VonDaniel Geradtzschließen
Ein Abgeordneter der Regierungspartei Fratelli d‘Italia nimmt seine Waffe mit zu einer Feier. Es löst sich ein Schuss. Die Opposition übt scharfe Kritik.
Rosazza – Der italienische Abgeordnete Emanuele Pozzolo besuchte in der Silvesternacht eine Party und hatte eine Waffe dabei. Aus dieser löste sich ein Schuss, der einen 31-Jährigen leicht verletzte. Doch zunächst bleibt unklar, was sich genau in Rosazza, rund 70 Kilometer von Turin entfernt, zugetragen hat. Pozzolo ist Mitglied der Regierungspartei Fratelli d‘Italia von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Der Meloni-Abgeordnete Pozzolo bestreitet, selbst geschossen zu haben
Die Zeitung La Repubblica zitiert aus einer Stellungnahme Pozzolos. „Ich bestätige, dass der Schuss versehentlich aus einer Pistole fiel, die ich den Vorschriften entsprechend getragen habe, aber dass nicht ich es war, der geschossen hat“, heißt es darin.
Der 38-jährige Politiker räumt ein, dass er die Waffe herausgeholt habe, um sie zu zeigen. Dabei habe sich der Schuss gelöst. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, leitete sie unmittelbar Untersuchungen gegen Pozzolo ein. Der Tatbestand lautet entweder vorsätzliche oder fahrlässige Körperverletzung. Sie stellte zudem die Kugel sicher, die in der linken Wade des Opfers steckte.
Schuss-Opfer in Italien konnte Krankenhaus schnell verlassen
Nach weniger als einem Tag konnte das Opfer das Krankenhaus wieder verlassen, in das es nach dem Unfall eingeliefert wurde. Es soll sich um den Schwiegersohn eines Leibwächters des stellvertretenden Justizministers Andrea Delmastro handeln.
In Italien gelten strenge Gesetze, was das Tragen von Waffen betrifft. Wer einen Sport- oder Jagdwaffenschein besitzt, darf eine Waffe nur zum jeweils bestimmten Zweck tragen, also am Schießstand oder bei der Jagd. Lediglich ein Waffenschein zum persönlichen Schutz berechtigt, eine Waffe jederzeit mit sich führen. Ob Pozzolo einen Waffenschein besitzt, geht aus den Berichten zunächst nicht hervor.
Opposition kritisiert Pozzolos Verhalten
Sein Verhalten kritisieren die Oppositionsparteien als unverantwortlich. „Wir hätten nicht geglaubt, dass die Leidenschaft für Waffen bei der Partei von Giorgia Meloni so groß ist, dass die Abgeordneten sie geladen zu Neujahrsfeiern mitnehmen“, sagte Elly Schlein, Chefin der Demokratischen Partei. Sie forderte die Ministerpräsidentin auf, Maßnahmen gegen den Abgeordneten zu ergreifen.
Weder Meloni noch ihre Partei reagierten zunächst nicht auf die öffentliche Kritik. Auch nicht auf die Stellungnahme des ehemaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi, der via X (vormals Twitter) mitteilte: „Warum Waffen mitbringen zu einer Neujahrsfeier mit Abgeordneten und Regierungsmitgliedern? Die Führungsschicht von Meloni ist keine: Sie sind ungeeignet, unfähig, nicht salonfähig. Und gefährlich.“ (mit AFP-Material)
Rubriklistenbild: © Collage: dpa/LaPresse/Roberto Monaldo // Screenshot: Instagram/Emanuele_pozzolo

