VonMarvin K. Hoffmannschließen
Die Cannabis-Legalisierung in Deutschland kommt. Dabei sollen auch Social Clubs helfen. In Spanien gibt es sie schon – wenn auch anders.
Barcelona – Alte und enge Gassen machen das Barri Gòtic in Barcelona zu einem mystischen Ort. Tobt dort noch der touristische Mob auf „La Rambla“, herrscht hier, ein paar Winkel und Meter weiter, eine aufgeregte Stille. Je nach Ecke vermischen sich Geräusche und Gerüche zu einem dieser spanischen Mittelmeerstadt so ganz eigenen Potpourri. Mal empfiehlt es sich, die Nase nicht zu stark in den Wind zu halten: Die Gassen laden nächtliche Wildpinkler ein, ihre Spuren auf den ehrwürdigen gotischen Trampelpfaden aus Stein zu hinterlassen. Dann wieder aber schnuppert man leckerste Düfte der zahlreichen Tapas-Bars und Streetfood-Stores – und über allem schwebt der süße Dunst des Cannabis. Was Deutschland plant, hat Spanien schon längst – zumindest annähernd: sogenannte Cannabis Social Clubs.
Cannabis-Clubs wie in Spanien? Nicht ganz, Deutschland geht einen eigenen Weg
In Deutschland sollen der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis und der Eigenanbau von maximal drei Pflanzen künftig straffrei sein. Außerdem will die Bundesregierung den Anbau und die Abgabe der Droge in speziellen Vereinen ermöglichen. Da geht aus den Eckpunkten hervor, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) am Mittwoch in Berlin vorgestellt haben. Was es mit diesen Vereinen auf sich hat, lässt sich am Beispiel Barcelonas erläutern. Vom „spanischen Modell“ war die Rede – das trifft aber nicht ganz zu, meint Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband (DHV), der die Pläne der Bundesregierung weitestgehend befürwortet.
„Spanien hat ja keine genaue gesetzliche Regelung“, gibt Wurth im Gespräch mit wa.de zu bedenken. Die Regeln auf der iberischen Halbinsel sind in etwa so verworren wie die Gassen des gotischen Viertels in Barcelona. Cannabiskonsum ist in Spanien in den eigenen vier Wänden und in eigens dafür vorgesehenen Clubs erlaubt. Oder besser: geduldet. In solchen Clubs darf nur Cannabis rauchen, wer Mitglied ist und einen monatlichen Beitrag zahlt. Sie nutzen damit eine Gesetzeslücke, die den privaten Konsum gestattet. In Barcelona und ganz Spanien finden sich viele solcher Clubs. Mal mehr, mal weniger sichtbar für die Öffentlichkeit.
Zurück ins Barri Gòtic: Neben einer kleinen Pizzeria mit Neapel-Trikot vor dem großen Steinofen ist eine unscheinbare Tür. Groß und schwarz wirkt sie eher wie ein Portal, das hier nicht ganz hinzugehören scheint. Nicht viel weist darauf hin, dass es sich hierbei um einen Cannabis-Club handelt. Eine Kamera bewacht die Pforte. Wer klingelt, wird mit einem leisen Surren hineingelassen. An einem kleinen Tresen sitzt eine freundliche Frau, begrüßt die Gäste. Hinter ihr geht es verwinkelt weiter, hier treffen sich Freunde, Bekannte und Fremde, um gemeinsam Cannabis zu konsumieren. Auskunft könne sie aber leider keine geben, erklärt die nette Dame am Tresen auf Englisch und lächelt.
Der Zugang zu Cannabis-Clubs soll in Deutschland gesetzlich geregelt werden
Die Social Clubs sind Teil der Öffentlichkeit und befinden sich doch im Verborgenen, bewegen sich im Dunstkreis irgendwo zwischen Legalität und Illegalität. „Je nach Region und Motivation der Staatsanwälte wird es anders gesehen. Das soll in Deutschland anders werden. In Deutschland soll es gesetzlich geregelt werden, in Spanien machen sie es einfach – weil man den geduldeten Eigenanbau auch gemeinsam betreiben kann. Teilweise werden sie auch kommerziell betrieben, das ist nicht Sinn der Sache“, sagt der DHV-Vorsitzende Wurth. Hier soll es klare Regeln und Transparenz geben.
Die gebe es in Bezug auf sogenannte Cannabis-Clubs bislang nur auf Malta, meint Wurth vom Deutschen Hanfverband. „Da wiederum gibt es aber keine Social Clubs, weil die Regelungen sehr restriktiv sind. Man bräuchte eine Art Mischung in Deutschland“, erklärt er. Er sieht darin einen guten Schritt, um den Grasanbau und anschließenden Cannabis-Konsum in Deutschland weiter zu entkriminalisieren. Lange hat er auf diesen Schritt gehofft – viel länger als manch ein Tourist sich in den Gassen des Barri Gòtic in Barcelona verirren kann.
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