Midterms in den USA

Kari Lake: Trumps Kandidatin verliert und tritt bei Midterms nach

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Ein Bild aus fröhlicheren Tagen: Kari Lake mit Donald Trump, vor ihrer Niederlage bei den Midterms.
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Kari Lake unterliegt bei den Midterms ihrer demokratischen Konkurrentin. Die Trump-Vertraute will das nicht akzeptieren.

Update vom 15.11.2022, 10.24 Uhr: Kari Lake hat ihre Wahl bei den Midterms verloren. Die ehemalige TV-Moderatorin wird nicht die nächste Gouverneurin Arizonas - trotz der Unterstützung Donald Trumps. Auch wenn noch nicht alle Stimmen in dem Bundesstaat ausgezählt sind, steht laut mehrerer US-Medien fest: Katie Hobbs hat das Rennen gewonnen.

Doch Kari Lake wäre keine Kandidatin Donald Trumps, wenn sie eine Wahlniederlage einfach so akzeptieren würde. Via Twitter schrieb sie an ihre Fans und alle, die es hören wollten: „Arizonans know BS when they see it“. (Arizoner erkennen Quatsch, wenn sie ihn sehen). Doch statt Unterstützung ihrer Landsleute bekam Lake vor allem Häme zu hören. Es sei „die beste Konzessionsrede überhaupt“, schrieb beispielhaft eine Twitter-Nutzerin.

