Merz historisch unbeliebt – doch neue Umfrage könnte dem Kanzler Hoffnung machen
VonFelix Durach
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Trotz des ausgerufenen „Herbst der Reformen“ befindet sich Kanzler Merz im Umfragetief. Doch eine neue Umfrage könnte dem CDU-Chef Hoffnung machen.
Berlin – Die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) steht knapp ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt bereits massiv unter Druck. Koalitionsinterne Streitigkeiten und ein bis zu der Kabinettssitzung in dieser Woche quasi ausgebliebener Herbst der Reformen hatten bei den Wählerinnen und Wählern offenbar zu Unzufriedenheit geführt. Die Folge: Während die AfD in den Umfragen weiter klettern und an der Union vorbeiziehen konnte, litten vor allem auch Zustimmungswerte des Kanzlers und seiner Regierung und sorgten für böse Erinnerungen an die gescheiterte Ampel. Doch eine neue Umfrage könnte den Bundeskanzler durchatmen lassen.
Den Daten zufolge, die das Meinungsforschungsinstitut INSA im Auftrag der Bild-Zeitung erhoben hat, könnte Merz der Anfang einer kleinen Trendwende gelungen sein. Erstmals seit Mitte August stiegen die Zustimmungswerte für die Arbeit des Bundeskanzlers wieder – wenn auch auf einem überschaubaren Niveau. 27 Prozent der Befragten gaben an, mit der Arbeit von Friedrich Merz als Bundeskanzler zufrieden zu sein. Bei der letzten Erhebung im September gab es mit gerade einmal 23 Prozent einen neuen Tiefwert. 62 Prozent gaben jedoch an, nach wie vor unzufrieden mit der Arbeit des Regierungschefs zu sein. Im Vormonat gaben das noch 65 Prozent an – für Merz ebenfalls ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Elf Prozent wollten sich bei der Befragung nicht festlegen.
Ampel-Erinnerungen werden wach: Merz kämpft gegen Beliebtheitswerte – AfD in Umfrage weiter vorne
Merz und sein Kabinett haben bereits seit längerer Zeit mit schlechten Umfragewerten zu kämpfen und mussten sich immer wieder Vergleiche mit der Ampel-Koalition gefallen lassen. Das Bündnis unter Altkanzler Olaf Scholz (SPD) war von der Union im Wahlkampf wiederholt als schlechteste Regierung aller Zeiten bezeichnet worden. Merz selbst nannte seinen Vorgänger während einer Bundestagsdebatte einen „Klempner der Macht“. Sechs Monate nach der Bundestagswahl 2025 ist die Regierung jedoch in der harten Realität angekommen und weist zum Teil deutlich schlechtere Zustimmungswerte als die Ampel in ihrer Anfangszeit auf.
Auch wenn Merz der neuen Umfrage nach auf eine Trendwende hoffen darf, bleibt der Blick auf die Sonntagsfrage weiterhin ernüchternd für CDU und CSU. Die Union kommt in der INSA-Erhebung nach wie vor nur auf 24 Prozent der Stimmen und wäre somit – sollten am kommenden Sonntag Bundestagswahlen sein – nur zweitstärkste Kraft hinter der AfD. Die Rechtspopulisten führen das Feld nach wie vor mit 26 Prozent an. Auf Platz drei folgt die SPD (14 Prozent) vor Grünen (12 Prozent) und Linkspartei (11 Prozent).
Partei
Umfragewert in Prozent (Veränderung)
Union
24
AfD
26
SPD
14
Grüne
12 (+1)
Linke
11 (-1)
BSW
4
FDP
4
Sonstige
5
Das Meinungsforschungsinstitut INSA hat im Auftrag der Bild zwischen dem 6. und 10. Oktober 1224 Menschen befragt. Die maximale Fehlertoleranz liegt bei +/-2,9 Prozentpunkten
Merz-Regierung drückt bei Reformen aufs Gas – „geht jetzt Schlag auf Schlag“
Merz hat seine Regierung erst am Donnerstag gegen Kritik der Zögerlichkeit verteidigt und eine hohe Schlagzahl bei Reformen in Aussicht gestellt. „Das geht jetzt Schlag auf Schlag“, sagte der CDU-Politiker im „heute journal“ des ZDF. „Der Herbst der Reformen hat längst angefangen.“ Merz verwies unter anderem auf die abgeschaffte „Turbo-Einbürgerung“ sowie die Aktivrente, die bereits nächste Woche ins Kabinett komme. Zudem einigte sich die Koalition in dieser Woche bei Streitthemen wie der E-Auto-Förderung oder dem Bürgergeld.
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Merz verteidigte sich auch gegen den Vorwurf, die großen Themen würden nicht oder zu zögerlich angegangen. So werde die Rentenkommission bereits im nächsten Jahr ihre Vorschläge unterbreiten und damit früher als geplant. Ende 2026 solle dann ein Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen werden. „Also noch einmal, das geht jetzt ganz zügig, und ich kann teilweise mich wirklich nur ein bisschen amüsieren über die Kritik, die jetzt geübt wird.“ Ob dieser Eindruck sich auch im Empfinden der Wähler widerspiegelt, werden die Umfragen der kommenden Wochen zeigen. (Quellen: dpa, Bild, ZDF) (fdu)