Bundeshaushalt 2025

Klingbeil initiiert Spar-Gespräche mit Ministern – Grüne warnen vor Wortbruch

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SPD-Finanzminister Klingbeil möchte die Zukunft mit weniger Geld finanzieren. Die Grünen mahnen: Der Klimaschutz droht vernachlässigt zu werden.

Berlin – Die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) beginnt mit der Aufstellung des Bundeshaushalts 2025 – und setzt dabei erste deutliche Akzente: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigt Einzelgespräche mit allen Ministerinnen und Ministern an, um Sparpotenziale auszuloten. Doch während Klingbeil auf Disziplin pocht, wächst der Unmut bei den Grünen. Der Vorwurf: Mit einem durchschaubaren Haushaltstrick könnten Investitionsgelder zweckentfremdet werden.

Klingbeil plant Spargespräche: „Alle Ministerien müssen sparen“

„Alle Ministerien müssen sparen“, machte Klingbeil jüngst in der Rheinischen Post klar und stellte unmissverständlich fest: „Das betrifft vor allem das Personal in Ministerien und Behörden und Verwaltungsausgaben. Wir wollen effizienter werden.“ Die Gespräche mit den Ressortchefs will der SPD-Politiker persönlich führen. Ziel sei ein „solider Haushalt“, der am 25. Juni im Kabinett als erstes großes Maßnahmenpaket beschlossen werden soll – mit Schwerpunkt auf einer wirtschaftlichen Investitionsoffensive.

Dabei betont Klingbeil mehrfach, dass seine geplante „Super-Abschreibung“ für Unternehmen sowie die Mittel aus dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen den Investitionsstau auflösen sollen. „Wir wollen, dass schnell mehr gebaut wird, dass wir unser Land modernisieren und die Bürgerinnen und Bürger das auch spüren.“

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Grüne wittern in Klingbeils Bundeshaushalt Etatlöcher statt Zukunftsinvestitionen

Ganz anders sehen das die Grünen. Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge warnte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Statt wie vereinbart die Milliarden aus dem Sondervermögen in zusätzliche Investitionen für Wirtschaft, Klimaschutz und Infrastruktur zu stecken, soll im Bundeshaushalt lediglich Geld verschoben werden.“ Es bestehe die Gefahr, dass am Ende „kaum zusätzliche Euros bei der Wirtschaft ankommen“.

Anlass für diese Befürchtung ist ein Rundschreiben des Finanzstaatssekretärs Steffen Meyer. In dem Schreiben heißt es, die Etats der Ministerien seien „um die Maßnahmen, die zukünftig im Sondervermögen […] finanziert werden, abzusenken“ – insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr und Forschung, berichtet ntv.de.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) kündigt Einzelgespräche mit allen Ministerinnen und Ministern an, um Sparpotenziale auszuloten. (Symbolbild)

Streitpunkt Sondervermögen – Grüne kritisieren gegenüber Merz-Regierung „Wortbruch“

Auch Grünen-Parteichef Felix Banaszak verschärfte den Ton: „Erst große Ankündigungen machen und dann beim Klima- und Transformationsfonds kürzen – das ist nichts anderes als Haushaltstrickserei“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Er erinnerte daran, dass seine Partei dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen nur unter der Bedingung zugestimmt hatte, dass es zusätzlich zum regulären Bundeshaushalt verwendet werde – nicht als Lückenfüller.

Wer jetzt Zukunftsinvestitionen ausradiere, „sägt am eigenen wirtschaftlichen Fundament“, so Banaszak weiter. In der Opposition machen die Grünen deutlich, dass sie ihre Rolle als Verteidiger von Klima- und Transformationsprojekten ernst nehmen – auch gegen einen ehemaligen Ampelpartner.

Klingbeil widerspricht Grünen: „Keine Umwidmung, sondern zusätzliche Investitionen“

Finanzminister Klingbeil weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Es gibt klare Verabredungen, dass zehn Prozent des Haushalts für Investitionen bereitstehen müssen. Alle Investitionen aus dem 500-Milliarden-Sondervermögen erfolgen zusätzlich dazu“, bekräftigte er erneut gegenüber der Rheinischen Post.

Das Finanzministerium ergänzt laut tagesschau.de, dass tatsächlich Programme vom Kernhaushalt in den Klima- und Transformationsfonds (KTF) überführt werden sollen, um diese dauerhaft zu sichern. Diese würden aber nur einen Bruchteil der KTF-Mittel betreffen. Die geplante Investitionshöhe bleibe damit unangetastet.

Es gibt klare Verabredungen, dass zehn Prozent des Haushalts für Investitionen bereitstehen müssen. Alle Investitionen aus dem 500-Milliarden-Sondervermögen erfolgen zusätzlich dazu.

Finanzminister Klingbeil (SPD) gegenüber der „Rheinischen Post“.

Sondervermögen der Bundesregierung: Zukunftsinvestitionen auf dem Prüfstand

Das Sondervermögen war erst im März 2025 nach einer Grundgesetzänderung mit Zustimmung von Union, SPD und Grünen beschlossen worden. 500 Milliarden Euro sollen in den kommenden zwölf Jahren in Infrastruktur und Klimaschutz fließen. Davon sind 400 Milliarden für Digitalisierung, Energie und Verkehr vorgesehen, 100 Milliarden für klimabezogene Maßnahmen.

Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Linie: „Das Verlagern von Geld von einem Topf in den anderen bringt keine Investitionen“, so Klingbeil. Doch der Vorwurf des Wortbruchs hängt im Raum – und der politische Druck auf die neue schwarz-rote Koalition wächst.

Ob es Klingbeil gelingt, mit seinen Spargesprächen das Kabinett hinter sich zu vereinen und gleichzeitig das Vertrauen der Opposition zu bewahren, dürfte über das Gelingen seines Finanzkurses entscheiden.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Political-Moments

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