Sudan-Konflikt

Sudan wird trotz Waffenruhe erneut angegriffen

+
Im Sudan sind vor mehr als einer Woche schwere Kämpfe zwischen dem Militär und Paramilitär ausgebrochen.jpg

In der Hauptstadtregion des Sudans hat es trotz einer seit Mitternacht geltenden Waffenruhe laut Medienberichten erneut Luftangriffen gegeben.

Khartum - Dabei soll die Stadt Omdurman, die unmittelbar an die Hauptstadt Khartum angrenzt, in den Fokus gerückt sein. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete, dass bei den Gefechten auch ein Krankenhaus getroffen wurde. Bislang gab es keine Informationen über die Anzahl von Toten oder Verletzten.

Im Sudan sind vor mehr als einer Woche schwere Kämpfe zwischen dem Militär und Paramilitär ausgebrochen. De-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan, der auch Oberbefehlshaber der Armee ist, will mithilfe des Militärs seinen Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo entmachten, den Anführer der einflussreichen paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF). Die beiden hatten die Führung des Landes am Horn von Afrika mit rund 46 Millionen Einwohnern durch zwei gemeinsame Militärcoups 2019 und 2021 übernommen. Bei den Kämpfen sind nach WHO-Informationen mindestens rund 460 Menschen umgekommen und fast 4100 verletzt worden. Die wahre Zahl dürfte deutlich höher liegen.

Bundeswehr soll Evakuierungseinsatz aus dem Sudan zügig beenden

Berlin - Die Bundeswehr soll ihren Einsatz im Sudan zur Evakuierung von Deutschen und Staatsbürgern anderer Nationen zügig beenden. Für Freitag war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bereits ein Appell zur Rückkehr der Einsatzkräfte auf dem Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen geplant.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte am Dienstag vor der Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin, ein sechster Flug werde voraussichtlich am Abend aus dem Sudan nach Jordanien gehen. «Dann war es das erstmal, soweit wir den Überblick haben. Durch das Auswärtige Amt sind damit alle, die erreichbar waren, auch erreicht worden und haben sich auf den Weg zum Flughafen gemacht.» Mit den bisherigen fünf Evakuierungsflügen seien knapp 500 Menschen ausgeflogen worden, davon etwa gut ein Drittel Deutsche.

Er bestätigte, dass die Bundeswehr seit gestern die Ko-Führung des Militärflughafens am Rande von Khartum neben den sudanesischen Streitkräften übernommen hat, um das Ein- und Ausfliegen der Länder, die ihre Staatsbürger rausholen wollen, zu koordinieren. «Und das wird jetzt noch bis morgen schätzungsweise der Fall sein», sagte Pistorius. Entscheidend sei aber auch noch, was in den nächsten Stunden und Tagen passiere.

Union sieht noch Klärungsbedarf bei Mandat für Sudan-Einsatz

Berlin - Die Union sieht noch Klärungsbedarf beim geplanten Bundestagsmandat für den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr im Sudan. Fraktionschef Friedrich Merz (CDU) sagte am Dienstag in Berlin, der von der Regierung vorgelegte Text enthalte «einige Ungereimtheiten», über die nun im Verteidigungs- und Auswärtigen Ausschuss gesprochen werden müsse. Es gehe unter anderem um Angaben zu Daten, zu denen in der Regierung Beschlüsse über den Einsatz getroffen worden seien, die so nicht stimmen könnten. «Es gibt grundsätzlich bei uns immer die Bereitschaft, Bundeswehreinsätzen zuzustimmen», betonte Merz. Aber sie müssten plausibel, nachvollziehbar und gut begründet sein.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt nannte den vorgelegten Antrag «unzureichend und ungenügend». Fragen stellten sich etwa dazu, was vor dem Einsatz am vergangenen Sonntag stattgefunden habe. Ein vorheriger abgebrochener Einsatz finde sich im Antrag nicht wieder, aber auch darüber müsse es eine Beteiligung des Bundestages geben.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte: «Ich gehe auch davon aus, dass der größere Teil des Deutschen Bundestages der nachträglichen Mandatierung nachkommt». Er sei sehr dankbar, dass die Evakuierung des größten Teils deutscher Staatsbürger im Sudan gelungen sei.

Das Parlament muss der bewaffneten Evakuierungsmission zustimmen. Die Bundeswehr und andere westliche Streitkräfte hatten zum Beginn des Einsatzes mehr als 1000 Menschen gerettet. Die Luftwaffe flog Deutsche und andere Staatsbürger aus dem afrikanischen Land aus.

Merz kritisierte auch bisherige Informationen der Regierung über den Einsatz für das Parlament. Er und Dobrindt seien über das Wochenende jedenfalls in Teilen über das Vorgehen unterrichtet worden. Diese Unterrichtung sei aber «auf dem untersten Level» geblieben, wie es gerade eben noch den Anforderungen an eine Information der Fraktionen entspreche. Die oppositionelle Union meldete auch bei dem ebenfalls für diese Woche geplanten Bundestagsmandat zur Beteiligung der Bundeswehr an einer Mission im afrikanischen Niger offene Fragen an. (dpa)

Kommentare