Kardinal Müller aus Deutschland zu China: Kommunisten als „Feinde der Menschheit“
VonBabett Gumbrecht
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Als einer der schärfsten Kritiker von Papst Franziskus, hofft der deutsche Kardinal, dass der zukünftige Papst bedachter mit Peking interagiert.
Rom – Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller erwartet von einem neuen Papst, dass dieser den Umgang mit China überdenkt. Der am Ostermontag gestorbene Papst Franziskus hatte sich in seinem Pontifikat stets für den Dialog mit Peking eingesetzt und sogar ein Abkommen mit China geschlossen.
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Hintergrund: 2018 hatten der Vatikan und Peking ein Geheim-Abkommen über die Ernennung von Bischöfen unterzeichnet und seitdem regelmäßig verlängert. Der genaue Inhalt des in Peking unterzeichneten Abkommens ist aber bis heute nicht bekannt. Es solle das Ernennungsverfahren von Bischöfen dahingehend ordnen, dass diese künftig „in Gemeinschaft mit Rom stehen, aber zugleich von der chinesischen Regierung anerkannt sind“, erklärte damals Vatikansprecher Greg Burke.
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Müller, einer von Franziskus‘ prominentesten Kritikern, verurteilte die Beziehung zu China in einem Gespräch mit der Tageszeitung La Repubblica hingegen scharf und sprach über die Zukunft des Abkommens: „Wir müssen mit diesen mächtigen Diktatoren Kompromisse eingehen, aber wir dürfen die Grundsätze unseres Glaubens nicht verraten. Wir können nicht akzeptieren, dass atheistische Kommunisten, Feinde der Menschheit, unsere Katechismusbücher schreiben oder das Bild von Xi Jinping in die Kirchen bringen“, so Müller. Man könne nicht akzeptieren, dass die Kommunisten Bischöfe ernennen.
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Bevor aber neue Bischöfe oder gar der neue Papst ernannt wird, findet am Samstag erstmal die Beisetzung von Papst Franziskus statt. Vor diesem Weltereignis sind bereits zahlreiche politische Gesten Thema. Darunter auch jene aus China. Denn bei der Trauerfeier für Johannes Paul II. 2005 sendet China, wie Russland, niemanden nach Rom. Das könnte sich nun wiederholen. Das Verhältnis zwischen Vatikan und China ist angespannt – insbesondere wegen der diplomatischen Anerkennung Taiwans durch den Heiligen Stuhl.
Wir können nicht akzeptieren, dass atheistische Kommunisten, Feinde der Menschheit, unsere Katechismusbücher schreiben.
„Wenn Taiwan teilnimmt, bleibt China fern“, so der Historiker René Schlott. Er ergänzt: „Ich bin gespannt, ob bei chinesischer Teilnahme nicht auch katholische Kirchenvertreter ihre Anwesenheit verweigern würden.“ Denn mit dem Annäherungskurs des verstorbenen Papstes an das kommunistische China sind innerhalb der Kirche längst nicht alle einverstanden.
Derweil hat der US-Präsident Donald Trump seine Teilnahme an der Beisetzung angekündigt.
Deutscher Kardinal appelliert an neuen Papst: Islam-Dialog soll überdacht werden
Darüber hinaus erwartet Müller von einem neuen Papst, dass dieser den Umgang mit dem Islam überdenkt. „Auf der Ebene der Vernunft können wir mit ihnen in Dialog treten: Sie respektieren bestimmte Prinzipien der natürlichen Ethik und glauben auf ihre eigene Weise an Gott“, sagte er. „Doch wir müssen uns fragen, wie es möglich ist, dass jemand, der an Gott, den Schöpfer aller Menschen, glaubt, im Namen Gottes töten kann.“
Müller sagte zudem, dass Dialoge grundsätzlich in Ordnung seien. „Aber vermeiden wir jegliche Form von Relativismus“, forderte er. Konservative Geistliche wie Müller – einst unter Papst Benedikt XVI. Präfekt des Glaubenskongregation – warnen vor Tendenzen, den katholischen Glauben durch zu viel Toleranz gegenüber anderen Religionen aufzuweichen.
Der Kurienkardinal äußerte, dass die kirchliche Lehre seiner Ansicht nach nicht zu den Stärken von Franziskus gehörte und dass es „unterschiedliche Meinungen“ zum Pontifikat gebe. „Mit Papst Benedikt herrschte vollkommene theologische Klarheit, aber jeder hat seine eigenen Charismen und Fähigkeiten, und ich denke, Papst Franziskus hatte sie eher im sozialen Bereich“, sagte er.
Wahl des neuen Papstes: 135 Kardinäle aus aller Welt stimmen anfang Mai ab
Jetzt bleibt die spannende Frage, wann Franziskus‘ Nachfolger bestimmt wird. Das Konklave beginnt vermutlich Anfang Mai – wieder in der Sixtinischen Kapelle. Wahlberechtigt sind nach aktuellem Stand 135 Kardinäle aus aller Welt unter 80 Jahren – zwei von ihnen sagten ihre Reisen nach Rom aus gesundheitlichen Gründen aber bereits ab. Aktuell sind drei deutsche Kardinäle dabei: Reinhard Marx, Rainer Maria Woelki und Müller. Noch vor dem Konklave gibt es sogenannte Generalversammlungen. Dort werden organisatorische Fragen besprochen, aber auch schon über das Profil des künftigen Papstes beraten.
Spätestens 20 Tage nach dem Tod jedoch beginnen die wahlberechtigten Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle mit der Wahl. Geleitet werden diese strengstens abgeschirmten Wahlversammlungen von Kardinal Pietro Parolin. Der Italiener wird selbst als „papabile“ gehandelt – also als jemand, der dem Papstamt gewachsen ist.
Das Konklave kann nach wenigen Stunden vorbei sein, aber auch Tage und Wochen dauern: Ein Zeitlimit gibt es nicht. Die längste Wahl begann im Herbst 1268. Erst nach zwei Jahren, neun Monaten und zwei Tagen gab es mit Gregor X. einen neuen Papst. Inzwischen geht es zügiger: Franziskus war 2013 nach etwas mehr als 26 Stunden und fünf Wahlgängen gewählt. Sein Vorgänger, der Deutsche Benedikt XVI., stand 2005 nach vier Runden fest. (bg/dpa)