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In Deutschland ist Karl Lauterbach (SPD) dabei, einen „Hitzeschutzplan“ auszuarbeiten. In anderen Ländern gibt es bereits kreative Maßnahmen gegen die hohen Temperaturen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) lädt an diesem Montag (26, Juni, 14.45 Uhr) in Berlin zu einem Fachgespräch zum Umgang mit Hitzewellen. Geladen sind Vertreter:innen von Pflege, Ärzteschaft, Kommunen, Ländern und Sozialverbänden sowie weitere Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis. Thema ist der von Lauterbach geplante „Hitzeschutzplan“.
„Mit dem Klimawandel ist das Auftreten von Hitzewellen immer wahrscheinlicher geworden. Diese beeinflussen unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft“, heißt es im Entwurf eines Impulspapiers. Vorgesehen sind darin unter anderem bessere Aufklärung und eine genauere Sammlung relevanter Daten.
Im Ausland gibt es bereits gute Ideen, um mit der Extraportion Sonnenstrahlen umzugehen. Vielleicht sollte Lauterbach sich die folgenden Hitzeschutz-Maßnahmen auch für Deutschland abschauen:
1. Sonnencreme-Spender
In den Niederlanden können Menschen in diesem Sommer an Hunderten Orten kostenlos Sonnencreme erhalten. Bereits am Wochenende vom 10. Juni 2023 war dies auf einem Festival sowie im Stadtpark der Stadt Breda der Fall, wie der öffentlich-rechtliche Sender NOS berichtete. Auf Festivals, in Schulen, Sportvereinen und Gemeinden werden Sonnencreme-Spender aufgestellt, damit jeder sich ausreichend vor der Sonne schützen kann. Das Krankenhaus Venlo-Venray etwa unweit der deutschen Grenze versorgt zusammen mit einer Krankenkasse und mehreren Gemeinden 120 Grundschulen mit Sonnencreme-Spendern.
Die Hautärztin der Klinik sei auf die Idee gekommen, die während der Corona-Pandemie aufgestellten Spender für Desinfektionsmittel nun für Sonnencreme zu nutzen, sagte die Kliniksprecherin dem NOS (ähnlich wie diese Ideen, was man mit Schutzmasken tun könnte). Insbesondere Hautkrebs ist derzeit in den Niederlanden auf dem Vormarsch. Eincremen sei der beste Schutz und wichtig sei, dass bereits Kinder sich dies angewöhnten.
2. Mehr Busse und Bahnen
Wegen der Hitzewelle, die Spanien schon im April überrollte, beschloss die spanische Regierung früher als geplant einen Hitzeschutzplan in Kraft zu setzen. Eine Maßnahme dieses Plans: Busse und Bahnen sollen häufiger fahren, um große Menschenansammlungen und Wartezeiten zu vermeiden, berichtet unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Das könnte auch in Deutschland nicht schaden – doch hier scheitert es ja schon am Deutschlandtakt, der erst 2070 kommen könnte.
3. Architektur im Mittleren Osten
In arabischen Ländern ist es noch heißer, als in Europa. Deswegen sind sie Vorbilder, wie man in Zeiten des Klimawandels bauen sollte. Die Ausstellung „Hot Cities: Lessons from Arab Architecture“ im Vitra Design Museum zeigt, was Hitze-verträgliche Architektur ausmacht: Luftzirkulation und Schattenplätze. Zukünftige Projekte sind außerdem so konstruiert, dass möglichst wenig Strahlung auf die Oberfläche tritt, um das Gebäude kühl zu halten, so wie bei den symbiotischen Türmen in den Jumeirah Gärten in Dubai.
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4. Kältesäle in Rathäusern
Der Hitzeschutzplan in Frankreich aus dem Jahr 2020 hatte viele Maßnahmen im Repertoire. Eine davon: Jedes Rathaus bietet gekühlte Räume an, in denen sich gefährdete Personen (alte Menschen, Kinder, Schwangere, Kranke) tagsüber aufhalten könne, berichtet die Zeit.
5. Wasser für Senior:innen
Eine weitere Maßnahme unseres Nachbarlands: Alten Menschen bringen Sozialarbeiter:innen bei einer Hitzewarnung für mindestens drei Tage und Nächte Wasser vorbei und beraten die Senior:innen, wie sie einen Hitzschlag vermeiden können. Laut Zeit führen französische Städte seit der Hitzewelle 2003 ein Register mit allen alleinstehenden Personen über 60 Jahren, die dann Hilfe erhalten.
6. Fahrverbote
Schon im Jahr 2018 ergriff Frankreich die drastische Maßnahme und verhängte Fahrverbote für einen Teil der Autos, die mit ihren Abgasen die Ozonbelastung verschlimmern und Städte so weiter aufheizen. In Paris und Straßburg wurden in diesem Jahr Autos verboten, die älter als zwölf Jahre sind, in Lyon durften nur Autos mit Umweltplaketten fahren, berichtet weather.com. Wäre das auch was für Deutschland, wo ein Mobilitätsgipfel am Ende eigentlich nur ein Autogipfel ist?
7. Mobile Springbrunnen
Diese Hitzeschutzmaßnahme ist in französischen Städten wie Marseille und Nizza schon seit einigen Jahren gängig: Mobile Springbrunnen sollen Passant:innen in der Innenstadt mit Wasser besprühen, um sie abzukühlen. Auch in Deutschland sollen im Zuge einer Brunnen-Offensive mehr Wassersprudler installiert werden. Die zielen aber nicht auf den äußeren, sondern den inneren Erfrischungseffekt ab: „Zugang zu Trinkwasser muss für alle Menschen in Deutschland so einfach wie möglich sein“, sagte Bundesumweltministerin Steffi Lemke 2022 laut t-online.
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(Mit Material der dpa)
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