Katholiken weltweit erzürnt über Trumps Papst-Posse – doch er selbst feiert sich dafür
VonChristoph Gschoßmann
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Für Donald Trump ist ein KI-Bild von sich als Papst ein „Spaß“. Die Gläubigen echauffieren sich darüber. Kostet Trump das Millionen an Wählern?
Update vom 7. Mai, 9.30 Uhr: US-Präsident Donald Trump hatte sich noch vor wenigen Tagen für das KI-Foto, dass ihn als Papst zeigt, gefeiert. Bei einer Veranstaltung im Weißen Haus sagte er am Dienstag (6. Mai) allerdings: „Ich hatte nichts damit zu tun.“ Jemand habe das Foto erstellt und es einfach ins Internet erstellt. Dabei wurde das Foto von Trumps offiziellem Account auf seiner Plattform Truth Social veröffentlicht. Auch das Weiße Haus verbreitete das Foto schließlich auf Truth Social weiter. „Ich weiß nicht, wo es her kam, ich habe es erst gestern Abend gesehen“, so der amerikanische Präsident. Und weiter: „Meine Frau fand es süß.“
Erstmeldung: Washington – Ein von Donald Trump geteiltes KI-generiertes Bild, das ihn als Papst zeigt, könnte ihm bei 77 Millionen Wählern Probleme bereiten. Dieses Bild stieß bei vielen Katholiken in den USA, die etwa 24 Prozent der Bevölkerung ausmachen, auf Ablehnung. Trump hatte das Bild zunächst auf seinem Truth Social-Account und später auf dem offiziellen X-Account des Weißen Hauses veröffentlicht. Dazu schrieb er: „Das wäre meine erste Wahl“ und versprach, die Amerikaner „religiöser“ zu machen. Am 7. Mai beginnt im Vatikan das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers für Franziskus.
Trump reist zur Papst-Beerdigung, aber teilt dann KI-Bild von sich als Pontifex
Am Ostermontag 2025 verstarb Papst Franziskus. Trump reiste in den Vatikan, um an der Beerdigung teilzunehmen und dem Papst die letzte Ehre zu erweisen. Dies fand bei den Katholiken in den USA zunächst Anklang, doch das geteilte Bild führte zu einem Umschwung in der Wahrnehmung seines Respekts gegenüber Franziskus und dem Amt des Papstes.
Papst-Beerdigung in Rom: Trump trägt blau, Selenskyj im Anzug
Die Katholische Konferenz des Staates New York kritisierte den Post als beleidigend und spöttisch. In einem X-Post schrieb die Gruppe: „An diesem Bild ist weder etwas Kluges noch etwas Witziges, Herr Präsident.“ Sie fügten hinzu: „Wir haben gerade unseren geliebten Papst Franziskus beerdigt, und die Kardinäle stehen kurz vor einem feierlichen Konklave, um einen neuen Nachfolger des heiligen Petrus zu wählen. Machen Sie sich nicht über uns lustig.“
„Unseriös und unfähig“: Katholiken kritisieren Trump
Michael Steele, ein römisch-katholischer Trump-Kritiker und ehemaliger Vorsitzender des Republican National Committee, äußerte sich ebenfalls kritisch. Er schrieb in einem X-Post, dass Trump in seinem Narzissmus „uns beleidigen“ wolle. „Genauer gesagt bestätigt dies, wie unseriös und unfähig er ist. Mit 78 Jahren ist er immer noch ein zehnjähriges Kind, emotional vernarbt und gebrochen, während er verzweifelt versucht zu beweisen, dass er jemand sein kann. Sein Problem: Er kann nicht erwachsen werden, um es zu beweisen.“ Auch der New Yorker Bischof Timothy Nolan, der als Freund Trumps gilt, äußerte seine Hoffnung, dass Trump „nichts damit zu tun“ habe.
Vizepräsident JD Vance, ein praktizierender Katholik, wurde ebenfalls auf das Bild angesprochen. Auf die Frage von Bill Kristol, ob er mit „dieser Respektlosigkeit und Verhöhnung des Heiligen Vaters einverstanden“ sei, antwortete Vance: „Grundsätzlich habe ich kein Problem damit, wenn Leute Witze erzählen, aber nicht damit, wenn Leute dumme Kriege anzetteln, die Tausende meiner Landsleute töten.“
Italiens Ex-Ministerpräsident: Trump „hat Freude am Clowning“
Die Gruppe „Republikaner Gegen Trump“ bezeichnete den Post als „absolut verabscheuungswürdig“. Sie schrieben: „Mehr als eine Milliarde Katholiken trauern noch immer um den Tod des Papstes, aber Trump und seine Verbündeten halten dies für den perfekten Zeitpunkt, ihren Glauben zu verspotten.“
Auch international stieß das Bild auf Kritik. Der ehemalige italienische Ministerpräsident Matteo Renzi, heute Senator für Florenz, äußerte in einem X-Post, dass das Bild „Gläubige beleidige, Institutionen beleidige und zeige, dass der Anführer der rechten Welt Freude am Clowning hat.“
Auf die Frage eines Fox-News-Reporters nach den Reaktionen der Katholiken auf das Bild antwortete Trump: „Sie meinen, die verstehen keinen Spaß? Sie meinen nicht die Katholiken, sondern die Fake-News-Medien. Die Katholiken fanden es toll. Ich hatte damit nichts zu tun. Vielleicht war es KI.“
Ein Journalist fragte, ob der Post „die Substanz des offiziellen Accounts des Weißen Hauses“ beeinträchtige. Trump entgegnete: „Lass mich in Ruhe. Schon gut. Ein bisschen Spaß muss doch sein, oder?“
Angespannte Beziehung zwischen Trump und Katholiken
Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, verteidigte Trump gegenüber AP: „Präsident Trump ist nach Italien geflogen, um Papst Franziskus die letzte Ehre zu erweisen und an seiner Beerdigung teilzunehmen. Er ist ein überzeugter Verfechter der Katholiken und der Religionsfreiheit.“
Die Beziehung zwischen Trump und der Katholischen Kirche ist derzeit angespannt. Anfang April verkündete die katholische Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten, dass die Zusammenarbeit mit der Trump-Administration vorerst ausgesetzt werde. Zuvor hatte die Regierung die Kooperation mit der Kirche bereits erheblich eingeschränkt. (cgsc)