VonFriederike Meierschließen
Der vergangene Sommer war in Europa der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Und die Temperaturen steigen doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.
Der vergangene Sommer war der wärmste in Europa seit Beginn der Temperatur-Aufzeichnungen. Er lag 1,4 Grad Celsius über dem Durchschnitt aus den Jahren 1991 bis 2020. Das ist das Ergebnis des diesjährigen Berichtes des europäischen Klimadienstes Copernicus. Das gesamte Jahr 2022 war in Europa demnach das zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, es lag 0,9 Grad über der durchschnittlichen Temperatur der Jahre 1991 bis 2020. Das wärmste Jahr war 2020. Das Klima erwärmt sich dem Bericht zufolge in Europa doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Die Konzentration der wichtigsten Treibhausgase in der Atmosphäre war in Europa dem Bericht zufolge 2022 ebenfalls auf einem neuen Rekordniveau.
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Außerdem kennzeichnend für das vergangene Jahr war die Trockenheit: Im Winter 2021/2022 gab es weniger Schneetage als im Durchschnitt – im Frühjahr regnete es zudem weniger. Die Kombination aus weniger Schnee und Hitze im Sommer führte dann dazu, dass so viel Gletscher-Eis in den Alpen abschmolz wie nie zuvor, nämlich mehr als fünf Kubik-Kilometer Eis.
Die Hitze führt auch dazu, dass die Gesundheit der Menschen litt. Laut dem Bericht gab es im Sommer in Südeuropa ein neues Allzeit-Hoch an Tagen mit sehr starker Hitzebelastung für die menschliche Gesundheit – diese Tage werden mit fortschreitender Klimakrise häufiger. „Der Bericht zeigt alarmierende Veränderungen unseres Klimas auf, einschließlich des heißesten jemals in Europa verzeichneten Sommers, der durch beispiellose marine Hitzewellen im Mittelmeer und rekordverdächtige Temperaturen in Grönland gekennzeichnet war“, sagt Copernicus-Direktor Carlo Buontempo.
Klimakrise in Europa: Weniger Ernte wahrscheinlich
Besonders die beschleunigte Gletscherschmelze und die immer intensiver werdenden Dürren seien für Europa besorgniserregend, sagte Karsten Haustein, Wissenschaftler am Institut für Meteorologie an der Universität Leipzig dem „Science Media Center“. „Beides hängt zum Teil damit zusammen, dass der kühlende Effekt ungefilterter Industrieabgase mittlerweile kaum mehr vorhanden ist.“ Dadurch sehe man in Europa nun das volle Ausmaß der menschengemachten Treibhausgasemissionen. „Dabei ist es nach wie vor erstaunlich, wie wenig präsent insbesondere der Temperaturanstieg in der öffentlichen Diskussion ist“, kritisiert der Experte.
Der Anstieg der Temperaturen falle über den Kontinenten mehr als doppelt so stark aus wie über den Ozeanen und mindestens 1,5-mal so stark wie im globalen Durchschnitt. „Sollten wir durchschnittlich zwei Grad global überschreiten, sind in Europa mindestens 3 bis 3,5 Grad Temperaturanstieg zu erwarten“, sagt Haustein. „Extrem heiße Tage, die früher in Europa kaum über 35 Grad gingen, werden in einer durchschnittlich zwei Grad wärmeren Welt regelmäßig über 40 Grad heiß, wie vergangenen Juli in Südengland und Hamburg bereits passiert“, erklärt Haustein.
Auch schon für 2023 deutet sich nach Angaben von Copernicus-Vizedirektorin Samantha Burgess zumindest für Teile des Kontinents erneut eine schwierige Lage ab. Die Böden in Südeuropa seien weiterhin „unglaublich“ trocken. Dies werde Folgen haben, falls es im Frühjahr nicht „bedeutenden Niederschlag“ gebe. Die anhaltende Trockenheit wirke sich bereits jetzt in der Vegetationsperiode aus. Sinkende Ernteerträge seien daher „wahrscheinlich“.
