Kahlschnitt im US-Fernsehen? Trump warnt Moderator – „hat noch weniger Talent“
VonYannick Hanke
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Die Sendung von Trump-Kritiker und Moderator Stephen Colbert endet 2026. Auf Drängen des US-Präsidenten? Der warnt nun Late-Night-Host Jimmy Kimmel.
New York City – Was in Deutschland die „heute-show“, ist in den USA das breite Portfolio an Late-Night-Shows. Ein Vergleich, der zumindest dann zutrifft, wenn auf das kritische, mitunter süffisante Beleuchten und Kommentieren des politischen Geschehens geblickt wird. Das Credo: Den Finger in die Wunde legen, wo es wehtut und Kritik äußern, wo es notwendig ist.
Dafür stand jahrelang auch Moderator Stephen Colbert, der sich nicht zuletzt am US-Präsidenten Donald Trump abarbeitete. Das hat 2026 ein Ende, denn „The Late Show with Stephen Colbert“ wird abgesetzt. Unkenrufen zufolge auch, weil Trump sich weiterer Häme nicht aussetzen wollte. Der Status quo und ein Ausblick auf das, was folgen könnte.
Zu viel Kritik an Donald Trump? Late-Night-Show von Stephen Colbert wird abgesetzt – US-Präsident schadenfroh
Mit dem Aus der von Colbert moderierten Late-Night-Show, die der 61-Jährige von Moderatoren-Ikone David Letterman vor gut zehn Jahren übernommen hatte, könnte sich eine Zeitenwende im US-amerikanischen TV andeuten. Noch bis Mai 2026 darf der für seinen bissigen Humor bekannte Colbert sein Publikum unterhalten. Eine „rein finanzielle Entscheidung“, wie der ausstrahlende Fernsehsender CBS betont.
Stärke zeigen, Kritik äußern: Dafür steht Late-Night-Show-Host Stephen Colbert (links), dessen Format 2026 abgesetzt wird. Auch auf Druck vom US-Präsidenten Donald Trump hin?
Dass Trump-Kritiker Colbert von der Bildfläche verschwindet, sei nicht auf „Zuschauerzahlen, Inhalte oder Vorgänge im Unternehmen“ zurückzuführen. Und Trump? Äußert sich auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social wie folgt: „Ich liebe es total, dass Colbert gefeuert worden ist“. Den US-Präsidenten hatte Colbert zuhauf in die Mangel genommen, er galt sogar als schärfster Kritiker von Trump. Dementsprechend zeigt sich der klagefreudige Trump auch schadenfroh. „Sein Talent war noch kleiner als seine Einschaltquoten“, tritt der US-Präsident öffentlichkeitswirksam nach.
„Große, fette Schmiergeldzahlung“: Absetzung von Colbert-Show zur Besänftigung von Trump?
Fakt ist: Die Absetzung der Colbert-Show fällt in eine Phase, in der CBS-Mutterkonzern Paramount unter Druck steht. Trump hatte dem CBS-Magazin „60 Minutes“ erst 2024 vorgeworfen, ein Interview mit seiner Rivalin Kamala Harris so geschnitten zu haben, dass eine schwache Antwort kaschiert werde. „60 Minutes“ bestritt dies und veröffentlichte ein Transkript.
Absetzung von Colbert-Show zum Wohlwollen von Donald Trump?
Dass „The Late Show with Stephen Colbert“ 2026 ein jähes Ende findet und abgesetzt wird, sei laut TV-Sender CBS eine „rein finanzielle Entscheidung“. Jacques Berlinerblau, Professor an der Georgetown University in Washington, ist anderer Meinung.
„Ich kannnicht ignorieren, dass der CBS-Mutterkonzern Paramount gerade versucht, eine Genehmigung von Trumps Kommunikationsbehörde FCC für eine lukrative Fusion mit dem Produktionsunternehmen Skydance zu bekommen“, heißt es vom 59-Jährigen, der über Redefreiheit in Kunst und Comedy forscht. FCC meint dabei die Abkürzung für Federal Communications Commission. Die unabhängige Behörde mit Sitz in Washington, D.C., regelt die Kommunikationswege Rundfunk, Satellit und Kabel.
Damit die Genehmigung erteilt wird, dürfte CBS die Trump-Regierung nicht verärgern, so Berlinerblau. Auf Kosten der Kunst- und Redefreiheit, könnte CBS durch das Absetzen von Trump-Kritiker Colbert letztlich bessere Karten bei der US-Regierung haben.
