Kinschal-Hyperschallrakete: Russlands gefürchtete Waffe verliert ihren Schrecken
VonTadhg Nagel
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Die Kinschal-Raketen gelten als Russlands stärkste Waffe. Doch ihr Mythos beginnt im Ukraine-Krieg zu bröckeln – sagen Experten.
Moskau – Die Kinschal, zu Deutsch: Dolch, eine ballistische Luft-Boden-Rakete, wird als eine der stärksten Waffen im Arsenal des russischen Militärs angesehen. Sie kann, laut russischen Behauptungen, Ziele in einer Entfernung von bis zu 2000 Kilometern erreichen, fliegt extrem schnell und hoch und kann so alle Luftabwehrsysteme umgehen. Doch wie viel Wahrheit steckt in dem Mythos der „unbesiegbaren“ Superwaffe?
Erstmals präsentiert wurde die Rakete im März 2018 durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin, und kurz darauf wurden erfolgreiche Tests gemeldet. Dies führte zu wachsender Besorgnis im Westen. „Hyperschallraketen mit ihrer neuartigen Kombination von Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit können alle gegenwärtigen Raketenabwehrsysteme überwinden und verkürzen radikal die Reaktionszeit des angegriffenen Akteurs“, so ein Bericht der Münchener Sicherheitskonferenz aus dem Jahr 2019. Es entstand die Angst, dass selbst moderne Luftabwehrsysteme dieser neuen Bedrohung nichts entgegenzusetzen hätten.
Kinschal im Ukraine-Krieg erstmals im Einsatz - Wunderwaffe wird von Patriot abgefangen
Im März 2022 gelang es den russischen Streitkräften laut eigenen Angaben, zwei ukrainische Stützpunkte im Gebiet Odessa mit Kinschal-Raketen zu treffen. Damit wurde der Ukraine-Krieg zum ersten Konflikt, in dem die Rakete zum Einsatz kam. Seitdem gab es immer mehr Berichte über Einsätze, bei denen Russland wichtige strategische Ziele treffen und die ukrainische Luftabwehr umgehen konnte.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland
Im März 2023 konnten die ukrainischen Streitkräfte erstmals eine der russischen Hyperschallraketen abfangen - ein unerwarteter Erfolg für Kiew. „Ich gratuliere dem ukrainischen Volk zu einem historischen Ereignis!“, so der ukrainische Luftwaffenkommandeur Mykola Oleschtschuk damals auf Telegram. Seitdem hat der Mythos von Putins Superwaffe Risse bekommen. Es stellte sich heraus, dass es grundsätzlich möglich ist, die Kinschal mit einem Patriot-Flugabwehrsystem abzufangen.
„Eine ballistische Rakete, die an ein Flugzeug gehängt wird“ - Kinschal doch keine Superwaffe?
Trotz der wiederholten Erfolgsmeldungen können die Raketen jedoch ein Problem darstellen. Es gibt „bei so extrem schnellen Waffensystemen wenige Abfangraketen, die eine vernünftige Chance haben“, so Gustav Gressel vom Thinktank European Council on Foreign Relations im Interview mit der ARD-„Tagesschau“. Für eine Kinschal-Rakete seien oft mehrere Abfangraketen notwendig, da das Abwehrsystem wenig Zeit habe, auf die anfliegende Bedrohung zu reagieren. Vor allem beim Munitionsverbrauch mache sich das bemerkbar.
Eine Superwaffe sei die Kinschal jedoch nicht. Im Grunde entpuppe sie sich als „nur als eine ballistische Rakete, die an ein Flugzeug gehängt wird, damit sie ihre Reichweite und ihre Endgeschwindigkeit leicht verbessert“, so Gressel. Russland könne zudem nur etwa 100 komplexere Fernkampfwaffen im Monat produzieren. Um die Chance zu erhöhen, dass ein einzelner Flugkörper durchkommt, müsse Russland die Raketen aufsparen und dann - wie zuletzt Ende Dezember - eine große Angriffswelle starten.
„Kinschal fliegt sehr schnell und ist schwierig abzuwehren“ - zumindest theoretisch
Die Einschätzung von Gressel zur Leistungsfähigkeit der Waffe stimmt mit der anderer Experten überein. „Die Kinschal fliegt sehr schnell und ist schwierig abzuwehren“, so Nico Lange, Senior Fellow der Zeitenwende-Initiative bei der Münchener Sicherheitskonferenz, gegenüber ntv. Allerdings habe sich auch gezeigt, dass die Rakete abgefangen werden könne. Daher sei „das russische Bohei um Kinschal“ nicht gerechtfertigt. Die Rakete sei zudem nicht, wie oft behauptet, eine Hyperschallwaffe, sondern die Weiterentwicklung einer ballistischen Rakete.
Was ist eine Hyperschallwaffe?
Eine Hyperschallwaffe ist eine Art von Waffe, die mit Geschwindigkeiten oberhalb der Schallgeschwindigkeit fliegt. Hyperschallgeschwindigkeit beträgt etwa die fünffache Schallgeschwindigkeit oder mehr. Es können Raketen, Gleitflugkörper oder andere Geschosse sein, die mit extrem hoher Geschwindigkeit fliegen.
Hyperschallwaffen sind besonders schnell, wodurch sie schwieriger zu erkennen und abzufangen sind. Sie haben verschiedene militärische Anwendungen, einschließlich der Fähigkeit, schnelle Präzisionsangriffe auszuführen oder die Verteidigungssysteme eines Gegners zu umgehen.
Das britische Verteidigungsministerium hat der vermeintlichen Superwaffe bereits wenig beeindruckende Leistungen bescheinigt. Zwar ist die Rakete auf dem Papier beeindruckend, so das Ministerium in einem Post auf X (früher: Twitter) vom 21. Oktober 2023. Theoretisch könne sie schließlich „mit Hyperschallgeschwindigkeit fliegen und modernen Luftverteidigungssystemen ausweichen“. Praktisch befinde sich die Kischal jedoch noch in der Entwicklung, wie sich in der Ukraine gezeigt habe. (tpn)
Unser Mitarbeiter Tadgh Nagel hat diesen Artikel verfasst und anschließend zur Optimierung nach eigenem Ermessen ein KI-Sprachmodell eingesetzt. Alle Informationen wurden sorgfältig überprüft. Hier erfahren Sie mehr über unsere KI-Prinzipien.