Weg frei für Trump: Haley steigt aus US-Vorwahlkampf aus

Donald Trump will wieder US-Präsident werden
Nun ist es raus: Donald Trump will 2024 erneut als US-Präsident antreten. Dann wird der Milliardär aus New York 78 Jahre alt sein. Trump hatte das Amt 2017 bis 2021 inne, verlor 2020 aber die Wahl und musste auf eine zweite Amtszeit verzichten. Die soll nun im dritten Anlauf gelingen. Trump wäre erst der zweite Präsident in der Geschichte der USA, dem ein solches Comeback gelingen würde. © Andrew Harnik/dpa
Nikki Haley tritt als US-Botschafterin bei der UN zurück und 2024 vielleicht noch einmal an
Nikki Haley war Trumps letzte verbliebene Rivalin. Doch am Ende zog auch sie sich aus dem parteiinternen Rennen um die US-Präsidentschaft zurück. Nach ihrer Serie von Niederlagen am Super Tuesday verkündete Haley ihren Ausstieg. Die ehemalige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolinas wechselt ihre Haltung zu Donald Trump wie andere Leute die Kleidung. Als Botschafterin Trumps bei den Vereinten Nationen war sie enge Vertraute des Ex-Präsidenten, nach dem Sturm aufs Kapitol distanzierte sie sich. Dann sagte sie, sie werde nicht kandidieren, sollte Trump erneut antreten. Haley gilt als Establishment-Republikanerin, die für möglichst geringe Sozialausgaben, niedrige Steuern und eine aggressive Außenpolitik steht. © Evan Vuccid/dpa
Floridas Gouverneur Ron de Santis spricht nach dem Sieg bei den Midterms zu seiner Anhängerschaft
Als härtester Konkurrent für die Nominierung bei den Republikanern für die US-Wahl 2024 galt lange Ron DeSantis. Der Gouverneur Floridas feierte bei den Midterms einen klaren Sieg und wurde von der Wählerschaft im Amt bestätigt. Er galt als der Hoffnungsträger in der Partei. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung hat er aber inzwischen aufgegeben. DeSantis hatte sich in der Vergangenheit als Trump-Fan inszeniert, geht mittlerweile aber auf Distanz zum Ex-Präsidenten. Hier zu sehen ist der Politiker mit seiner Frau Casey DeSantis und den drei gemeinsamen Kindern. © IMAGO/Luis Santana
Der erfahrene Politiker Asa Hutchinson tritt als Anti-Trump-Kandidat an
Er war bereits Staatsanwalt, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, Behördenleiter der Anti-Drogenbehörde DEA und Gouverneur des Bundesstaates Arkansas. Jetzt wollte Asa Hutchinson 2024 republikanischer Präsidentschaftskandidat werden, doch nach der Vorwahl in Iowa zog er seine Kandidatur zurück. Hutchinson trat als Alternative zu Donald Trump an, denn seines Erachtens sollte dieser „nicht der nächste Anführer unseres Landes sein“. Hutchinson forderte Trump auf, seine Kandidatur aufgrund der Anklage gegen ihn in New York zurückzuziehen – eine Sicht, die die republikanische Wählerschaft nicht teilt. © SCOTT OLSON / AFP
Vivek Ramaswamy, Trump-Fan mit Anti-Woke-Agenda
Vivek Ramaswamy hatte Großes vor. Der 38-jährige, rechtslibertäre Tech-Unternehmer mit indischen Wurzeln wollte US-Präsident werden. Nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei der Vorwahl in Iowa warf er aber das Handtuch und empfahl, Trump zu Wählen. Der Trump-Fan sieht die USA in einer „nationalen Identitätskrise“ und fordert eine „nationale Wiederbelebung“. Dazu will er z.B. das FBI und das Bildungsministerium abschaffen. Er wolle Trumps „America-First-Aganda auf die nächste Stufe bringen“.  © Anna Moneymaker / AFP
US-Wahl 2024: Ehemaliger Trump-Vertrauter Christie will ins Weiße Haus
Chris Christie hatte auch noch einmal Ambitionen auf das Weiße Haus angemeldet. Der frühere Gouverneur des US-Bundesstaats New Jersey war einst ein enger Vertrauter von Donald Trump, hat sich aber mittlerweile von ihm losgesagt und kritisiert ihn sogar öffentlich. So bezeichnete er den früheren Präsidenten wegen dessen Haltung zum Ukraine-Krieg als „Feigling“ und „Marionette“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Christie wollte 2016 schon einmal Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, zog nach schlechten Ergebnissen bei den Vorwahlen aber zurück. Diesmal gab er bereits vor den Vorwahlen der Republikaner auf. © Charles Krupa/dpa
Zu den krassen Außenseitern zählt auch Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt.
Zu den krassen Außenseitern zählte von Beginn an Douglas James „Doug“ Burgum, der hier im Juli 2023 bei einer Veranstaltung in Iowa um Stimmen wirbt. Der Republikaner, der am 4. Dezember aus dem Rennen ausstieg, ist seit dem 15. Dezember 2016 Gouverneur von North Dakota. Vor seiner politischen Karriere war er Softwareunternehmer, Microsoft-Manager und Risikokapitalgeber. Im April unterzeichnete Burgum ein Gesetz, das Abtreibungen in der sechsten Schwangerschaftswoche verbietet. Zudem hat er zahlreiche Gesetze unterzeichnet, die die Rechte von trans Menschen einschränken. © SCOTT OLSON/afp
Senator Tim Scott aus dem Bundesstaat South Carolina begreift seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen als Verkörperung des amerikanischen Traumes. In einem im April veröffentlichten Video spricht er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und fordert mehr Optimismus. Scott betont darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nennt er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung.
Tim Scott (blaues Hemd) hat sich aus dem Rennen um die Kandidatur verabschiedet. Am 12. November zog der Senator aus South Carolina seine Kandidatur zurück. In einem im April veröffentlichten Video sprach er sich gegen eine Politik der Spaltung aus und forderte mehr Optimismus. Scott betonte darin auch seine Religiosität und seinen Wunsch, die konservativen Werte Amerikas zu verteidigen. Als Beispiele nannte er etwa den Schutz der Grenzen und der Kampf gegen Abtreibung. Seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen begreift Scott als Verkörperung des amerikanischen Traumes.  © ALLISON JOYCE
Mike Pence könnte 2024 bei der US-Wahl für das Amt des Präsidenten kandidieren.
Ausgestiegen ist auch Trumps ehemaliger Vizepräsident. „Dies ist nicht meine Zeit“, sagte Mike Pence am 28. Oktober 2023. Pence war in Umfragen weit abgeschlagen und hatte Medienberichten zufolge Probleme bei der Beschaffung von Geldern für seine Kampagne. „Wir wussten immer, dass dies ein harter Kampf sein würde, aber ich bereue nichts“, erklärte Pence. Mit kritischen Kommentaren nach den Midterms hatte sich der ultrakonservative Pence für einen möglichen Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei in Stellung gebracht. © IMAGO/Aimee Dilger
Larry Elder ist 2024 der erste schwarze Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern
Am 26. Oktober zog sich Larry Elder zurück. Schon bei seinem ersten Versuch als Politiker war er gescheitert: 2021 versuchte der rechte Radiomoderator und Rechtsanwalt erfolglos, Kaliforniens demokratischen Gouverneur Gavin Newsom abzulösen. Elder vertritt rechtsradikale Ansichten, wie ein Abtreibungsverbot, glaubt, dass an Grenzen „Mauern funktionieren“, Antirassismus sowie Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion hingegen nicht. © SCOTT OLSON / AFP
Perry Johnson ist im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur.
Am 20. Oktober zog sich auch Perry Johnson aus dem Wahlkampf zurück. Er war im Grunde der republikanische Antipolitiker im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Aufgefallen war der Unternehmer zuvor nur im Jahr 2022, als er für das Amt des Gouverneurs in Michigan kandidieren wollte. Wegen unsauberer Machenschaften wurde er allerdings von den republikanischen Vorwahlen vorzeitig ausgeschlossen. Johnson positionierte sich im Wahlkampf gegen Abtreibungen. Zudem kritisierte er die Höhe der Hilfsgelder, die die USA der Ukraine zur Verfügung stellen. Zugleich stellte Johnson aber klar, dass er Wladimir Putin nicht vertraue. © SCOTT OLSON/afp
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung sind bisher Ryan Binkley, Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez.
Weitere Kandidaten im Kampf um die Bewerbung waren auch Will Hurd, Corey Stapleton und Francis Suarez. Auch sie haben ihre Kandidatur bereits wieder zurückgezogen. Im Rennen sind dagegen noch Ryan Binkley, John Anthony Castro und E. W. Jackson. Chancen auf eine Nominierung dürften sie allerdings kaum haben. Großer Favorit bleibt allen Anklagen und Prozessen zum Trotz weiter der frühere Präsident Donald Trump. Die Republikaner haben auf jeden Fall die Qual der Wahl. © ALLISON JOYCE/afp

