VonMarcus Giebelschließen
Im Ukraine-Krieg werden die Verteidiger erfinderisch. An der Gegenoffensive nimmt auch ein Hybrid aus erbeuteten russischen Panzern teil.
Saporischschja – Er ist ein Unikat im Ukraine-Krieg – zumindest noch. Denn beim BMPT-62 Terminator handelt es sich um ein Kampffahrzeug Marke Eigenbau, das die Ukrainer einem Bericht des US-Magazins Forbes zufolge derzeit bei der Gegenoffensive zum Einsatz bringen. Zusammengebaut wurde das auch Frankensteins Monster genannte Vehikel aus erbeutetem russischen Kriegsgerät.
Demnach besteht der Hybrid aus dem 41 Tonnen wiegenden Rumpf eines sowjetischen T-62, der Turm wurde von einem ebenfalls sowjetischen BMP-2-Infanterie-Kampffahrzeug entwendet und verfügt über eine 30-Millimeter-Bordkanone. Verstärkt wurde die Hülle zudem mit einer Kontakt-1-Reaktivpanzerung. Er ist also eine wahre Wunderwaffe.
Ukrainische Wunderwaffe: BMPT-62 Terminator nimmt an Gegenoffensive teil
Der BMPT-62 Terminator untersteht dem Bericht zufolge dem Befehl der 128. Gebirgsjägerbrigade. Die Elite-Einheit kämpft im Süden und zählte bereits bei der ersten Gegenoffensive im Herbst zur Vorhut. Nun soll sie sich an der Front in der Oblast Saporischschja befinden, östlich vom Kachowkaer Stausee, dessen Staudamm Anfang Juni gesprengt wurde.
Mit seinem bislang einmaligen Aussehen gilt der BMPT-62 Terminator als ukrainische Antwort auf den russischen BMPT Terminator, der ebenfalls sehr selten ist. Diese Kreml-Kämpfer seien wegen der zu schmalen Kanonen keine Panzer, sie gelten wegen der fehlenden Truppen-Transportmöglichkeiten auch nicht als Infanterie-Kampffahrzeuge. Allerdings würden sie die genannten Verbündeten eskortieren und für eine schnelle Feuerkraft sowie dicke Panzerung stehen. An Bord ist nur Platz für den Kommandeur, den Schützen und den Fahrer.
Ukraine-Krieg: Russland hat nur wenige BMPT Terminator im Einsatz - einer zerstört
Allerdings skizziert Forbes den Weg, um in dem Gefährt Platz für Passagiere zu schaffen. Dafür müssten jedoch der Panzerturm und das große Geschütz entfernt werden. So würde in der Wanne ein großer Raum frei werden, der zuvor von der Turmbühne und dem Munitionslager belegt war. Wird der Motor dann vorgezogen und hier verbaut, besteht im hinteren Teil leerer Raum. Dann werden nur noch Sitze und Luken benötigt.
Die Basis des russischen BMPT Terminator stellt ein 49 Tonnen wiegender T-72 dar. Er gilt im Vergleich zu seinem ukrainischen Pendant als besser geschützt und armiert, verfügt über gleich zwei Kanonen im Turm. Von dem Modell sollen jedoch nur neun oder zehn Exemplare gebaut worden sein. Allesamt seien mit der 90. Panzerdivision in die Ukraine geschickt worden, hätten in den Wäldern von Kremmina nahe Lyssytschansk im Donbas gekämpft. Als sie in einem Reparaturdepot standen, sei einer von ihnen im Februar von ukrainischer Artillerie zerstört worden.
⚡️Ukraine created a new vehicle, the BMPT-62.
— War Monitor (@WarMonitors) June 5, 2023
Combination of the body of the T-62 tank and the turret from the BMP-2. pic.twitter.com/mBaA1Ocx0M
Ukraine baut sich BMPT-62 Terminator: Moderator bezahlt Ingenieure über seine Stiftung
Für die Bezahlung der ukrainischen Ingenieure, die den BMPT-62 Terminator konstruierten, kam die Stiftung des ukrainischen Moderators und Schauspielers Sergei Pritula auf. Er ist bekannt dafür, seit Kriegsbeginn Geld für die Armee seines Heimatlandes einzusammeln.
Womöglich gibt es in gar nicht so ferner Zukunft mehr BMPT-62 Terminator der Ukrainer als BMPT Terminator der Russen. Material hätten die Verteidiger genug angesammelt. Sie sollen 45 T-62 und Hunderte BMP-2 erbeutet haben. Zwar seien einige der Panzer schon anderweitig weiterverarbeitet worden, aber für ein paar Dutzend Nachbauten des BMPT-62 Terminator sollte es noch immer genügen. (mg)
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