Von Konflikten geprägt

Der Krieg in Israel und der Hass der Hamas haben eine lange Geschichte

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Der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist eskaliert zu einem Krieg. Welchen Hintergrund hat der Hass der Hamas? Ein Blick in die Geschichte.

Jerusalem – Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ist im Oktober 2023 erneut eskaliert und hat sich zu einem Krieg in Israel entwickelt. Eine Lösung nicht in Sicht. Stattdessen baut sich eine Spirale der Gewalt auf, deren Folgen niemand absehen kann. Aber woher kommt all der Hass und warum ist kein Frieden möglich?

Die Geschichte Palästinas und damit auch des jüdischen Volkes ist lang und wechselhaft. Die erste Ansiedlung israelitischer Volksstämme datiert um 1250 vor Christus. Etwa 1150 Jahre später eroberten die Römer das Gebiet und vertrieben sukzessive die Juden, die sich in Europa verstreuten. Nach der Niederlage der christlichen Kreuzritter herrschten die Mamluken in Palästina, ehe diese 1516 von Osmanischen Türken besiegt wurden. 400 Jahre lang war Palästina ein Teil des Osmanischen Reichs.

Hintergrund zum Krieg in Israel: Juden sehen Israel als das Gelobte Land an

1918 begann eine neue Zeitrechnung. Großbritannien besetzte Palästina und übernahm auch dessen Verwaltung. Als Folge kamen viele jüdische Einwanderer nach Palästina, das Juden als Gelobtes Land ansehen – als von Gott versprochenes Land. Bis 1945 lag der jüdische Bevölkerungsanteil bei 30 Prozent. Das führte zu militanten Auseinandersetzungen mit den dort lebenden Arabern. Weil Großbritannien sich nicht in der Lage sah, den Konflikt zu lösen, übergab es das Mandat für Palästina den Vereinten Nationen.

Israelische Truppen erwidern rund um Sderot die Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen mit Artilleriebeschuss.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit seinem schrecklichen Holocaust stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 29. November 1947 für die Errichtung von zwei Staaten – eines jüdischen und eines arabischen. Das Problem: Während die jüdische Seite die Teilung annahm, lehnte die arabische sie strikt ab. Die sechs arabischen Staaten in der Vollversammlung stimmten dagegen. Nur einen Tag nach der Proklamation des Teilungsplans für Palästina begann der zionistisch-arabische Bürgerkrieg, der von den Zionisten aber schnell niedergeschlagen wurde.

Hintergrund des Israel-Kriegs: 1948 beginnt Geschichte des heutigen Israels

Die Geschichte des heutigen Israel beginnt am 14. Mai 1948. David Ben-Gurion, später erster Ministerpräsident Israels, rief den Staat Israel aus. Wieder folgte die Reaktion nur einen Tag später. Streitkräfte Ägyptens, Jordaniens, Syriens, des Libanon und des Irak griffen an.

Israel gewann diesen ersten israelisch-arabischen Krieg und besetzte palästinensische Landesteile. Etwa die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung wurde vertrieben, in arabischen Ländern kam es im Gegenzug zu Pogromen gegen die jüdische Minderheit.

