Gewaltiges Investitionsprogramm

Klingbeils verspricht bessere Bahn und Bildung – Diskussion um Haushalt im Bundestag

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Finanzminister Klingbeils Haushaltsplan steht in der Kritik. Er verteidigt trotzdem die Schulden und Investitionen – das Land sei „kaputtgespart“ worden.

Berlin – Pünktliche Züge, gestopfte Schlaglöcher und funktionierende Schulklos: Die Bürger in Deutschland sollen die Folgen des staatlichen Investitionsschubs bald spüren. Das hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) versprochen. Der SPD-Chef brachte den Haushaltsentwurf 2025 sowie die Finanzplanung bis 2029 am Dienstag (8. Juli) in den Bundestag ein. Geplant sind deutlich mehr Investitionen, die vor allem durch wesentlich höhere Schulden finanziert werden sollen.

Schlaglöcher weg, Bahn pünktlicher: Klingbeil verspricht mit neuem Haushalt spürbare Veränderungen

„Wir gehen jetzt das an, was jahrelang in unserem Land vernachlässigt wurde“, sagte Klingbeil. „Wir wollen, dass die Bürgerinnen und Bürger das in ihrem Alltag spüren, dass sich etwas verändert.“ Er nannte Beispiele: Das Schlagloch, das seit Jahren nerve, solle beseitigt werden. Die Schultoilette, die schon seit Jahren nicht mehr benutzt werden könne, solle repariert werden, das Schwimmbad neue Duschen bekommen, Brücken saniert und Glasfaserkabel verlegt werden. 

Der Minister nannte zudem geplante milliardenschwere Investitionen in die Bundeswehr, Bildung und Forschung, den Klimaschutz, Digitalisierung sowie den sozialen Wohnungsbau – und in die Bahn, damit Züge pünktlicher werden: „Wir alle kennen das ja, dass man am Bahnsteig steht und der Zug nicht pünktlich kommt.“ 

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) spricht im Bundestag bei den Haushaltsberatungen zum Bundeshaushalt 2025.

Ausgaben in Höhe von 503 Milliarden: Investitionsschwerpunkte des Haushaltsplans 2025

Der Haushaltsplan 2025 sieht Ausgaben in Höhe von 503 Milliarden Euro vor, was einem Anstieg von 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Um diese Ausgaben zu finanzieren, plant die Regierung, 81,8 Milliarden Euro durch Kredite zu decken – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Zusätzlich sollen über 60 Milliarden Euro aus schuldenfinanzierten Sondertöpfen kommen. Der größte Teil der Ausgaben entfällt auf das Arbeits- und Sozialministerium, das mehr als 190 Milliarden Euro umfasst.

Die Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP war vor allem wegen eines Streits um den Haushalt gescheitert. Deswegen gilt seit Januar eine sogenannte vorläufige Haushaltsführung. Bürgergeld, Rente oder Kindergeld sowie Fördermittel aus bestehenden Programmen werden weiter gezahlt. Neue Projekte können aber nicht ohne Weiteres angestoßen werden. Der Haushalt 2025 soll Mitte September vom Bundestag beschlossen werden

Die geplanten Rekordinvestitionen von mehr als 115 Milliarden Euro sollen aus dem Kernhaushalt, dem Sondervermögen und dem Klima- und Transformationsfonds finanziert werden. Investiert werden soll unter anderem in die Bundeswehr, die Sanierung von Bahnstrecken und maroden Brücken, in Schulen, Kitas, Krankenhäuser, den sozialen Wohnungsbau und die Digitalisierung. Das Sondervermögen ermöglicht über einen Zeitraum von zwölf Jahren zusätzliche Ausgaben von 500 Milliarden Euro.

Für Umsetzung von Wahlversprechen: Grüne nennen Klingbeils Maßnahmen „Verschiebebahnhof“

Die Grünen werfen der Regierung vor, durch sogenannte Haushaltsstrickereien Investitionen aus dem Haushalt in andere Töpfe zu verschieben, um Wahlversprechen wie Steuerentlastungen zu finanzieren. Zudem gibt es Kritik an der Entscheidung, die Stromsteuer nicht wie angekündigt für alle zu senken, sondern nur für das produzierende Gewerbe. Diese Maßnahmen führen zu Vorwürfen eines „Verschiebebahnhofs“ bei den Investitionen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Dieses Land ist kaputtgespart worden an vielen Stellen.

Lars Klingbeil – Finanzminister

Die weitere Konsolidierung des Haushalts habe hohe Priorität, so das Finanzministerium. Genannt werden etwa Einsparungen beim Personal sowie eine Verringerung von Verwaltungsausgaben. Zugleich sollen die staatlichen Einnahmen gestärkt werden. Zum Beispiel soll in die Bekämpfung von Schwarzarbeit und Steuerbetrug intensiviert werden.

Die Finanzplanung sieht ab 2027 milliardenschwere Finanzlöcher vor, die durch die Konsolidierung des Haushalts geschlossen werden sollen. Geplante Aspekte betreffen unter anderem Personal- und Verwaltungsausgaben. Gleichzeitig sollen die staatlichen Einnahmen durch eine intensivere Bekämpfung von Schwarzarbeit und Steuerbetrug gesteigert werden. Trotz der Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben bestehen weiterhin erhebliche finanzielle Herausforderungen.

Klingbeil verteidigt Rekordinvestitionen: „Dieses Land ist kaputtgespart worden an vielen Stellen“

Klingbeil verteidigt dagegen sein Vorhaben. „Dieses Land ist kaputtgespart worden an vielen Stellen“, sagte Klingbeil, als er vor gut einer Woche seine Haushaltspläne verteidigte. Was bringe eine schwarze Null, wenn die Schulen im Land vergammeln, erzählt er immer wieder. Gerne betont er dann, dass jetzt die „Bagger rollen“ und „endlich investiert“ werde. In einer aktuellen Umfrage müssen Klingbeil und die SPD allerdings ordentlich Federn lassen.

3.431 Seiten dick ist der Haushaltsentwurf für 2025, den die Parlamentarier nun prüfen sollen. Im Vergleich zu 2024 steigen die Investitionen laut Ministerium um 55 Prozent. Die Bundesregierung hat Reformen angekündigt – damit Investitionen zügig wirken. So soll es kürzere Planungs- und Genehmigungsverfahren geben. (bg/dpa)

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