Öko-logisch

Förderprogramm gegen Wohnungsnot: Kleiner Wohnen

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An der Grenze von Frankfurt und Offenbach liegen die ehemaligen Siemens KWU-Hochhäuser, deren Büros eigentlich schon längst in neue Wohnungen umgewandelt werden sollten.
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Statt der Wohnungsnot in Deutschland immer nur mit neuen Bauplätzen und frischem Beton zu begegnen, könnte viel Wohnfläche in Bestandsimmobilien generiert werden. Vorausgesetzt, die Bürger machen mit. Die Kolumne „Öko-logisch“

Im Kampf gegen die Wohnungsnot hat sich die Ampel-Regierung etwas Neues ausgedacht. Das Förderprogramm „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment“ soll die dritten Säule der Wohnraumförderung werden - neben den Finanzhilfen für Privatleute, die bauen wollen, und dem sozialen Wohnungsbau. Zwei Milliarden Euro macht die Ampel dafür locker.

Es geht um eher kleine und klimafreundliche Wohnungen, die zudem bezahlbar sein sollen. Es soll ein Angebot sein für Menschen, die für die Berechtigung für eine Sozialwohnungen zu viel verdienen, aber für „normale“ Mieten (was man heute so normal nennt) zu wenig.

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Die Reaktion? Die Wohnungswirtschaft senkt den Daumen, das Programm sei „inhaltlich schwach und finanziell unzureichend“, so ihr Verband GdW. Die Umweltschützer ebenso. Die DUH kritisiert, der vorgesehene Wärmestandard sei zu schwach, die Gebäude verbrauchten zu viel Energie.

Die Ampel steckt in einem Dilemma. Sie muss Wohnraum schaffen, es fehlen aktuell, zumindest nach Zahlen der Baubranche, 800 000 Wohnungen. Doch sie muss auch den Ressourcenverbrauch in dem Sektor drastisch reduzieren, Stichwort CO2 und Flächenversiegelung. Das ist die Quadratur des Kreises. Und leider scheitert sie bisher daran, so wie alle Regierungen vor ihr.

Das liegt unter anderem daran, dass die Wohnungspolitiker, vom Bund bis zu den Kommunen, die Aufgabe „Wohnraum schaffen“ praktisch mit „neu bauen“ gleichsetzen. Andere Potenziale sind unterbelichtet. So ließe sich, gerade in den Ballungsräumen, mit entsprechenden Anreizen viel Wohnfläche in Büroimmobilien erzeugen, die wegen des Trends zum Homeoffice nicht mehr gebraucht werden. Ebenso wichtig wäre es, mit der vorhandene Wohnfläche anders umzugehen. Denn Wohnraum ist in Deutschland eigentlich genug vorhanden, er ist nur falsch verteilt.

Es käme darauf an, die opulenten Flächen – pro Kopf im Schnitt inzwischen fast 50 Quadratmeter – besser zu nutzen, statt, wie die Baubranche, nur immer mit neuen Bauplätzen und frischem Beton zu rechnen. Es braucht kluge Lockmittel, um Menschen mit zu viel Wohnraum, wie Eltern, deren Kinder ausgezogen sind, oder alleinstehende Senior:innen, Veränderungen schmackhaft zu machen. Warum keine Steuerbefreiung für „kleiner Wohnen“ oder Wohngemeinschaften für Ältere? Warum nicht neue Wohnformen sponsern, statt in Neubauten zu investieren? Das wäre mal ein Konzept.

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