Kari Lake bei den Midterms: „Ich werde zu 100 Prozent gewinnen“

Erstmeldung: Phoenix - Kari Lake lässt keinen Zweifel an ihrem Sieg aufkommen. „Ich werde zu 100 Prozent gewinnen“, sagte die 53-Jährige am Donnerstag (10. November) in einem Interview mit dem TV-Sender Fox News. „Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass ich die nächste Gouverneurin von Arizona werde.“ Das Selbstvertrauen hat sie sich wahrscheinlich von ihrem Vorbild Donald Trump abgeguckt, der sie im Wahlkampf vor den Midterms in den USA tatkräftig unterstützt hat.

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt allerdings, dass Lake hinter ihrer demokratischen Gegenspielerin Katie Hobbs zurückliegt. Der Vorsitzende der örtlichen Wahlaufsichtsbehörde, Bill Gates, sprach gegenüber CNN davon, dass das Ergebnis frühestens am 14. November vorliegen werde. Am späten Sonntagabend (13. November) waren 93 Prozent der Stimmen ausgezählt.

Midterms: Wer wird Gouverneurin in Arizona?

Kari Lake (R)Katie Hobbs (D)
49,6 %50,4 %

(Quelle: CNN)

Midterms: Kari Lake schürt Zweifel am Wahlausgang in Arizona

Die Verzögerung bei der Bekanntgabe der Ergebnisse in Arizona aufgrund von Problemen mit den Wahlmaschinen im bevölkerungsreichen Wahlbezirk Maricopa County kommt Lake natürlich gut zupass, um in typischer Trump-Manier Stimmung zu machen. Schon am Wahlabend hatte sie so richtig vom Leder gezogen und davon gesprochen, dass die Wahlleitung in Arizona nur aus „Betrügern, Gaunern, inkompetenten Leuten und Propagandisten“ bestehe. In den Tagen nach der Wahl machte Lake dann die Runde durch die rechten Medien und bezeichnete die Verantwortlichen rundheraus als „Schwachköpfe“.

„Wir werden das gewinnen“, verkündete sie schließlich trotzig in der „The Charlie Kirk Show“, um dann den Demokraten noch klarzumachen, wer in Arizona das Sagen hat: „Und es gibt verdammt noch mal nichts, was sie dagegen tun können.“ Die Antwort ihrer Rivalin fiel entsprechend aus: „Diese Wahl wird von den Wahlberechtigten bestimmt, nicht von der Lautstärke, mit der eine verwirrte ehemalige Fernsehjournalistin Verschwörungstheorien rausschreien kann“, schrieb Katie Hobbs auf Twitter.

Midterms in den USA: Kari Lake ist glühende Anhängerin von Donald Trump

Kari Lake, die zehn Jahre lang als Moderatorin bei Fox 10 News in Phoenix arbeitete, ist eine glühende Anhängerin von Donald Trump. Sie setzt sich gegen das Recht auf Abtreibung ein, will die von Trump angekündigte Mauer zu Mexiko zu Ende bauen und in den Schulen die Aufklärung zu Gender-Themen in den unteren Schulstufen verbieten. Dass sie den Demokraten ganz allgemein eine „dämonische Agenda“ vorwirft, dürfte da nicht weiter verwundern.

Vor allem aber zählt sie auch zu jenen, die Trumps unbegründete Behauptungen stützen, Joe Biden habe die Präsidentschaftswahl 2020 durch massiven Wahlbetrug „gestohlen“. Mit Trumps Hilfe ist sie inzwischen zu einem aufstrebenden Star bei den Republikanern geworden. Insider spekulierten bereits, dass sie 2024 Trumps Vizepräsidentschaftskandidatin werden könnte. „Sie können mich jeden Tag Trump in einem Kleid nennen“, sagte sie bei einer Kundgebung vor den Midterms und machte sich Vergleiche mit dem ehemaligen Präsidenten zu eigen.

Doch vielleicht gereicht Lake ihr Enthusiasmus nach den Midterms zum Nachteil. Immerhin ist Trump nach den relativ schlechten Ergebnissen offenbar nicht mehr der unangefochtene Herrscher bei den Republikanern, die sich gerade selbst zu zerfleischen beginnen. Viele machen Trump für ihre Niederlage verantwortlich, selbst enge Verbündete wenden sich von ihm ab. Und was ist, sollte Lake die Wahl in Arizona tatsächlich verlieren? Dann könnte ihre kometenhafter Aufstieg ein jähes Ende finden. (Christian Stör)

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