Schwarz-rote Koalition unter Druck

Klingbeils Sondervermögen unter Beschuss: Junge Gruppe der Unionsfraktion übt Kritik

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Das Infrastruktur-Sondervermögen von Klingbeil steht auf wackligen Beinen: Die Grünen unterstützen es, während ausgerechnet die Union heftig kritisiert.

Berlin – Es droht ein Aufstand innerhalb der schwarz-roten Regierungskoalition. Eine Initiative der Jungen Union gefährdet aktuell, den geplanten Gesetzentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum milliardenschweren Infrastruktur-Sondervermögen. Während der Entwurf des Vizekanzlers bei den oppositionellen Grünen größtenteils auf Zustimmung stößt, kommt von der regierenden Union deutliche Kritik.

Besonders die „Junge Gruppe“ der Unionsfraktion stellt sich kurz vor dem geplanten Kabinettsbeschluss quer. Finanzminister Klingbeil beabsichtigt, das Gesetz an diesem Dienstag ins Kabinett einzubringen.

Verkehrte Welt für die SPD: Opposition ist dabei, Koalition dagegen

Das politische Berlin erlebt derzeit eine „verkehrte Welt“: Die Grünen, repräsentiert durch ihre Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann sowie den finanzpolitischen Sprecher Sebastian Schäfer, loben Klingbeils Entwurf als „nachvollziehbar“ und „gut und notwendig“. Dieser setzte zentrale Vereinbarungen aus der Grundgesetzänderung um.

Die harsche Kritik kommt hingegen von der Koalitionspartei der Union. Wie der Focus berichtet, befürchten diese ein „konzeptloses Schuldenmachen“ und wollen einen „Selbstbedienungsladen“ verhindern. Die jungen Abgeordneten der CDU/CSU, wie Pascal Reddig, Yannick Bury, Carl-Philipp Sassenrath und Konrad Körner, sind dabei die prominentesten Kritiker. Doch auch der nordrhein-westfälische Landeschef der Jungen Union, Kevin Gniosdorz, und erfahrene Politiker wie Wolfgang Steiger vom Wirtschaftsrat der Union und Ex-Fraktionschef Ralph Brinkhaus schliessen sich der Kritik an.

Finanzminister Lars Klingbeil und Bundeskanzler Friedrich Merz stehen unter Druck. Die Junge Gruppe der Union droht beiden einen Strich durch die Rechnung zu machen. (Symbolbild)

„Blankoscheck“ für Infrastruktur? Junge Union rebelliert

Die Junge Gruppe aus der Union lehnt „konzeptloses Schuldenmachen“ ab. Für das Sondervermögen fordern sie eine engere Definition von Investitionen und Infrastruktur. Gegenüber der Bild bezeichnete etwa Konrad Körner (CSU) den Entwurf als „Blankoscheck“. Er schlägt vor, die Mittelvergabe an den Abbau von Bürokratie zu koppeln.

CDU-Mann Carl-Philipp Sassenrath wiederum bemängelt die geplante Erfolgskontrolle nach vier und acht Jahren als „undenkbar in der Privatwirtschaft“. Der 35-Jährige fordert einen klareren Fokus auf echte Zukunftsinvestitionen, Transparenz und regelmäßige, belastbare Erfolgskontrollen. Kevin Gniosdorz (Junge Union) kritisiert das Fehlen eines Tilgungsplans und die Möglichkeit, konsumtive Ausgaben über den KTF (Klima- und Transformationsfond) zu finanzieren. Das würde eine Umgehung der Schuldenbremse bedeuten. Wolfgang Steiger vom Wirtschaftsrat der Union und Ralph Brinkhaus (beide CDU) unterstützen die Sorgen der jungen Politiker. Gegenüber Bild, fordern sie eine genaue Analyse und Priorisierung der Projekte.

Das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz, das im März ins Grundgesetz geschrieben wurde, benötigt noch ein Errichtungsgesetz, um die Schulden aufnehmen zu können. Dass die Kritik in jedem Fall ernstzunehmen ist, zeigen die Abstimmungsverhältnisse: Die „Junge Gruppe“ der Unionsfraktion verfügt mit 18 Abgeordneten über eine faktische Sperrminorität; wenn sie geschlossen dagegen stimmen, könnten sie das Gesetz kippen, da die Regierungsmehrheit von Union und SPD nur 13 Stimmen über dem notwendigen Quorum liegt.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Infrastruktur-Milliarden: Kommunen droht Stillstand

Zuletzt war das Sondervermögen für Infrastruktur im Gespräch, da die Kommunen 60 Prozent des 100 Milliarden schweren Kredits für sich forderten. Gegenüber der Nachrichtenagentur afp erklärte der SPD-Präsident des deutschen Städtetages, Burkhard Jung: „Die Länder dürfen jetzt keine Spielchen treiben und versuchen, den Anteil der Kommunen zu drücken“.

Weiter erklärte er, die Kommunen bedürften einen „Löwenanteil aus dem Sondervermögen“. Sollte das Gesetz also scheitern, wären auch die Kommunen betroffen. So weit müsste es aber nicht kommen. Gegenüber der Bild gibt sich Sassenrath versöhnlich: Man sei guter Dinge, „dass wir uns alle gemeinsam erinnern werden, was der Ausgangszweck des Sondervermögens war.“ (ko)

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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