Bilder zeigen, wie der Krieg in Israel das Land verändert

Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Am 7. Oktober 2023 feuern militante Palästinenser aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel ab. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas, die von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, hatte den Beginn einer „Militäroperation“ gegen Israel verkündet. © Hatem Moussa/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen ist Rauch aus einem Wohnhaus zu sehen.  © Ilia Yefimovich/ dpa
Israelischer Soldat mit Hund im Israel Krieg
Ein israelischer Soldat geht mit seinem Hund zwischen Autos in Deckung.  © Ohad Zwigenberg/ dpa
Israelische Polizisten evakuieren Frau und Kind im Israel Krieg
Israelische Polizisten evakuieren eine Frau und ein Kind von einem Ort, der von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Tsafrir Abayov/ dpa
Militante Palästinenser fahren im Israel Krieg mit einem Pickup, auf dem womöglich eine entführte deutsch-israelische Frau zu sehen ist.
Militante Palästinenser fahren mit einem Pickup, auf dem möglicherweise eine deutsch-israelische Frau zu sehen ist, in den Gazastreifen zurück. Die islamistische Hamas hatte mitgeteilt, ihre Mitglieder hätten einige Israelis in den Gazastreifen entführt. © Ali Mahmud/ dpa
Massive Raketenangriffe aus Gazastreifen auf Israel
Angehörige der Feuerwehr versuchen, nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen das Feuer auf Autos zu löschen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Menschen suchen in Trümmern nach Überlebenden nach massive Raketenangriffen aus Gazastreifen auf Israel.
Menschen suchen zwischen den Trümmern eines bei einem israelischen Luftangriff zerstörten Hauses nach Überlebenden.  © Omar Ashtawy/ dpa
Verlassene Stätte des Festivals Supernova nach dem Angriff der Hamas
Bei dem Rave-Musikfestivals Supernova im israelischen Kibbuz Re’im sterben rund 270 Besucher:innen. So sieht die verlassene Stätte nach dem Angriff aus.  © JACK GUEZ / AFP
Feiernde Palästinenser nach Angriff der Hamas auf Israel
Palästinenserinnen und Palästinenser feiern in Nablus nach der großen Militäroperation, die die Al-Qassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, gegen Israel gestartet haben.  © Ayman Nobani/ dpa
Hamas-Großangriff auf Israel - Gaza-Stadt
Das israelische Militär entgegnete mit dem Beschuss von Zielen der Hamas im Gazastreifen. Nach einem Angriff steigen bei einem Hochhaus in Gaza Rauch und Flammen auf. © Bashar Taleb/ dpa
Mann weint in Gaza bei Israel Krieg
Ein Mann umarmt einen Familienangehörigen im palästinensischen Gebiet und weint.  © Saher Alghorra/ dpa
Israelischer Soldat im Israel Krieg steht neben Frau
Am 8. Oktober beziehen israelische Soldaten Stellung in der Nähe einer Polizeistation, die am Tag zuvor von Hamas-Kämpfern überrannt wurde. Israelische Einsatzkräfte haben dort nach einem Medienbericht bei Gefechten in der an den Gazastreifen grenzenden Stadt Sderot mehrere mutmaßliche Hamas-Angehörige getötet. © Ilan Assayag/ dpa
Nach Hamas Großangriff - Sa'ad
Israelische Streitkräfte patrouillieren in Gebieten entlang der Grenze zwischen Israel und Gaza, während die Kämpfe zwischen israelischen Truppen und islamistischen Hamas-Kämpfern weitergehen. © Ilia Yefimovich/ dpa
Palästinensisches Kind in einer Schule, die im Israel Krieg als Schutz dient
Ein palästinensisches Kind steht auf dem Balkon einer Schule, die von den Vereinten Nationen betrieben wird und während des Konfliktes als Schutzort dient.  © Mohammed Talatene/ dpa

Die Vereinten Nationen moderierten – mit dem Ergebnis, dass über Waffenstillstandsabkommen die bestehenden Fronten eingefroren wurden. Damit waren die Küstenebene, Galiläa und der gesamte Negev unter israelischer Herrschaft. Das Westjordanland (Judäa und Samaria) kam unter jordanische, der Gazastreifen unter ägyptische Verwaltung. Jerusalem wurde in einen von Jordanien kontrollierten Ostsektor mit der Altstadt und einen israelischen Westsektor geteilt.

Israel-Krieg mit langer Geschichte: Israel besetzte das Westjordanland

Die Konflikte nahmen damit aber kein Ende. Es folgten 1956 die Suezkrise sowie 1967 der Sechstagekrieg, in dessen Verlauf Israel das Westjordanland, Ost-Jerusalem, die Golanhöhen und den Gazastreifen besetzte. Israel war plötzlich dreimal so groß – und neue Spannungen vorprogrammiert.

