Klimapolitik

Klimakonferenz COP28: „Ich will Ergebnisse, keine Reden“

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Adenike Oladosu (29) kommt aus Nigeria. Dort hat sie Fridays for Future Nigeria mit ins Leben gerufen. Zudem hat sie die Initiative „I lead climate“ gegründet, die sich für die Wiederherstellung des austrocknenden Tschadsees einsetzt und dafür kämpft, junge Menschen in die Klimagerechtigkeit einzubeziehen. Zuletzt forschte sie zum Tschadsee mit einem Stipendium an der Uni Gießen.
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Klimaaktivistin Adenike Oladosu aus Nigeria über ihre Hoffnung für die COP28, die Klimakrise in Afrika und die Folgen für Frauen

Frau Oladosu, warum sind Sie Klimaaktivistin geworden?

In meinem Land erleben wir bereits die Klimakrise. Wir sehen die Zusammenstöße und Kämpfe zwischen den Bauern und den Hirten auf der Suche nach Wasser und Ressourcen. Die Ressourcenknappheit bringt sie zum Kämpfen. Zugleich sehen wir die Gefahr von Überschwemmungen. Die erste Überschwemmung, die mich sehr getroffen hat, war 2012. Es geschah, als ich gerade mein Studium abgeschlossen hatte. Ich habe mich gefragt: Woher kommt das? Ich habe in einem Gebiet studiert, das mit am stärksten von der Krise betroffen war. Dass wir in demselben Land mit Dürren und Überschwemmungen konfrontiert sind, hat mir die Augen geöffnet. Als ich mein Studium abgeschlossen hatte, begann ich, Pionierarbeit in der Klimabildung in Nigeria zu leisten. Die Menschen verstehen zwar, dass sich die Umwelt verändert, aber sie verstehen nicht, was diese Veränderungen verursacht.

Sie forschen auch über den Tschadsee in Zentralafrika. Worum geht es dabei?

Der Tschadsee ist seit den 1960er Jahren um 90 Prozent geschrumpft. Wenn der See vollständig austrocknet, werden mehr als 10,7 Millionen Menschen vertrieben werden. Ich verwende Geoinformationssysteme, um in Regionen vorzudringen, zu denen ich am Tschadsee aus Sicherheitsgründen keinen Zugang habe. Ich nutze diese Werkzeuge, um Konflikte in der Region zu untersuchen, um herauszufinden, wie wir den See über verschiedene Kanäle wieder auffüllen können, und um gleichzeitig zum Handeln aufzurufen. Ich bin Klimaschutz-Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung. In meinem Projekt geht es darum, wie das Sammeln von Daten zu Frieden und Sicherheit in der Tschadsee-Region beitragen kann. Wenn wir unsere Umwelt wiederhergestellt haben, könnte das zu mehr Frieden und Sicherheit beitragen. Das ist ein sehr wichtiger See, den wir vor dem Austrocknen bewahren müssen.

Auf der COP28 wird auch der sogenannte Loss and Damage Fund diskutiert werden, mit dem Verluste und Schäden durch den Klimawandel ausgeglichen werden sollen.

Es hat 27 Jahre gedauert, bis die COP einen Loss-and-Damage-Fonds anerkannt hat. Verluste und Schäden sind seit Beginn der Klimakrise eine Realität. Je länger wir es hinauszögern, auf diese Realität zu reagieren, desto größer wird das Problem werden. Jede Gemeinschaft auf der Welt hat ihre eigenen Verluste und Schäden. Aber wir wissen, dass Afrika am stärksten betroffen ist, weil wir die Hauptlast der Krise tragen. Auf der COP in Kopenhagen, Dänemark, kamen die Staats- und Regierungschefs der Welt 2009 zusammen und versprachen 100 Milliarden Dollar jährlich für Klimaschutz und Anpassung in den Entwicklungsländern. Aber sie hielten diese Zusage nicht ein. Das hat uns in die Gegenwart der Klimakrise geführt. Und gleichzeitig sollten diese 100 Milliarden Dollar als Zuschüsse und nicht als Kredite vergeben werden, denn Afrika hat bereits mit Schuldenproblemen zu kämpfen. Uns Kredite zu geben, um die Klimakrise zu bekämpfen, ist kein Klimaschutz.

Was würden Sie an den Klimakonferenzen ändern wollen?

Wenn ich Präsidentin der COP wäre, würde ich unter anderem dafür sorgen, dass die Staats- und Regierungschefs der Welt zeigen müssen, was sie im Hinblick auf das Abkommen getan haben. Ich möchte Ergebnisse sehen, keine Reden. Mit schönen Reden können wir die Klimakrise nicht aufhalten. Wir müssen zum Handeln übergehen. Wir müssen die Staats- und Regierungschefs zusammenbringen, damit sie uns zeigen, was sie getan haben, und bestätigen, dass diese Ergebnisse auch umgesetzt wurden. Länder, die ihren Klimaverpflichtungen nicht nachkommen, sollten sanktioniert werden. Wenn es keine Sanktionen gibt, gibt es keine Möglichkeit, Fortschritte zu machen. Denn all diese Verpflichtungen, auch das Pariser Abkommen, sind nur freiwillig. Man kann jederzeit aus- und einsteigen. Es sollte strenge Maßnahmen geben, damit es funktioniert.

Was erwarten Sie vom Klimagipfel, der nächste Woche startet?

Wir wollen, dass sie einen soliden Plan für die Einrichtung eines Fonds für Verluste und Schäden vorlegen. Und mehr Mittel für die Anpassung. Afrika ist kein Land, es ist ein Kontinent. Er umfasst mehr als 40 Länder. Wir müssen als solcher behandelt werden.

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Es gibt viele junge Menschen wie mich, die Rechenschaft fordern. Das gibt mir Hoffnung, dass wir den Kampf gegen die Klimakrise gewinnen werden.

Möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern in Deutschland noch etwas mitteilen?

Ich bin Ökofeministin und sehe die Auswirkungen des Klimawandels auf Frauen und Mädchen in Nigeria, wo wir auf der Suche nach natürlichen Ressourcen Entfernungen von mehr als 20 Kilometern zurücklegen müssen. All diese Zeitverluste beeinträchtigen das Empowerment und die Bildung von Frauen und Mädchen. In Nigeria ist der Klimawandel nicht länger eine Bedrohung, sondern eine Realität. Wenn Afrika nicht sicher ist, ist auch Europa nicht sicher. Es mag Sie nicht betreffen, aber Ihre Kinder und Enkelkinder werden auf jeden Fall davon betroffen sein. Niemand ist gegen die Klimakrise immun. Jeder wird davon betroffen sein, wenn wir nicht handeln. Und die Zeit zum Handeln ist jetzt.

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