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Penny-Preise fürs Klima: Dieses Experiment schadet den Falschen

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Die Discounter-Kette Penny erhöht die Preise für neun Produkte drastisch. Dahinter steckt ein Experiment, das zum Umweltschutz beitragen soll, am Ende aber den Falschen schadet. Ein Kommentar.

Frankfurt – 6,01 Euro für Wiener Würstchen, statt 3,19 Euro. Maasdamer für 4,84 Euro statt 2,49 Euro. Der Discounter Penny erhöht für neun Produkte radikal die Preise. Aber nicht aufgrund der Inflation. Bis Samstag wagt die Supermarkt-Kette ein Experiment mit der Technischen Hochschule Nürnberg. Das zur Rewe-Gruppe gehörende Unternehmen rechnet Kosten für Umwelt und Gesundheit auf ausgewählte Produkte mit drauf. Laut Penny-Chef Stefan Görgens solle die Kampagne Bewusstsein schaffen für die „wahren Kosten“ der Produkte. Der erzielte Gewinn soll an ein Klimaschutzprojekt gespendet werden. Klingt doch eigentlich gut. Ist es aber nicht.

In einem Experiment erhöht der Discounter Penny die Preise einiger Produkte deutlich. (Symbolfoto)

Nun ist das Experiment aus wissenschaftlicher Sicht selbstverständlich interessant. Aber vor allem gefährlich. Denn die Idee basiert auf einem individualistischen Gedanken. Auf dem Glauben, Konsument:innen könnten mit ihren Kaufentscheidungen den Markt beeinflussen. Es wäre schön, wenn der Kapitalismus so funktionieren würde, wie in der Theorie. Doch in der Praxis profitiert in der Regel das Kapital von der Unsichtbaren Hand des Marktes.

Penny: Aus der Verantwortung gestohlen

Der Verdacht liegt nahe: Dieses Experiment ist die perfekte Gelegenheit für Unternehmen, um zu prüfen, wie stark sie sich aus der Verantwortung ziehen können. Wie sehr Konsument:innen bereit sind, die Kosten, die die Wirtschaft tragen müsste, auf sich abwälzen zu lassen. Denn ja, es stimmt: die Herstellung vieler Produkte belastet die Umwelt. Aber es sind nicht die Menschen, die Schuld an der Misere tragen. In Zeiten, in denen Supermärkte zu den Krisenprofiteuren gehören, also Preise teils über Inflationsniveau erhöhen, ist dieser Schritt einfach nur schäbig. Dass nun ausgerechnet Penny diesen Versuch betreibt, wo doch viele Menschen mit geringem Einkommen abhängig sind von günstigeren Discounter-Preisen, ist besorgniserregend. Nicht zuletzt, weil die Reallöhne weiter sinken.

Produktneuer Preis in Euroalter Preis in Euro
Mozzarella San Fabio1,550,89
Fruchtjoghurt Bio Naturgut1,561,19
Maasdamer Käse (300 Gramm)4,842,49
Vegane Schnitzel2,832,69
Fruchtjoghurt Zukunftsbauer1,440,99
Maasdamer Käse Bio (200 Gramm)3,702,19
Mühlenhof Wiener Würstchen6,013,19
Wiener Würstchen Bio Naturgut5,363,29
Bio Mozzarella Naturgut1,921,29
Quelle: Penny

Statt also die Konsument:innen zu bestrafen, müssen sich die Produktionsprozesse, im Idealfall die Produktionsverhältnisse, ändern. Dass die Unternehmen das nicht freiwillig tun werden, schließlich sind sie nach Gewinnmaximierung aus, ist klar. Hier muss deshalb die Politik ansetzen. Mit Regulation und dazugehöriger Preisbremse. Dann könnten sich auch viel mehr Menschen umweltfreundlichere Produkte leisten.

Es bleibt zu hoffen, dass nur wenige Menschen bereit sind, diese Preise zu bezahlen. Denn sollte das Experiment aus Unternehmenssicht erfolgreich sein, könnte das weitrechende Folgen für die zukünftige Preisentwicklung am Markt haben. Es könnte für viele Unternehmen das Signal sein, dass sie sich alles erlauben können.

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Rubriklistenbild: © Ralph Peters/Imago

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