Bei Besuch in Indien

Johnson denkt positiv bei einem Handelsabkommen mit Indien

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Der indische Premierminister Narendra Modi und der britische Premierminister Boris Johnson geben sich vor ihrem Treffen in Delhi im Hyderabad House die Hand.

Der britische Premierminister Boris Johnson macht bei seinem Besuch in Indien Hoffnungen auf ein schnelles Handelsabkommen mit dem Land.

Neu Delhi/London - Der britische Premierminister Boris Johnson hat bei seinem Besuch in Indien Hoffnungen auf ein baldiges Handelsabkommen mit dem Land gemacht. Er wolle einen bilateralen Deal bis Ende Oktober dieses Jahres erreichen, sagte Johnson bei einer Pressekonferenz in der indischen Hauptstadt Neu Delhi am Freitag. Der indische Regierungschef Narendra Modi hatte Ende des Jahres als Zielmarke ausgegeben. Auch in Sachen Verteidigung und beim Thema erneuerbare Energien wollen die Länder stärker kooperieren.

Für den britischen Premier, der zu Hause wegen der Partygate-Affäre massiv unter Druck steht, wäre ein Handelspakt mit Indien ein wichtiger Erfolg im Bestreben, den Brexit als Erfolg darzustellen. Auf der anderen Seite versucht Großbritannien wie andere westliche Staaten, Indiens Abhängigkeit von Russland in Sachen Energie und militärischer Ausrüstung zu verringern und damit die große Volkswirtschaft dazu zu bringen, sich weiter von Russland zu entfernen.

Doch das Thema ist heikel. Indien hat beim Ukraine-Krieg eine neutrale Haltung, verurteilt den Krieg nicht und trägt auch westliche Sanktionen nicht mit. Stattdessen hat es den Handel mit Russland ausgebaut - und kauft beispielsweise mehr günstiges Öl aus Russland. Auch bei seiner militärischen Ausrüstung und bei Ersatzteilen ist Indien stark auf Moskau angewiesen. Modi hat zwar am Freitag eine sofortige Waffenruhe gefordert, aber wie gewohnt Russland nicht kritisiert.

Johnson vermied daher sorgsam, das Thema in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Modi direkt anzusprechen. Fragen von Journalisten wurden, wie das bei Premierminister Modi üblich ist, nicht zugelassen. Deutlicher wurde Johnson später, als er noch einmal alleine vor die Presse trat. Modi habe mehrmals direkt beim russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen des Kriegs in der Ukraine interveniert, so Johnson. «Was die Inder wollen ist Frieden, und dass die Russen rausgehen», so Johnson. Das Land habe aber historische Verbindungen mit Moskau, die jeder verstehe und respektiere. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reist am Wochenende nach Indien - mit der Hoffnung, das Land stärker auf die Linie des Westens zu bringen.

Johnson: Britische Botschaft in Kiew soll wieder öffnen

Die britische Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt Kiew soll nach Angaben des britischen Premierministers Boris Johnson im kommenden Monat wieder öffnen. Das sagte Johnson am Freitag während eines Besuchs in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Die Vertretung war kurz vor dem russischen Angriff auf das Land Ende Februar in die westukrainische Stadt Lwiw verlegt worden.

Gleichzeitig warnte Johnson, die Situation in der Ukraine sei «unvorhersehbar». Es sei eine realistische Möglichkeit, dass der Krieg noch bis Ende kommenden Jahres andauere und mit einem Sieg Moskaus ende, so der britische Premier. Russlands Präsident Wladimir Putin habe eine «riesige Armee» und sei sehr nah daran, durch eine vollständige Eroberung Mariupols eine Landbrücke zur bereits unter russischer Kontrolle stehenden Halbinsel Krim herzustellen. (dpa)

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