Gastbeitrag

Ex-Botschafter Israels in Moskau über Putin: „Kein Zweifel, dass Russland auf Seiten der Hamas steht“

In seinem Gastbeitrag erklärt der ehemalige israelische Botschafter in Russland, wie nahe sich Putin und die Hamas stehen.

Russlands Präsident Wladimir Putin schüre Antisemitismus und stehe klar an der Seite der Hamas, schreibt der israelische Think-Tanker und Ex-Botschafter in Russland, Arkady Mil-Man. Israel müsse deshalb seine Politik gegenüber Russland ändern.

Verglichen mit der Welle der Solidarität mit Israel und der Verurteilung der Hamas durch den Westen lassen sich die Reaktionen in der russischen Öffentlichkeit am besten in drei Worten beschreiben: Schadenfreude, Antisemitismus und Hass. Die offizielle Position Russlands umfasst alle Elemente der feindlichen sowjetischen Politik gegenüber Israel, einschließlich eines direkten Vergleichs zwischen den Aktivitäten der Israel Defense Forces (IDF) und den Handlungen der Wehrmacht.

Die offizielle Position Putins und des russischen Außenministeriums lässt keinen Zweifel daran, dass Russland an der Seite der Hamas steht. Seit dem 7. Oktober hat die russische Führung mit keinem Wort die von der Hamas begangenen Massaker im Süden Israels verurteilt, sondern stattdessen die nicht erfüllten Rechte der Palästinenser betont. Im Einklang mit seiner seit Beginn des Krieges in der Ukraine zunehmenden antiamerikanischen Rhetorik hat Putin die Vereinigten Staaten für die Ereignisse im Süden Israels verantwortlich gemacht. Er warf ihnen vor, die Interessen der Palästinenser, einschließlich der Notwendigkeit eines unabhängigen, eigenen Staates, zu ignorieren.

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Putin vergleicht IDF mit Nazis

Die Hamas hat kurz nach Beginn des Angriffs Kontakt mit der russischen Führung aufgenommen, um sie zu informieren. Der Hamas-Vertreter Ali Baraka sagte in einem Interview mit dem russischen Propaganda-Sender RT, Russland unterstütze die Hamas politisch und sympathisiere „mit uns“.

Sechs Tage nach dem Massaker hat Präsident Putin das Recht Israels auf Selbstverteidigung nur am Rande erwähnt, als er sagte, es handle sich um einen beispiellosen Angriff auf Israel. Unmittelbar danach hat er jedoch die israelische Operation im Gazastreifen mit der Belagerung Leningrads durch die Wehrmacht verglichen. In der früheren Sowjetunion, aber auch im heutigen Russland sowie von Putin selbst, dessen Bruder bei der Belagerung Leningrads starb, wird die Einkesselung der Stadt gemeinhin als das schrecklichste Verbrechen angesehen, das Nazi-Deutschland auf dem Gebiet Russlands begangen hat. Der Vergleich der IDF mit Nazi-Deutschland verbreitete sich danach wie ein Lauffeuer und ist in allen offiziellen Medien präsent.

Die Pro-Putin-Telegram-Kanäle verbreiten einen endlosen Strom antisemitischer Tropen und Bilder der abscheulichsten Art. Botschaften wie die folgenden finden sich nun täglich in den sozialen Netzwerken: „Es ist eine Schande, dass zu wenige Menschen getötet wurden“; „Bindet die israelischen Entführten an Pfähle rund um den Gazastreifen, dann wird es für die IDF schwieriger, euch zu beschießen“; „Es gibt kein Mitgefühl oder Erbarmen für die Israelis, die aus den Grenzstädten fliehen“.

Hamas schießt mit Waffen aus russischer Produktion

Der russische Präsident Wladimir Putin (Symbolbild).

Doch unabhängig von Russlands öffentlicher Positionierung auf Seiten der Hamas stellen sich wichtige Fragen hinsichtlich der Beteiligung Moskaus an den Ereignissen vom 7. Oktober. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Besuche von Hamas-Vertretern in Russland. Beamte des russischen Außenministeriums treffen sich regelmäßig mit Hamas-Vertretern in arabischen Ländern.

Russland soll der Hamas eine Lizenz für die Herstellung der AK-47 (Kalaschnikow) und entsprechender Munition erteilt haben. Hamas-Terroristen könnten so mit Waffen aus russischer Produktion oder mit Waffen, die unter russischer Lizenz im Iran hergestellt wurden, nach Israel eingedrungen sein. Es gibt außerdem unbestätigte Berichte über die Beteiligung russischer Ausbilder an der Ausbildung der Terroristen.

Eine Eskalation in unserer Region dient dem russischen Interesse, Aufmerksamkeit und Ressourcen der Vereinigten Staaten vom Krieg in der Ukraine wegzulenken. In Anbetracht der enger werdenden militärischen Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Iran, Moskaus Unterstützung der Hamas und antisemitischen Trends muss Israel seine Politik gegenüber Russland ändern.

Die Massaker im Süden Israels haben Russlands wohlwollende Einstellung zu unseren Feinden und seine engen Beziehungen zu ihnen offenbart. Diesem Land und seiner Führung kann man nicht länger vertrauen.

Arkady Mil-Man leitet beim israelischen Think-Tank Institute for National Security Studies (INSS) das Russland-Programm. Von 2003 bis 2006 war er israelischer Botschafter in Russland. Jetzt berät er Streitkräfte und Regierung beim militärischen Vorgehen. (Von Arkady Mil-Man)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Vyacheslav Prokofyev

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