- VonSereina Donatschschließen
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 360 Frauen und Mädchen getötet – nur weil sie Frauen und Mädchen sind. Ein Gesetz zu ihrem Schutz ist überfällig. Ein Kommentar.
Wie viele Tote muss es noch geben, damit Frauen in Deutschland besser geschützt werden? Fast jeden Tag wird hierzulande eine Frau aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Gewalt gegen Frauen ist alltäglich.
Die vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Zahlen sind schwindelerregend: 938 Mädchen und Frauen wurden 2023 Opfer von Tötungsversuchen, 360 von ihnen starben. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Gegen Frauen gerichtete Straftaten steigen in allen Bereichen. Immer mehr von ihnen sind auch Sexualstraftaten und häuslicher und digitaler Gewalt ausgesetzt.
Im Netz heißt es, die Fälle hätten auch zugenommen, weil mehr solcher Delikte angezeigt würden. Bestimmt. Die vorgelegten Zahlen zeigen aber nur das sogenannte Hellfeld. Auch die Dunkelziffer der Übergriffe steigt laut Fachleuten. Immer noch wenden sich viele Betroffene aus Angst, Scham oder Unwissen nicht an Polizei oder Beratungsstellen.
Das Lagebild verdeutlicht, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Kurz vor dem Koalitionsbruch hatte die Bundesfamilienminister Lisa Paus (Grüne) ein Gewalthilfegesetz vorgelegt. Nun soll es ins Kabinett und auch in den Bundestag. Ob FDP und Union zustimmen werden, ist unsicher. Sicher ist aber: Wenn Deutschland es nicht umsetzt, wäre das innenpolitisch ein Debakel und international ein peinliches Scheitern.