1973 entbrannte der Jom-Kippur-Krieg gegen Ägypten und Syrien, der mit einem Sieg Israels endete, aber auch zu einer Rückgabe der Sinai-Halbinsel führte, was die Beziehungen zu Ägypten entspannte. Keineswegs aber zu Syrien, das Israel wie viele andere arabische Länder bis heute nicht anerkennt.

Bewaffnete Konflikte blieben ein ständiger Begleiter Israels: Der Libanonkrieg 1982 sowie die palästinensischen Aufstände (Intifada). Zwar gab es auch Fortschritte im Friedensprozess, die über die Osloer Abkommen in eine bis heute andauernde Selbstverwaltung der Palästinenser mündeten. Aber die Fronten verhärteten sich immer wieder und führten unter Premierminister Ariel Sharon auch zu einer härteren israelischen Palästina-Politik.

Krieg in Israel ist religiös aufgeladen

Der im Kern politische Konflikt ist religiös aufgeladen. Auf jüdischer Seite beanspruchen vor allem nationalreligiöse Hardliner das gesamte Gebiet zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan, das etwa dem alttestamentarischen Kanaan entspricht. Die meisten Palästinenser folgen dem Islam, in dem es traditionell kaum eine Trennung von Religion und Politik gibt. Zuletzt hatte sich der Einfluss islamistischer Kräfte und jüdischer Extremisten verstärkt.

Im Unabhängigkeitskrieg 1948 mussten zwar viele Araber fliehen, ein Teil aber blieb im neu gegründeten Israel. Sie wurden Staatsbürger und stellen heute ein Fünftel der israelischen Bevölkerung. Fast alle sind Muslime, wenige Christen oder Drusen.

Dem Gesetz nach sind arabische Israelis gleichberechtigt. Viele sehen sich jedoch als Bürger zweiter Klasse. Ihre Minderheitenrolle und der ständige Konflikt verstärken bei vielen arabischen Israelis das Gefühl einer doppelten Identität: Politisch und rechtlich Bürger Israels, fühlen sie sich kulturell und national als Palästinenser.

Israel-Krieg: Land sieht sich in Existenz bedroht

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte in Wahlkämpfen wiederholt Stimmung gegen arabische Wähler. Auf der anderen Seite sieht sich Israel dauerhaft in seiner Existenz bedroht. Mit den Nachbarn Ägypten und Jordanien pflegt man aktuell stabile diplomatische Beziehungen – anders als mit Syrien und dem Libanon. Die größte Gefahr droht aus dem Iran, der Israel das Existenzrecht abspricht.

Ein ständiges Pulverfass ist Jerusalem – für Juden die Stätte des Tempels und die Hauptstadt des alten Israel. Christen verbinden mit der Stadt den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu. Muslime sehen in Jerusalem, das der Prophet Mohammed laut der Tradition in einem nächtlichen Himmelsritt aufsuchte, die drittwichtigste Heilige Stätte nach Mekka und Medina.

Krieg in Israel: Netanjahu lehnt Zwei-Staaten-Lösung ab

Wegen des hohen Symbolwerts entzünden sich in Jerusalem immer wieder gewalttätige Proteste. 1947 beschlossen die Vereinten Nationen zwar eine Internationalisierung der Stadt, dieser wenig klare Status wird aber weder von Israelis noch von Palästinensern akzeptiert. Die Knesset erklärte Jerusalem 1980 zur „ewigen Hauptstadt Israels“, was international kaum Rückhalt findet.

Der Friedensprozess war schon vor Beginn des Hamas-Angriffs festgefahren. Während international, im Vatikan sowie in der palästinensischen Führung zumindest offiziell an einer Zwei-Staaten-Lösung in den Grenzen von 1967 festgehalten wird, lehnt Netanjahu die Schaffung eines Palästinenserstaates ab. Zusätzlich erschwert wird eine Lösung durch den von Netanjahu vorangetriebenen Siedlungsbau in den besetzten Gebieten.

Rubriklistenbild: © Ilia yefimovich/dpa

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