„Altes Mantra verstärkt“

Für Putin hat „Kalter Krieg nie geendet“: Ex-Minister erklärt Russlands radikales Vorgehen im Ukraine-Krieg

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Ex-Außenminister Kosyrew glaubt nicht, dass ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs Putin besänftigen wird. Das Gegenteil sei wahrscheinlich.

Moskau – In Riad haben die USA und Russland Gespräche zur Beendigung des Ukraine-Kriegs begonnen. Lange schien es undenkbar, mit Moskau über Frieden zu sprechen. Wladimir Putin präsentierte sich stets kompromisslos. Auch jetzt besteht die Sorge, dass Initiator Donald Trump einem Deal zu den Bedingungen des Kremlchefs zustimmen könnte.

Russischer Ex-Außenminister glaubt nicht, dass Frieden im Ukraine-Krieg Putin stoppen wird

Zuletzt ging es recht schnell. Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz (SiKo) vermeldete der US-Präsident einen ersten Coup. Nach einem Telefonat mit Putin einigte man sich darauf, Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs aufzunehmen. Schon kurz nach der SiKo sitzen die USA und Russland in Riad an einem Tisch. Weder Vertreter der Ukraine noch Europas sind dabei. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte bereits deutlich, keine Vereinbarung ohne Beteiligung Kiews zu akzeptieren.

Der frühere russische Außenminister Kosyrew glaubt nicht, dass ein Frieden in der Ukraine Putin stoppen wird.

Bei dem Tempo und der Konstellation wird man den Verdacht nicht los, dass Trump bereits im Vorfeld der Ukraine-Gespräche Putin Zugeständnisse gemacht haben könnte. So dämpfte etwa US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in Brüssel die Hoffnung Kiews auf einen NATO-Beitritt oder die Wiederherstellung der Grenzen von vor 2014, als Russland die Krim annektierte. Aussagen, die in Russland das Selbstvertrauen offenbar steigern. Im russischen Staatsfernsehen etwa drohte der Politikwissenschaftler Sergej Michejew Nato-Hauptstädten mit einem Angriff.

Ukraine-Krieg: Kosyrew befürchtet weitere Eroberungen durch Putin

Das dürfte auch Putin schmecken und ihn bei der Verfolgung seiner Ziele ermutigen. „Für Putin haben der Kalte Krieg und seine Ziele nie geendet: die NATO zu unterminieren, die USA und Europa zu spalten und Osteuropa zu unterwerfen“, sagte der russische Außenminister unter Präsident Boris Jelzin, Andrej Kosyrew, der Financial Times.

Wladimir Putin: Das Macho-Image des russischen Präsidenten

Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause.
Wladimir Putin in einem camouflage-farbendem Tauchanzug während eines Ausflugs in der russischen Republik Tuwa in Sibirien im Jahr 2017. Das Foto zeigt den russischen Präsidenten während einer Verschnaufpause. © Alexei Nikolsky/Imago
Ebenfalls im sibirischen Tuwa ist dieses inzwischen weltbekannte Foto entstanden, welches Wladimir Putin beim Reiten in den russischen Bergen zeigt. Mal wieder inszeniert sich der Kreml-Chef besonders männlich und zieht vor der Kamera prompt das Shirt aus. Das Bild liegt allerdings schon einige Jahre zurück: entstanden ist es 2009.
Ebenfalls im sibirischen Tuwa ist dieses inzwischen weltbekannte Foto entstanden, welches Wladimir Putin beim Reiten in den russischen Bergen zeigt. Mal wieder inszeniert sich der Kreml-Chef besonders männlich und zieht vor der Kamera prompt das Shirt aus. Das Bild liegt allerdings schon einige Jahre zurück: entstanden ist es 2009. © Imago
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen.
Wladimir Putin während einer Trainingssession in Sotschi im Jahr 2019. Der russische Präsident gilt als großer Judo-Fan und hat im Jahr 2000 in Tokio den Titel des sechsten Dan des „Kodokan-Judo“ verliehen bekommen. © Mikhail Metzel/Imago
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen.
Selbst wenn sich der Kreml-Chef nahe den Gewässern Russlands erholt, sind die Kameras der russischen Staatspresse nicht weit entfernt. Schnappschüsse von einem schwimmenden Wladimir Putin, wie hier im Jahr 2017, würde ihnen sonst glatt entgehen. © Alexei Nikolsky/Imago
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben.
Bekleidet mit olivgrüner Jagdhose und einem dazu passenden Sonnenhut präsentiert sich Wladimir Putin beim Angeln in den sibirischen Bergen im Jahr 2017. Geht es nach dem russischen Präsidenten, hat der Oberkörper aber freizubleiben. © Aleksey Nikolskyi/Imago

Der russische Präsident habe sich von seinen Zielen, die NATO-Erweiterung zu unterbinden und die Ukraine in einen gescheiterten Staat zu verwandeln, nie abbringen lassen, analysierte Kosyrew, der Putin in der Vergangenheit widersprach. „Da ihm schon vor den Gesprächen territoriale und strategische Belohnungen zugesprochen werden, wird er ermutigt, weitere Eroberungen zu unternehmen und über weitere demütigende Zugeständnisse zu verhandeln, die er erreichen könnte. Damit wird das alte Mantra des Kremls vom schwachen demokratischen Westen verstärkt“, befürchtete Kosyrew. (mt)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Mikhail Metzel

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