Beunruhigend für den Professor, der es wie folgt formuliert: „Comedy ist eine Art Frühindikator für den Zustand der Redefreiheit in einer Demokratie. Und das ist gerade kein guter Moment“.
Quelle: tagesschau.de
Obwohl Medienrechtsexperten Paramount in einer starken Position sahen, willigte der Konzern in einen Vergleich über 16 Millionen Dollar ein. Paramount ist derzeit auf die Zustimmung der US-Regierung für einen länger verhandelten Eigentümerwechsel angewiesen. Colbert kommentierte den Vergleich in seiner Sendung als „eine große, fette Schmiergeldzahlung“. Möglicherweise zu viel der Kritik.
„Hat noch weniger Talent als Colbert“: Donald Trump droht Moderator Jimmy Kimmel
Zum Hintergrund: Auch Kimmel hat sich immer wieder kritisch zum US-Präsidenten geäußert. Unmittelbar nach dem Wahlsieg Trumps im November 2024 zeigte sich der Moderator in seiner Late-Night-Show sichtlich ergriffen. Mit Tränen in den Augen und immer wieder um Stimme ringend, polterte Kimmel in seinem Eröffnungs-Monolog los: „Es war eine schreckliche Nacht für Frauen, für Kinder, für Hunderttausende von hart arbeitenden Einwanderern, die das Land am Laufen halten“.
Im Folgenden äußerte sich Kimmel süffisant über Trumps Ehefrau Melania, scherzte über Manipulation bei der Wahl und sprach von „liebenswerten Milliardären wie Elon Musk“, denen der Wahlsieg Trumps zugutekommen dürfte. Der Tech-Milliardär hatte eine Zeit lang eine Position in der Trump-Regierung inne. Mittlerweile wandelt Musk jedoch wieder auf eigenen Pfaden und will sogar eine eigene Partei gründen.
„Wir werden einfach lauter sein“: Wie US-Promis auf das Aus der Colbert-Show reagieren
Spätestens seit dem erneuten Wahlsieg Trumps gelten die in den USA sehr beliebten Late-Night-Shows als eines der wichtigsten Mittel, um dem Rechtspopulismus – wie er auch vom US-Präsidenten propagiert wird – kritisch zu begegnen. Während traditionelle Medienformate wegen der vielen Unwahrheiten und Verzerrungen der Realität bei der Berichterstattung über Trump an ihre Grenzen stoßen können, setzen die Comedy-Talker ihm bissigen Spott entgegen, der Trump vor dem Publikum der Lächerlichkeit preisgibt.
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Da ein Stephen Colbert dies in Perfektion zu leisten wusste, zollen ihm Weggefährten, aber auch diverse Schauspieler-Größen ihren Respekt. „Ich liebe dich“, heißt es von Kimmel, während Moderator Jimmy Fallon „völlig schockiert“ sei. Schließlich wäre Colbert einer der schlausten und lustigsten Moderatoren überhaupt.
Schauspieler Ben Stiller beklagte auf X die Absage „einer der besten Shows“ beim CBS, „Severance“-Star Adam Scott sprach von „absolutem Blödsinn“. Oscar-Preisträgerin Jamie Lee Curtis wiederum drückte ihren Unmut am Rande einer Veranstaltung in Los Angeles aus. Man würde versuchen, Leute zum Schweigen zu bringen. „Aber das funktioniert nicht. Wir werden einfach lauter sein“, so Curtis.
Aus auch für Kimmel? Warum der Moderator auf Donald Trump Acht geben muss
Doch gibt es noch eine Zukunft für Lautsprecher in US-amerikanischen Late-Night-Shows? Laut Jacques Berlinerblau, Professor an der Georgetown University in Washington und über Redefreiheit in Kunst und Comedy forschend, müsse sich Kimmel vorsehen. Seine Late-Night-Show wird auf ABC ausgestrahlt, der Sender gehört seit Mitte der 90er-Jahre zur Walt Disney Company. Und: „Wir haben gelernt, dass man solchen Unternehmen nicht trauen kann. Sie werfen dich vor einen fahrenden Bus, wenn sie müssen“, lautet die Einschätzung von Berlinerblau gegenüber tagesschau.de.
Weniger Bissigkeit von Late-Night-Shows-Host in den USA erwarte der Professor deswegen aber nicht. Schließlich seien Comedians extrem mutig und würden sogar noch weiter Witze machen, wenn ihnen jemand eine Pistole an die Schläfe hält. Am Abzug? Womöglich Donald Trump. (han mit dpa)