Ist ein „Diplomatischer Fehler“ Südkoreas der Grund für Nordkoreas Russland-Allianz?
VonChristoph Gschoßmann
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Nordkoreanische Soldaten unterstützen Russland an der ukrainischen Grenze. Könnte der Auslöser für diese Verschärfung in Südkorea liegen?
Moskau – Nordkorea steht fest an der Seite Russlands. Darüber bestehen nun keine Zweifel mehr. Das russische Oberhaus ratifizierte am Dienstag (6. November 2024) einen militärischen Beistandspakt mit Nordkorea. Der Föderationsrat in Moskau stimmte am Mittwoch einstimmig für das Verteidigungsabkommen, das der russische Präsident Wladimir Putin im Juni bei einem Besuch in Pjöngjang gemeinsam mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un unterzeichnet hatte. Das Abkommen bildet den Abschluss einer monatelangen Vertiefung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.
Putin hatte am Montag im Kreml Nordkoreas Außenministerin Choe Son Hui zu Gesprächen getroffen. „Bei uns ist heute ein Feiertag, und sich an Feiertagen mit guten Freunden zu treffen, ist eine gute Tradition“, sagte Putin zur Begrüßung. In Russland war Nationalfeiertag. Choe war zuletzt im Januar im Kreml zu Gast. Vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass tausende nordkoreanische Soldaten im Grenzgebiet zur Ukraine stehen. Choe hatte am Freitag bei einem Treffen mit ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow erklärt, Nordkorea werde Russland im Krieg bis zum Sieg helfen.
Südkoreas „diplomatischer Fehler“: Wie sehr trug dieser zu Nordkoreas Russland-Allianz bei?
Nun überbrachte sie Grüße des Machthabers Kim Jong-un an Putin. Nordkorea ist international isoliert – auch wegen der Atomwaffentests. Nordkorea steht zudem wegen Waffenlieferungen nach Russland international in der Kritik. Russland wiederum ist wegen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine mit Sanktionen belegt.
Ein Ursprung der Russland-Nordkorea-Allianz kann auch in Südkorea gesehen werden. Wie das südkoreanische Medium Hani in einem Leitartikel schreibt, beging die Regierung in Seoul einen „diplomatischen Fehler“. Präsident Yoon Seok-yeol hätte bei seinem Amtsantritt die „Wertediplomatie“ in den Vordergrund gerückt und klargemacht, dass er Nordkorea, China und Russland feindlich gegenübersteht. Als symbolische Maßnahme sandte Südkorea 600.000 Schuss 155-mm-Artilleriegeschossen an die Ukraine. Der Deal ging über die Vereinigten Staaten zwischen Frühjahr und Sommer letzten Jahres. Dies blieb in Moskau nicht unbemerkt: Anschließend warnte Russland Südkorea, dass es „seinen seit über 30 Jahren bestehenden Ansatz gegenüber der koreanischen Halbinsel ändern“ werde.
Westen wertet Nordkorea-Soldaten in Russland als massive Eskalation des Ukraine-Kriegs
Danach begannen Nordkorea und Russland schnell, diplomatisch vorzugehen. Im Juni kam es zu Putins Besuch und den Vertrag über eine strategische Partnerschaft beider Länder, der auch einen gegenseitigen militärischen Beistand vorsieht. Laut Hani sind in Südkorea „viele Bürger sehr besorgt, dass die ‚Glut des Krieges‘, die in Europa begonnen hat, auf die koreanische Halbinsel übergreifen wird.“
Die jüngste Entsendung nordkoreanischer Soldaten nach Russland haben westliche Staaten als massive Eskalation des Konflikts bezeichnet. Sie sollen sich im westrussischen Gebiet Kursk aufhalten. Kiew befürchtet, dass sie bereits in Kürze in der Ukraine eingesetzt werden. Das gilt als Verletzung von UN-Sanktionen gegen Nordkorea.
Säbelrasseln in Pjöngjang: Nordkorea testet Interkontinentalraketen
Nordkoreas Drohgebärde wurden zuletzt aggressiver. Der Generalstab in Seoul teilte am Dienstag mit, gegen 07.30 Uhr am Dienstag (Ortszeit, Montag 23.30 Uhr MEZ) in Echtzeit den Start von „mehreren ballistischen Kurzstreckenraketen“ in Richtung der Gewässer östlich der koreanischen Halbinsel festgestellt zu haben. „In Vorbereitung auf weitere Starts hat unser Militär die Überwachung und Wachsamkeit verstärkt“, hieß es weiter. Den südkoreanischen Angaben zufolge flogen die Raketen rund 400 Kilometer weit. Es würden Informationen mit Washington und Tokio ausgetauscht, erklärte der Generalstab in Seoul weiter. Auch Japan bestätigte den Raketenstart.
Einblicke ins Reich von Kim Jong-un: Alltag in Nordkorea
Am vergangenen Donnerstag hatte Nordkorea eine der bislang stärksten Interkontinentalraketen getestet. Es handelte sich um den ersten Waffentest, seit Machthaber Kim Jong-un vorgeworfen worden war, Soldaten für den Kampf gegen die Ukraine nach Russland entsendet zu haben. Die USA, die EU, UN-Generalsekretär António Guterres sowie die Bundesregierung kritisierten die militärische Drohgebärde Nordkoreas. Als Antwort auf den Raketentest hielten Südkorea, Japan und die USA am Sonntag gemeinsame Militärmanöver unter Beteiligung eines US-Bombers ab. (cgsc mit dpa)