tv zufolge zu Zielen in bis zu 60 Metern Tiefe unter Stahlbeton vordringen, womit sie die Kraft hätte, die Atom-Anreicherungsanlage in Fordo zu zerstören.
Ihre Länge von 6,2 Metern und ihr Gewicht von 13,6 Tonnen erlaubt es jedoch nur einem einzigen Fluggerät weltweit, die Bombe zu transportieren: dem US-amerikanischen Tarnkappenbomber B-2 Spirit. Insgesamt verfügt die US-Luftwaffe über 19 einsatzbereite B-2-Flugzeuge, informiert das britische International Institute for Strategic Studies (IISS), das jährlich eine Übersicht über die Streitkräfte der Welt veröffentlicht.
Der B-2 Spirit wird von einer zweiköpfigen Besatzung gelenkt und kann nukleare Waffen oder konventionelle Waffen einsetzen. Die Tarnkappenbomber sind in der Lage, große Entfernungen ohne Tanktstopps zurückzulegen und wurden so entwickelt, dass sie von feindlichen Radarsystem längere Zeit nicht entdeckt werden können. Beobachter weisen derweil darauf hin, dass Israel die Anlage in Fordo auch ohne die B-2 und die MOP angreifen könnte. Das jedoch würde eine riesige Menge von Israels viel kleineren Bomben über viele Angriffe hinweg nötig machen, um tief in die Uran-Anreicherungsanlage Fordo vorzudringen und gestaltet sich deshalb äußerst schwierig.
B-2-Bomber werfen zahlreiche Bunkerbrecher auf Iran-Atomanlagen – Schäden nur gering?
Bei dem Angriff auf die iranische Atomanlage in Natans setzte das US-Militär übereinstimmenden US-Medienberichten zufolge eben diese Waffen ein: Zwei bunkerbrechende Bomben, die von einem Tarnkappenbomber des Typs B-2 abgeworfen wurden. Zudem sei Natans auch von U-Booten aus mit Marschflugkörpern angegriffen worden. Auf die unterirdische Atomanlage Fordo hätten sechs Tarnkappenbomber insgesamt ein Dutzend der größten bunkerbrechenden Bombe des US-Militärs abgeworfen, hieß es. Das dritte US-Angriffsziel in Isfahan wurde demnach nur mit Marschflugkörpern angegriffen.
Der Iran bestätigte einen Angriff auf die Atomanlagen des Landes. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete allerdings nur, dass ein Teil des Bereichs um die Uran-Anreicherungsanlage Fordo beschädigt worden sei. Sie zitierte einen Sprecher des Krisenstabs der betroffenen Provinz Ghom, demzufolge die Lage in den Gebieten nun jedoch wieder ruhig sei. Ein hochrangiger Sicherheitsbeamter der Provinz Isfahan bestätigte laut der mit den mächtigen Revolutionsgarden verbundenen Nachrichtenagentur Tasnim zudem Angriffe „in der Nähe“ der Atomanlagen von Isfahan und Natans.
Nach dem US-Angriff auf Fordo besteht nach Darstellung einer iranischen Behörde kein Risiko. Es bestehe keinerlei Gefahr für die Bevölkerung von Ghom und die umliegenden Gebiete, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf die Krisenmanagementzentrale der betroffenen Provinz. (fh)
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